Forscher staunen

Was unsere Fingerlängen über Gehirn und Evolution verraten können!

Forscher aus Großbritannien haben einen Zusammenhang zwischen Fingerlänge und Gehirnentwicklung bei Babys entdeckt.

Author - Tobias Esters
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Die Fingerlänge könnte mehr über die menschliche Evolution verraten, als man denkt.
Die Fingerlänge könnte mehr über die menschliche Evolution verraten, als man denkt.ingimage/Imago

Kann die Form unserer Finger Hinweise darauf geben, wie sich unser Gehirn entwickelt? Genau dieser spannenden Frage sind Forscher in Großbritannien jetzt nachgegangen. Eine neue Studie zeigt, dass sich schon vor der Geburt wichtige Weichen stellen könnten und dass unsere Hände dabei womöglich eine Rolle spielen.

Was der sogenannte Finger-Test wirklich misst

Im Mittelpunkt der Forschung steht der sogenannte Finger-Test. Dabei wird das Verhältnis zwischen Zeige- und Ringfinger gemessen. Fachleute nennen das den 2D:4D-Wert. Klingt kompliziert, ist aber einfach erklärt: Ist der Zeigefinger im Vergleich zum Ringfinger relativ lang, deutet das auf einen höheren Östrogenspiegel im Mutterleib hin. Ist der Ringfinger länger, war vor der Geburt mehr Testosteron im Spiel.

Mit diesem Thema beschäftigt sich seit Jahren der Wissenschaftler John T. Manning von der Swansea University. Gemeinsam mit Forschern aus der Türkei untersuchte er diesmal 225 Neugeborene. Dabei wurden sowohl die Fingerlängen als auch der Kopfumfang der Babys gemessen.

Der Kopfumfang gilt als grober Hinweis auf die Gehirngröße bei Neugeborenen. Die Auswertung zeigte bei Jungen einen klaren Zusammenhang. Babys mit einem höheren 2D:4D-Wert, also mit mehr Östrogen vor der Geburt, hatten im Durchschnitt einen größeren Kopfumfang. Bei Mädchen wurde dieser Effekt nicht festgestellt.

Der britische Wissenschaftler John T. Manning forscht seit Jahren zum Zusammenhang zwischen Fingerlänge, Hormonen und menschlicher Entwicklung.
Der britische Wissenschaftler John T. Manning forscht seit Jahren zum Zusammenhang zwischen Fingerlänge, Hormonen und menschlicher Entwicklung.Swansea University

Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin Early Human Development veröffentlicht. Professor Manning erklärt darin, dass diese Beobachtung für die menschliche Evolution interessant sein könnte. Größere Gehirne seien möglicherweise mit bestimmten körperlichen Veränderungen verbunden, die Forscher als sogenannte Estrogenisierung bezeichnen.

Der Einfluss von Hormonen vor der Geburt

Zudem weist die Studie auf mögliche Nachteile hin. Männer mit hohen 2D:4D-Werten könnten laut früheren Untersuchungen häufiger unter Herzproblemen, Fruchtbarkeitsstörungen oder psychischen Erkrankungen leiden. Diese möglichen Risiken stehen in einem Spannungsverhältnis zu den evolutionären Vorteilen größerer Gehirne.

Die Forscher vermuten deshalb, dass das Hormon Östrogen schon vor der Geburt eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Gehirns spielt. Diese Einflüsse könnten den Menschen ein Leben lang begleiten.

John Manning hat sich auch in früheren Studien mit dem Finger-Verhältnis beschäftigt. Er untersuchte unter anderem Zusammenhänge mit sportlicher Leistungsfähigkeit, Alkoholkonsum und der Erholung nach Krankheiten. Seine Forschung deutet darauf hin, dass unsere Hände mehr über unsere Entwicklung verraten, als viele vermuten.

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