Abschied von Nordhausen

Von Nordhausen nach Wien: Krokodil „Knöpfchen“ findet neues Zuhause

Nach einer dramatischen Trennung lebt Krokodil „Knöpfchen“ jetzt im Zoo Wien – mit Partnerin und neuem Zuhause. Für die Besitzer bleibt der Verlust schwer.

Author - Sylvia Martens
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Beulenkrokodil Knöpfchen musste aus Nordhausen wegziehen, hat jetzt im Zoo in Wien ein neues Zuhause gefunden. Gabi und Peter, die ehemaligen Besitzer, sind todtraurig.
Beulenkrokodil Knöpfchen musste aus Nordhausen wegziehen, hat jetzt im Zoo in Wien ein neues Zuhause gefunden. Gabi und Peter, die ehemaligen Besitzer, sind todtraurig.privat

Knöpfchen hat es geschafft. Das 2,50 Meter lange und 60 Kilo schwere Beulenkrokodil aus Nordhausen in Thüringen lebt heute im Zoo Wien Schönbrunn, in einer großzügigen, warmen Anlage, die genau auf seine Bedürfnisse zugeschnitten ist. Dort hat es nicht nur ein neues Zuhause gefunden, sondern sogar eine Partnerin. Ein Happy End, das sich seine früheren Besitzer Gabi Decker (59) und Peter Eckardt (75) kaum hätten ausmalen können, nachdem ihnen das Tier vor gut einem Jahr weggenommen worden war.

Gabi und Peter: Trauer um ihr Beulenkrokodil

Für die beiden ist Knöpfchen, das sie liebevoll „Knopfauge“ nannten, noch immer das schönste Reptil der Welt. „Knöpfchen ist der Kosename für unser 2,50 Meter langes und 60 Kilo schweres Beulenkrokodil. Es lebte 10 Jahre bei uns, ehe es uns die Behörden vom Landratsamt Nordhausen wegnahmen“, sagt Gabi Decker. Wenn sie heute davon erzählt, klingt es, als würde sie den Verlust immer noch körperlich spüren.

Denn bevor Knöpfchen im Wiener Tiergarten ein neues Leben beginnen konnte, erlebten Gabi und Peter den wohl bittersten Tag ihres gemeinsamen Lebens. Eine Razzia, die ihr privates Reptilienparadies in wenigen Stunden zerstörte. Ein Tag, an dem sie sich, wie Gabi sagt, „wie Tierquäler, wie Schwerverbrecher“ fühlten. Dabei war ihr Garten in Nordhausen über Jahrzehnte hinweg ein Ort gewesen, an dem Reptilien ein Zuhause fanden, das mit viel Liebe, Hingabe und auch Geld aufgebaut worden war.

Gabi Decker (59) mit einer Schlange. Die Reptilien sind ihr ans Herz gewachsen, doch im vergangenen Jahr lösten die Behörden plötzlich ihr kleines Tier-Paradies auf.
Gabi Decker (59) mit einer Schlange. Die Reptilien sind ihr ans Herz gewachsen, doch im vergangenen Jahr lösten die Behörden plötzlich ihr kleines Tier-Paradies auf.privat

Schon zu DDR-Zeiten gaben sie Tieren ein Zuhause

Schon zu DDR-Zeiten begann Peter Eckardt, auf seinem 2000 Quadratmeter großen Grundstück Wasserbecken für Krokodile zu bauen, ein Schlangenhaus zu errichten und Terrarien einzurichten, die er ständig erweiterte und verbesserte. Es war ein Lebensprojekt, das er und Gabi gemeinsam trugen. „Uns einte von Anfang an die Liebe zu Krokodilen und Schlangen“, sagt sie. Über 40 Jahre sind die beiden verlobt, und in dieser Zeit investierten sie eine mittlere sechsstellige Summe in ihre Tiere. „Wir liebten unsere Tiere und unsere Tiere liebten uns“, sagt Gabi, und man glaubt ihr jedes Wort.

