Gefahr durch Exoten

Giftschlangen in Deutschland: Zoo Berlin schlägt Alarm wegen Kobras & Vipern

Giftschlangen gibt es auch in Deutschland – doch die größte Gefahr kommt oft aus privaten Terrarien.

Author - Sharone Treskow
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Die Aspisviper (Vipera aspis) ist giftig und kommt in seltenen Fällen in Deutschland vor.
Die Aspisviper (Vipera aspis) ist giftig und kommt in seltenen Fällen in Deutschland vor.Imagebroker/Imago

Der Zoo Berlin schlägt Alarm: Auch in Deutschland gibt es Giftschlangen – und immer öfter sorgen exotische Arten aus privaten Terrarien für gefährliche Einsätze. Während heimische Arten kaum auffallen, können entwischte Kobras oder Vipern plötzlich ganze Wohnhäuser in Aufregung versetzen. Experten warnen jetzt vor den unterschätzten Risiken und erklären, worauf man achten muss.

Diese Giftschlangen leben in Deutschland – kaum gesehen, aber gefährlich

Giftschlangen in Deutschland? Was viele überraschen dürfte: Ja, die gibt es tatsächlich. Allerdings nur zwei heimische Arten: die Kreuzotter und die extrem seltene Aspisviper. Beide sind scheu, stehen unter Schutz und meiden den Menschen. Trotzdem gilt: Ein Biss kann gefährlich werden.

Achtung: So sieht eine Kreuzotter aus.
Achtung: So sieht eine Kreuzotter aus.Alfred & Annaliese T. / Imago

Die Kreuzotter ist dabei die bekannteste Giftschlange hierzulande. Sie lebt vor allem in Mooren, Heidelandschaften oder lichten Wäldern und ist in vielen Regionen verbreitet – von Norddeutschland bis in die Alpen. Typisch ist ihr dunkles Zickzack-Muster auf dem Rücken. Die Aspisviper dagegen ist deutlich seltener und kommt fast ausschließlich im südlichen Schwarzwald vor.

Grund zur Panik besteht dennoch nicht: Begegnungen sind selten, und selbst Bisse verlaufen bei gesunden Erwachsenen meist glimpflich. Gefährlich kann es vor allem für Kinder, ältere Menschen oder Allergiker werden.

Kobras und Klapperschlangen in Wohnungen – exotische Gefahr wächst

Doch die größere Gefahr kommt oft nicht aus der Natur, sondern aus Wohnzimmern. Immer wieder sorgen exotische Giftschlangen aus privater Haltung für brenzlige Situationen. Kobras, Klapperschlangen oder Vipern – was eigentlich in Terrarien gehört, taucht plötzlich in Hausfluren, Kellern oder Gärten auf.

Ein besonders spektakulärer Fall: In Herne entkam 2019 eine hochgiftige Monokelkobra. Mehrere Häuser mussten evakuiert werden, rund 30 Menschen ihre Wohnungen verlassen.

So sieht eine Aruba-Klapperschlange aus. Die sind giftig, sollten aber theoretisch nur im Zoo Berlin unterwegs sein.
So sieht eine Aruba-Klapperschlange aus. Die sind giftig, sollten aber theoretisch nur im Zoo Berlin unterwegs sein.M.Wardelmann @Corinthpics

Auch in der Region Berlin und Brandenburg schlagen solche Fälle regelmäßig Alarm. In Potsdam fanden Behörden etwa mehrere hochgiftige Arten in einer Wohnung: darunter Kettenvipern und Klapperschlangen. Teilweise war unklar, ob Tiere entwischt waren.

Und erst Anfang 2025 stellten Ermittler in Bochum gleich 20 hochgiftige Schlangen sicher – ein Fall von illegalem Tierhandel, der zeigt, wie verbreitet solche Exoten inzwischen sind.

Zoo Berlin trainiert Einsatzkräfte für den Ernstfall

Genau hier setzt der Zoo Berlin an. Denn auch wenn solche Einsätze selten sind, können sie im Ernstfall lebensgefährlich werden. Experten bereiten deshalb Feuerwehr und Behörden gezielt auf Begegnungen mit Giftschlangen vor – vom sicheren Umgang bis zur stressfreien Sicherung der Tiere.

„Zum Glück sind Einsätze mit Giftschlangen in Deutschland selten. Kommt es jedoch dazu, müssen alle Beteiligten genau wissen, wie sie sicher und besonnen handeln. Unser Ziel in den Schulungen ist es, Einsatzkräfte so vorzubereiten, dass sie in solchen Ausnahmesituationen sowohl die Sicherheit der Menschen gewährleisten als auch die Tiere fachgerecht und möglichst stressfrei sichern können“, erklärt Reptilienkurator Markus Klamt.

Bundestagsabgeordneter Sascha van Beek (CDU/CSU) und Markus Klamt, Kurator des Aquarium Berlin.
Bundestagsabgeordneter Sascha van Beek (CDU/CSU) und Markus Klamt, Kurator des Aquarium Berlin.Zoo Berlin

Klar ist: Die Gefahr durch Giftschlangen in Deutschland bleibt insgesamt gering – doch durch private Haltung und illegale Exoten wächst das Risiko. Wer eine Schlange entdeckt, sollte Abstand halten und sofort die Behörden informieren. Denn auch wenn Begegnungen selten sind: Im Ernstfall zählt jede Sekunde.

Welche Schlangen haben Sie schon einmal in der Natur gesehen? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.