Flugbetrieb eingestellt

Zu hohe Kerosin-Preise: Erste Airline fliegt in die Pleite

Spirit Airlines ist Geschichte. Schlagartig. Tausende Fluggäste sind in den USA gestrandet und müssen nun selbst sehen, wie sie weiterkommen.

Author - Stefan Henseke
Teilen
Die Anzeigetafel am Fort Lauderdale-Hollywood International Airport in Fort Lauderdale, Florida. Alle Flüge von Spirit stehen auf Rot.
Die Anzeigetafel am Fort Lauderdale-Hollywood International Airport in Fort Lauderdale, Florida. Alle Flüge von Spirit stehen auf Rot.Giorgio Viera/AFP

Ein US‑Billigflieger, einst Hoffnungsträger für Sparfüchse, ist endgültig abgestürzt. Am Samstag stellte Spirit Airlines den Betrieb ein – alle Flüge gestrichen, alle Gates leer, alle Hotlines tot. Tausende Passagiere strandeten an Flughäfen von Detroit bis Orlando. Familien, Geschäftsreisende, Urlauber: sitzen geblieben.

Kerosin-Schock reißt Airline in den Abgrund

An den Flughäfen leuchten die roten Schriftzüge: „Cancelled“. Von Nashville bis San Juan. Der Grund für das Chaos: Der Iran‑Krieg ließ die Kerosinpreise explodieren. Spirit hatte mit rund 2,20 Dollar pro Gallone kalkuliert. Am Ende waren es über 4,50 Dollar. Ein Preis-Hammer, der das ohnehin wacklige Geschäftsmodell zertrümmerte.

Spirit‑Chef Dave Davis sprach von einem „plötzlichen und anhaltenden“ Preisschock. Die Airline hatte sich nicht ausreichend abgesichert. Das Ergebnis: Totalschaden.

Betroffen auch Zehntausende Touristen aus aller Welt, die sich Anschlüssflüge für ihren USA-Urlaub in den  kommenden Wochen und Monaten gebucht hatten. Oftmals bot Spirit Airlines die einstige günstige Alternative.

US‑Präsident Donald Trump wollte Spirit noch mit einem 500‑Millionen‑Dollar‑Kredit retten. Im Gegenzug sollte der Staat bis zu 90 Prozent der Airline übernehmen. Doch große Gläubiger – darunter der Hedgefonds Citadel – blockierten. Sie fürchteten, dass ihre Forderungen entwertet würden. Damit war der Deal geplatzt. Die Insolvenz unausweichlich.

Über 4000 Flüge in 14 Tagen gecancelt

Mit der Liquidation verschwinden rund 15.000 Arbeitsplätze. Spirit bediente zuletzt fünf Prozent aller US‑Inlandsflüge. Eine Airline dieser Größe wurde in den USA seit zwei Jahrzehnten nicht mehr abgewickelt.

Allein bis zum 15. Mai waren 4119 Inlandsflüge mit über 800.000 Sitzplätzen geplant. Jetzt: alles rot auf den Anzeigetafeln.

Alle Flieger von Spirit Airlines bleiben wie hier in Fort Lauderdale, Florida, am Boden.
Alle Flieger von Spirit Airlines bleiben wie hier in Fort Lauderdale, Florida, am Boden.Giorgio Viera/AFP

United, Delta, JetBlue und Southwest bieten nun gedeckelte Ticketpreise für gestrandete Spirit‑Kunden an. Wer seine alte Buchungsnummer zeigt, bekommt einen Sondertarif. Für Spirit‑Mitarbeiter gibt es sogar Gratisplätze, damit sie nach Hause kommen.

„Die Branche springt ein“, sagte Verkehrsminister Sean Duffy. Gleichzeitig schob er der Vorgängerregierung die Schuld zu: Die Blockade der geplanten Fusion zwischen JetBlue und Spirit habe den Kollaps beschleunigt.

Gestrandete Passagiere, die über Spirit Airlines gebucht hatten, kommen an den geschlossenen Schaltern der Fluggesellschaft an.
Gestrandete Passagiere, die über Spirit Airlines gebucht hatten, kommen an den geschlossenen Schaltern der Fluggesellschaft an.joe Raedle/Getty Images/AFP

Spirit setzte auf ultrabillige Tickets ohne Komfort. Handgepäck extra. Sitzplatz extra. Alles extra. Doch nach der Pandemie wollten viele Amerikaner plötzlich mehr Beinfreiheit, mehr Service, mehr Erlebnis. Die Nachfrage brach ein. Die Kosten stiegen. Der Krieg im Nahen Osten gab Spirit den Rest.

Wie ist Ihre Meinung zu dem Thema? Planen Sie eine Flugreise in diesem Jahr? Bitte schreiben Sie uns per Mail an: leser-bk@berlinerverlag.com