Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz, mehr als 1,2 Millionen Menschen sind allein in Deutschland davon betroffen. Der Fall einer 80-jährigen Patientin lässt aufhorchen. Die Frau, bei der die Erkrankung bereits weit fortgeschritten ist, zeigte nach der Einnahme psilocybinhaltiger Pilze vorübergehend deutliche Verbesserungen ihrer geistigen und körperlichen Fähigkeiten.
Frau hatte viele Defizite durch Alzheimer-Erkrankung
Die Alzheimer-Erkrankung war bei der 80-jährigen Frau weit fortgeschritten, als brasilianische Wissenschaftler ihr die psilocybinhaltigen Pilze gaben. Über die Ergebnisse ihrer Studie berichten sie im Fachjournal Frontiers in Neuroscience. Die Patientin lebte seit Jahren unter ständiger Betreuung durch Angehörige und Pflegekräfte. Mehr als zehn Jahre war sie an Alzheimer erkrankt, in den vergangenen fünf Jahren hatte sie fast alle sprachlichen Fähigkeiten verloren. Sie sprach nur noch einsilbig, litt unter chronischer Harninkontinenz und konnte sich kaum selbstständig bewegen.
Die Forscher verabreichten der 80-Jährigen zweimal psilocybinhaltige Pilze. Psilocybin ist ein natürlicher Wirkstoff, der in bestimmten Pilzarten vorkommt und im Körper an Serotoninrezeptoren bindet. Einige dieser Rezeptoren sind an angstlösenden Prozessen beteiligt, andere wirken anregend. Seit Jahren wird diskutiert, ob Psilocybin die Fähigkeit des Gehirns beeinflussen kann, neue Verbindungen zwischen Nervenzellen zu bilden.
Alzheimer-Patientin erkennt ihre Familie wieder
Kurz nach der ersten Einnahme einer kleinen Menge des Pilzes reagierte die Patientin mit starkem Schwitzen und Müdigkeit. Danach fiel sie in einen tiefen Schlaf. Rund 19 Stunden später dann die überraschende Veränderung: Die 80-Jährige begann, sich zu erinnern, mehrere Stunden erzählte sie von früheren Erlebnissen. Sie wurde aufmerksamer, erkannte ihre Familie wieder, auch das Gehen funktionierte wieder.
Die Forscher berichten weiterhin, dass sich in den folgenden Tagen und Wochen viele Funktionen verbesserten, darunter die Wiederherstellung der Harnkontinenz. Die Alzheimer-Patientin konnte sich wieder selbstständig anziehen, beteiligte sich spontan an Gesprächen, suchte Kontakt.
Nach einer zweiten kontrollierten Psilocybin-Gabe verbesserten sich die Effekte, die Mimik der Frau verbesserte sich, ihre Erinnerungen wurden besser und sie verband sie wieder mit Gefühlen. Und auch zu spontanem Humor war die 80-Jährige wieder fähig.

Neue Hoffnung für die Alzheimer-Therapie?
Die Wissenschaftler waren offenbar beeindruckt von der positiven Wirkung der Zauberpilze, betonen jedoch auch, das die Ergebnisse vorsichtig zu interpretieren sind. Es handelt sich um die Beobachtung einer einzelnen Patientin, nicht um eine klinische Studie mit Kontrollgruppe.
Eine Heilung der Alzheimer-Erkrankung bedeuten die Erkenntnisse der Studie nicht. Doch sie würden nahelegen, „dass Restfunktionskapazitäten im Spätstadium der Neurodegeneration bestehen bleiben und unter bestimmten neuromodulatorischen Bedingungen vorübergehend zugänglich werden können“.

