Seit Tagen schaut ganz Deutschland an die Ostseeküste, denn hier hat sich ein Wal aus dem Atlantik verirrt. Das prachtvolle, riesige Tier blieb schon mehrfach auf Sandbänken liegen, schwamm sich wieder frei, blieb dann erneut hängen. Mittlerweile schwindet die Hoffnung, dass der geschwächte Wal lebend den Weg zurück in den Ozean findet, immer mehr. Da fragen sich viele: Kann der Wal an der Ostsee eigentlich explodieren, falls er die wochenlange Tortur nicht überlebt?
Ganz Deutschland hofft auf Rettung des Wals in der Ostsee
Er tauchte schon vor Tagen in der Ostsee auf, verirrte sich mutmaßlich bei der Suche nach Futter hierher – und zieht nun ganz Deutschland in seinen Bann: Der Buckelwal, der aktuell in der Wismarbucht schwimmt. Schon Anfang März wurde er erstmals in der Ostsee gesichtet. Doch Tierschützer mussten die Hoffnung, dass er allein den Weg zurück in den Atlantik findet, schnell begraben.
Über mehrere Tage strandete der Wal auf einer Sandbank bei Timmendorfer Strand, konnte sich nach einer Rettungsaktion selbst befreien. Dann hing er in der Wismarbucht fest. Dort konnte er sich zunächst freischwimmen, strandete dann aber erneut.
Das Tier ist laut Experten inzwischen deutlich geschwächt – und die Hoffnung, dass es der Buckelwal lebend zurück in den Ozean schafft, schwindet. „Die Prognose sieht insgesamt nicht gut aus“, sagte Meeresforscher Burkard Baschek.

Das Problem ist nicht nur der körperliche Zustand des Meeressäugers, sondern auch die Tatsache, dass der Wasserpegel aktuell immer weiter fallen soll. Das Zeitfenster für die Rettung ist klein. „Der Wal muss jetzt sehr schnell freikommen, damit er überhaupt noch eine Chance hat“, sagte Thilo Maack, Meeresbiologe von Greenpeace. Nur: Was passiert, wenn er es nicht schafft – und kann der Kadaver explodieren?
Wal-Explosion ist ein gefürchtetes Naturphänomen
Die Explosion von Walen ist ein gefürchtetes Naturphänomen, das es immer wieder gibt. Normalerweise sinken die Kadaver von Walen auf den Meeresgrund, wenn sie verenden. Wird ein toter Wal aber beispielsweise an den Strand gespült und ist dort obendrein noch der Sonne ausgesetzt, bilden sich Fäulnisgase im Inneren.
Wale verfügen aber über eine Haut mit einer dicken Fettschicht, die sie normalerweise vor dem hohen Wasserdruck der Tiefsee und der Kälte schützt, aber auch ein Energiepolster für die Tiere bildet. Verrottet ein Walkadaver an Land, hält die dicke Haut die Gase, die sich bei der Verwesung bilden, im Inneren des toten Tieres.

Wird der Druck zu groß, kann die Haut des Wals aufplatzen. Dann können Blut, Innereien und Teile der Fettschicht – „Blubber“ genannt – herausgeschleudert werden. Ein Wal kann von sich aus platzen. Die Explosion kann aber auch passieren, wenn sich etwa Schaulustige an der Haut des Wals vergreifen. Deshalb wird immer wieder davor gewarnt, sich Walkadavern zu nähern, wenn sie angespült werden.
Toter Wal vor Sylt wurde mit Kettensägen zerlegt
Erst im Sommer vergangenen Jahres wurde etwa ein Pottwal-Kadaver vor Sylt gesichtet. Die Behörden griffen ein, zerlegten das tote Tier mit Kettensägen. „Dieses Tier hat eine sehr dicke Speckschicht“, erklärte eine Expertin vom Nationalpark Wattenmeer damals.
„Das heißt, da sind Bakterien drin, die atmen, die bilden Gase, und es kann sein, dass dieser Wal einfach irgendwann unter Spannung steht und dass die Luft irgendwo hin muss.“ Man fürchtete, dass der Wal im Fall einer Explosion eine Gefahr für die Menschen darstellen könnte.