Schon zu DDR-Zeiten baute Peter Eckardt (75) im Garten Unterkünftige für Reptilien. Heute sind von der Zeit nichts als Erinnerungen übrig.
Schon zu DDR-Zeiten baute Peter Eckardt (75) im Garten Unterkünftige für Reptilien. Heute sind von der Zeit nichts als Erinnerungen übrig.privat

Doch im Mai des vergangenen Jahres standen plötzlich Behördenmitarbeiter im Garten. Sie öffneten Terrarien, kontrollierten Gehege, dokumentierten Temperaturen und Luftfeuchtigkeit. Und sie nahmen alles mit, was dort lebte. Insgesamt 16 Schlangen, darunter eine giftige Puffotter, eine Speikobra, mehrere Zwergboas und bis zu vier Meter lange Anakondas.

Schließlich wurde Krokodil Knöpfchen abtransportiert

Und schließlich Knöpfchen, das 27 Jahre alte Beulenkrokodil, das für Gabi und Peter längst ein Familienmitglied war. Der Moment, in dem es abtransportiert wurde, hat sich tief in Gabis Gedächtnis eingebrannt. „Zehn Jahre war es bei uns, fühlte sich pudelwohl. Ich heulte, als es mit zugebundenem Maul in einer kargen Holzkiste abtransportiert wurde.“

Man sieht die Szene förmlich vor sich: ein riesiges Tier, das seinen Menschen vertraut, ein zugeschnürtes Maul, eine Holzkiste, die viel zu eng wirkt, und zwei Menschen, die daneben stehen und nichts tun können.

Krokodil Knöpfchen lebt jetzt in Wien. Die Behörden rissen das Krokodil im vergangenen Jahr aus seiner gewohnten Umgebung.
Krokodil Knöpfchen lebt jetzt in Wien. Die Behörden rissen das Krokodil im vergangenen Jahr aus seiner gewohnten Umgebung.privat

Das Veterinäramt erklärte später, die Haltungsbedingungen seien nicht ausreichend gewesen. Die Gehege seien zu klein gewesen, besonders für die großen Würgeschlangen. Auch die klimatischen Bedingungen hätten nicht gestimmt. Bereits im Herbst zuvor habe es Auflagen gegeben, die nicht erfüllt worden seien. Für die Behörden war der Eingriff notwendig, für Gabi und Peter war er unverständlich.

Sie hatten das Gefühl, dass ihnen nicht nur ihre Tiere, sondern ihr ganzes Leben genommen wurde. Noch heute stehen sie manchmal vor dem leeren Krokodilgehege in ihrem Garten und fragen sich, wie es so weit kommen konnte. Die Stille dort ist für sie schwer zu ertragen.

Durch das Eingreifen der Behörden musste sich Peter Eckardt (75) im vergangenen Jahr von seinem großen Traum verabschieden. Schon zu DDR-Zeiten gab er Reptilien ein Zuhause.
Durch das Eingreifen der Behörden musste sich Peter Eckardt (75) im vergangenen Jahr von seinem großen Traum verabschieden. Schon zu DDR-Zeiten gab er Reptilien ein Zuhause.privat

Für Knokodil Knöpfchen begann eine Odyssee

Während sie in Nordhausen mit dem Verlust kämpften, begann für Knöpfchen eine Odyssee. Mehr als zwölf Monate verbrachte das Tier in der Auffangstation München, wo es zunächst untergebracht wurde. Ein Jahr, in dem Gabi und Peter nicht wussten, ob sie ihr Krokodil jemals wiedersehen würden. Ein Jahr voller Ungewissheit, voller Sorgen, voller Fragen. Doch dann kam die Nachricht, die alles veränderte: Der Zoo Wien Schönbrunn nimmt Knöpfchen auf. Ein Ort, an dem Experten arbeiten, an dem Platz, Klima und Artgenossen vorhanden sind.

Ein Ort, an dem ein Beulenkrokodil ein echtes Zuhause finden kann.
Und genau das tat Knöpfchen. Heute lebt es dort, wo es alles hat, was ein Tier seiner Art braucht. Es hat Wasserflächen, Wärme, Rückzugsmöglichkeiten und – vielleicht das Wichtigste – eine Partnerin. Für Gabi und Peter ist das ein Trost.

Sie wissen, dass es ihrem Tier gut geht, auch wenn sie es nie wieder in ihrem Garten sehen werden. Manchmal ist ein Happy End eben nicht das, das man sich selbst wünscht, sondern das, das ein Tier verdient. Und Knöpfchen hat dieses Happy End bekommen.