Tragischer Tod in der Ostsee

Drama um Buckelwal Timmy kommt auf die Bühne

Millionen fieberten mit Buckelwal Timmy. Jetzt bringt Schauspieler Enrique Fiß das Drama auf die Bühne – und spart nicht mit Kritik.

Author - Stefan Doerr
Teilen
Wal Timmy wurde in einem gefluteten Lastschiff abtransportiert.
Wal Timmy wurde in einem gefluteten Lastschiff abtransportiert.Philip Dulian/dpa

Der gestrandete Buckelwal „Timmy“ bewegte im Frühjahr Millionen Menschen. Tagelang verfolgten Zuschauer per Livestream den Überlebenskampf des auch „Hope“ genannten Tieres in der Ostsee. Sie fieberten mit, hofften auf eine Rettung und diskutierten nach seinem Tod erbittert über Schuld, Verantwortung und die Frage, wie weit der Mensch eingreifen sollte. Jetzt kommt das Wal-Drama auf die Bühne.

„Großstadtrevier“-Star entwickelte Stück über Timmy

Schauspieler Enrique Fiß, bekannt aus dem „Großstadtrevier“, hat gemeinsam mit Regisseur Alexander Klessinger den Theaterabend „Timmy – Die Hope stirbt zuletzt“ entwickelt. Premiere ist am 11. Juli um 19.30 Uhr im Hamburger Ernst Deutsch Theater.

Dabei geht es den Machern nicht nur um den Wal selbst, sondern um die Menschen, die sich an seinem Schicksal abarbeiteten. „Der Fokus ist bei uns die Frage, wo ist eigentlich der empathische Moment? Wenn eine Person in die Kamera weint und sagt, kommt, lasst uns doch zusammenstehen und dieses Tier retten, ist das etwas, was ich ernst nehme. Ebenso dieser Moment von Selbstwirksamkeit, von dem jede Person, die sich mal aktivistisch engagiert hat, weiß, wie gut er sich anfühlt“, erklärt Fiß.

Enrique Fiß berührte <a href="https://www.berliner-kurier.de/panorama/wal-timmy-museum-knochen-li.10092415">der Rummel um den Buckelwal in der Ostsee</a>.
Enrique Fiß berührte der Rummel um den Buckelwal in der Ostsee.Breuel Bild/Imago

Spektakel um trauriges Schicksal von Timmy

Doch der Schauspieler sieht auch die Schattenseiten des öffentlichen Interesses. „Wie dieses Thema aber aus der esoterischen und aus der rechten und nationalen Ecke gekapert wurde, aus derselben, die mit dem Spektakel dann auch Profit gemacht hat, wie das Ganze instrumentalisiert wurde, das ist etwas, was wir ganz klar kritisch sehen und thematisieren wollen.“

Der Theaterabend setzt sich aus drei Teilen zusammen. Den Auftakt bildet das Stück „Passion Timmy“, das die Ereignisse bewusst überzeichnet als moderne Passionsgeschichte erzählt. Anschließend diskutieren Tierärztin Kirsten Tönnies, die selbst an einem Rettungsversuch beteiligt war, sowie die Tierschutzaktivisten Anna Schubert und Hendrik Haßel über den Fall.

Den Abschluss bildet ein Konzert der Berliner Band Tulpe, die mit ihrem bewusst provokant betitelten Song „Sprengt den Wal“ einen Streaming-Hit landete.

Besonders beschäftigt den Schauspieler Enrique Fiß die Eskalation in den sozialen Netzwerken. Dort standen sich zuletzt zwei Lager unversöhnlich gegenüber: die einen, die den Wal um jeden Preis retten wollten, und die anderen, die ein Eingreifen ablehnten. „Am Ende hassen sich alle gegenseitig, dabei war es das Ziel, etwas Positives zu bewirken.“

Kritisch sieht Fiß außerdem, wie das Schicksal des Wals von den unterschiedlichsten Akteuren politisch und ideologisch ausgeschlachtet wurde. Genau darüber soll im Anschluss offen diskutiert werden. Die Hoffnung der Veranstalter: Streit ist erlaubt, Eskalation ist es nicht.