Schockanruf-Masche

So fies setzten Trickbetrüger einem alten Mann zu, um an sein Geld zu kommen

Mit Schockanrufen schaffen es Gauner immer wieder, Senioren um ihr Geld zu bringen. Wie perfide und skrupellos die Betrüger vorgehen, und warum sie immer wieder erfolgreich sind, zeigt dieser aktuelle Fall.

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Ein betagter Senior wurde von Trickbetrügern am Telefon perfide bedrängt und um viel Geld gebracht. (Symbolfoto)
Ein betagter Senior wurde von Trickbetrügern am Telefon perfide bedrängt und um viel Geld gebracht. (Symbolfoto)Imago

Mit ihren fiesen und ausgeklügelten Schockanrufen schaffen es Trickbetrüger immer wieder, alte Menschen um ihr Erspartes zu bringen. Die Senioren werden mit schlimmen Nachrichten und einer psychologisch ausgefeilten Inszenierung so sehr unter Druck gesetzt, dass nicht wenige letztlich den Anrufern glauben. Wie aktuell ein betagter Herr in Hessen, bei dem die Täter mit einer unfassbaren Skrupellosigkeit vorgingen.

Mit schlimmer Nachricht wird Opfer unter Schock gesetzt

Montagmittag gegen 12.15 Uhr. Bei dem älteren Herren in Melsungen, einer Kleinstadt in Hessen, klingelte das Telefon. Unterdrückte Nummer. Am anderen Ende meldet sich eine Frau, die sich als Polizeibeamtin ausgibt. Sie hat eine erschütternde Nachricht für den Senior: Sein Sohn habe einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht. Nur eine sofortige Kaution könne verhindern, dass er in Haft müsse. Ein klassischer Schockanruf – bei dem die Täter alle Register ziehen.

Es bleibt nicht bei der falschen Polizistin. Eine angebliche Schwiegertochter ist nun am Telefon, schluchzt völlig aufgelöst mit tränenerstickter Stimme in den Hörer, sagt dem Senior, dass sie nicht weiß, was sie machen soll, dass sie für seinen Sohn Hilfe braucht.

Und auch damit nicht genug. Zwei weiter angebliche Amtspersonen hat der Senior jetzt am Hörer: erst einen vermeintlichen Staatsanwalt, dann sogar einen vermeintlichen Richter. Sie alle bedrängen den älteren Herren, seinem Sohn die Haft zu ersparen – und treiben ihn so in die Enge.

Die Betrüger lassen ihrem Opfer keine Zeit nachzudenken

Sie wollen von dem Senior wissen, ob und wie viel Bargeld er im Haus habe, wo es liege und ob er es sofort bereitstellen könne. Besonders perfide: Die Gauner lassen dem älteren Mann keine Gelegenheit, nachzudenken. Während sie ihn am Telefon haben, behauptet der angebliche Richter, ein Justizbeamter sei zufällig in der Nähe – und stehe bereits vor der Haustür, um die Kaution entgegenzunehmen.

Tatsächlich klingelt es an der Tür. Man kann sich vorstellen, wie konfus und verzweifelt der Senior inzwischen ist. Und so übergibt er tatsächlich eine hohe Bargeldsumme, verteilt in drei Stoffbeuteln, an den fremden Mann, also an den angeblichen Justizbeamten, der vor ihm steht. Dieser verspricht, sich wieder zu melden, sobald das Geld gezählt sei. Bis dahin solle der Senior keine weiteren Telefonate führen.

So schaffen es die Trickbetrüger, ihr Opfer von jeder Hilfe abzuschneiden. Und Zeit für die Flucht zu gewinnen.

Opfer sind in emotionaler Ausnahmesituation

Der Anruf kam natürlich nicht. Der ältere Herr wurde um eine beträchtliche Summe erleichtert. Was bleibt ist die bittere Erkenntnis, skrupellosen Betrügern aufgesessen zu sein. Es bleibt zu hoffen, dass die Fahndung der Polizei nach dem 30- bis 35-jährigen Betrüger, der das Geld abholte, erfolgreich ist

Dieser Fall zeigt anschaulich, wie es die Trickbetrüger immer wieder schaffen, dass man ihnen auf den Leim geht. Sie versetzen ihre Opfer in eine emotionale Ausnahmesituation, in der man kaum einen kühlen Kopf bewahren kann.

Die Ermittlungen in diesem Fall führen die Spezialisten für sogenannte SÄM-Delikte – Straftaten zum Nachteil älterer Menschen. Und sie warnen eindringlich: Echte Polizei oder Justiz fordern niemals Bargeld, Schmuck oder Wertgegenstände am Telefon. Wer solche Anrufe erhält, soll sofort auflegen, Angehörige kontaktieren und im Zweifel selbst die Polizei anrufen.