Justiz

Mann ruinierte Nestle-Produktion, kassiert 25.000 Euro Entschädigung

Mit seiner E-Zigarette sorgte ein Mann dafür, dass eine ganze Fabrik evakuiert werden musste. Nestlé feuerte ihn daraufhin. Dafür sprach ihm ein Gericht viel Geld zu.

Author - Jana Hollstein
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Ein junger Mann löste in England eine Evakuierung aus und wurde dafür gefeuert (Symbolbild).
Ein junger Mann löste in England eine Evakuierung aus und wurde dafür gefeuert (Symbolbild).Koen van Weel/imago

Ein absurder Job-Krimi spielte sich im britischen Nottingham ab. Ein Nestlé-Mitarbeiter, der vermeintlich auf einer Behindertentoilette eine E-Zigarette rauchte und damit gleich die komplette Produktion lahmlegte, kassiert jetzt satte 22.000 Pfund (25.470,61 Euro) Entschädigung.

Brite löste in Nestlé-Fabrik mit Vape Ausnahmezustand aus

Laut einem Bericht der Daily Mail löste Luke Billings in einer Nestlé-Fabrik im englischen Tutbury, Staffordshire, im Oktober 2023 einen Feueralarm aus. Der langjährige Mitarbeiter hatte sich wohl auf die Behindertentoilette geschlichen und heimlich an seiner E-Zigarette gezogen. Das Resultat: Die ganze Fabrik musste evakuiert werden, die Arbeit stand still.

Als die Chefs ihn schließlich mit Aufnahmen der Überwachungskameras zur Rede stellten, stritt Billings zunächst alles ab. Er vape nicht, behauptete er steif und fest. Erst später, unter Druck bei einer internen Anhörung, ruderte er zurück. Ja, er nutze E-Zigaretten – aber nur zu Hause und am Wochenende. Es half alles nichts. Nestlé feuerte ihn wegen einer Vielzahl an Gründen, darunter auch, weil er seinen Arbeitgeber angelogen und damit dessen Vertrauen verloren hatte.

Nestlé Tutbury ist die älteste Kaffeefabrik in der Welt außerhalb der Schweiz.
Nestlé Tutbury ist die älteste Kaffeefabrik in der Welt außerhalb der Schweiz.Simon Johnson

Luke Billings zog vor Gericht – mit dem Vorwurf der Diskriminierung. Er sei kurz vorher länger krankgeschrieben gewesen wegen Depressionen und war gerade dabei, langsam in den Arbeitsalltag zurückzukommen. Einem Kollegen sei eine vergleichbare Situation bei dem gleichen Arbeitgeber passiert, und der sei mit einer Abmahnung davongekommen. Also müsse seine Kündigung Diskriminierung gegen Behinderte sein.

Kündigung von Vaper laut Gericht ungerechtfertigt

Nestlé widersprach: Hätte Billings wie der abgemahnte Kollege sein Fehlverhalten eingestanden und sich entschuldigt, wäre ihm nicht gekündigt worden. Doch damit schaufelte sich der Konzern sein eigenes Grab. Denn die Richter akzeptierten diese Erklärung zwar und verwarfen die Diskriminierungsvorwürfe, gaben aber andererseits Billings recht, dass eine Kündigung allein wegen einer Lüge und einer fehlenden Entschuldigung ungerechtfertigt war.

Das Gericht erklärte die Entlassung von Luke Billings darum als „unverhältnismäßig“, wegen eines einmaligen Vorfalls in einer ansonsten makellosen Karriere. Und verdonnerte Nestlé zur Zahlung. Neben einer Grundentschädigung bekommt Billings auch entgangenen Lohn, Rentenverluste und weitere Ansprüche ersetzt. Allerdings nur zur Hälfte – denn das Gericht meint: Ganz unschuldig war er am Drama auch nicht.

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