Angst vor Explosion

Zukunft für Buckelwal Timmy: Was passiert, wenn Hope doch tot ist?

Minister Backhaus macht Mut, doch Experten glauben an Timmys Tod. Sollte der Wal nicht mehr leben, kommen mehrere Szenarien infrage.

Author - Florian Thalmann
Teilen
Vor seiner Rettung lag Timmy vier Wochen auf einer Sandbank. Hat er die Strapazen des Transports überlebt - oder ist der Wal inzwischen gar nicht mehr am Leben?
Vor seiner Rettung lag Timmy vier Wochen auf einer Sandbank. Hat er die Strapazen des Transports überlebt - oder ist der Wal inzwischen gar nicht mehr am Leben?Philip Dulian/dpa

Lebt er oder lebt er nicht? Das ist die Frage, die in Bezug auf Wal Timmy gerade viele beschäftigt. Noch immer ist nicht ganz klar, ob der gestrandete Wal Timmy den Transport an die Nordsee tatsächlich überlebt hat. Während Umweltminister Till Backhaus Fans des Wals Hoffnung machte und verkündete, dass Timmy lebt, sind Experten davon überzeugt, dass dem Wal die Kraft fehlte, um im tieferen Wasser auch wirklich zu überleben. Ist Timmy also schon längst tot? Und was passiert mit ihm, wenn er wirklich verendet ist? 

Was passiert mit Timmy, wenn er wirklich tot ist?

Welches Schicksal Timmy droht, wenn er  tatsächlich tot sein sollte, ist unklar – es gibt aber mehrere Möglichkeiten, wie ein Wal enden kann, wenn er im Meer sein Leben verloren hat. Die offensichtlichste: Immer wieder kommt es vor, dass tote Wale stranden. Sie tauchen dann an den Küsten auf, bleiben liegen – und das kann richtig gefährlich werden. Der Grund: Verendete Wale können unter bestimmten Umständen explodieren – ein gefürchtetes Naturschauspiel.

Der Grund: Wale haben eine besonders dicke Fettschicht – diese schützt die Organe vor dem hohen Wasserdruck im Meer und dient zugleich als wichtiger Energiespeicher. Wenn nun aber ein Walkadaver an Land verrottet, entwickeln sich im Inneren Gase, die dann dafür sorgen können, dass der Wal platzt.

Dann werden Blut, Innereien und Fett herausgeschleudert. Es wird deshalb immer wieder davor gewarnt, sich gestrandeten Walen zu nähern oder sich an ihrer Haut zu vergreifen. Im Sommer 2025 wurde vor Sylt etwa ein Pottwal-Kadaver gesichtet, er schleunigst mit Kettensägen zerlegt wurde, um die Gefahr zu bannen.

Wal Timmy wurde von seiner Sandbank vor der Insel Poel auf einem Lastkahn zur Nordsee transportiert.
Wal Timmy wurde von seiner Sandbank vor der Insel Poel auf einem Lastkahn zur Nordsee transportiert.Philip Dulian/dpa

Das Stranden mit anschließender Zerlegung oder Explosion ist aber nicht das einzige finstere Szenario, das Timmy erwarten könnte. Er könnte auch zu einem sogenannten Walsturz werden – und sich zu einer Nahrungsquelle für alle möglichen Lebewesen in der Tiefsee entwickeln! Unter dem Begriff versteht man einen verendeten Wal, der auf den Meeresgrund gesunken ist.

Da nur etwa 10 Prozent der verendeten Wale wirklich an der Küste angespült werden und stranden, ist die Verwandlung in einen Walsturz für Timmy das realistische Szenario.

Abbau des Wals in der Tiefsee dauert zehn Jahre

Kommt er also am Boden der Tiefsee an, verwandelt der Walkadaver den Meeresgrund in eine echte Oase für andere Lebewesen. Der Zerfall des Wals verläuft in verschiedenen Phasen – von den Aasfressern, die sich an Timmy zu schaffen machen, bis hin zur „Riff-Phase“, bei der die Knochen des Wals als Lebensraum für Tiere wie Seeanemonen und Korallen dienen.

Ganz Deutschland verfolgte Wochenlang die Geschichte von Wal Timmy, der vor der Insel Poel auf einer Sandbank lag.
Ganz Deutschland verfolgte Wochenlang die Geschichte von Wal Timmy, der vor der Insel Poel auf einer Sandbank lag.Jens Büttner/dpa

Bis der Wal verschwunden ist, kann es mehr als zehn Jahre dauern! Das Besondere: Der verendete Wal dient so vielen Tieren als Lebensraum und Nahrungsquelle, dass er als eigenes Ökosystem betrachtet wird.

Der Walsturz hat dann etwa auch Folgen auf den Fischfang: Fischer profitieren laut Untersuchungen bis zu 100 Jahre lang von den erhöhten Fangraten rund um solche Walstürze in der Tiefsee. Etliche Arten, die unter Wasser leben, profitieren von einem Walsturz.

Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch: Weil der Walbestand immer kleiner und kleiner wird, haben es die Tiere in der Tiefsee immer schwerer. Der Tod von Timmy wäre also ein echtes Wunder. Zumindest für die große, weite Welt auf dem Grund des Meeres.

Haben Sie den Fall von Wal Timmy verfolgt – und was halten Sie von der Rettungsaktion? Schicken Sie uns Ihre Nachricht per Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!