Der Prozess um den toten Fabian aus Güstrow: Am Dienstag wird er vor dem Landgericht Rostock fortgesetzt. Dieses Mal sind gleich mehrere Polizisten geladen, die ihre Eindrücke rund um den Fund von Fabians Leiche schildern sollen. Einer von ihnen traf am Tatort, dem Tümpel bei Klein Upahl, auf die Angeklagte Gina H. – und schilderte, was rings um den Fund der Leiche passierte. Interessant auch: Die Zeugin, die am Morgen des 14. Oktober von Gina H. zu Fabians Leiche geführt wurde, redete sich gegenüber dem Beamten sofort ihren Ballast von der Seele. Im Auto soll sie zu ihm gesagt haben: „Ich möchte gestehen.“
Fall Fabian aus Güstrow: So wirkte Gina H. auf die Polizei
Am 14. Oktober alarmierte Gina H., die Angeklagte im Fall Fabian aus Güstrow, die Polizei – und führte die eintreffenden Beamten zum Tümpel. Vor Ort sei der Polizeibeamte, der jetzt vor Gericht aussagte, mit ihr ins Gespräch gekommen. Es sei nicht sein Ding, nur stumm danebenzustehen, sagte er bei seiner Vernehmung.
Vor Ort traf er demnach vor allem auf eine immer wieder weinende Zeugin Heike M. Gina H. weinte nicht – und lieferte dafür sofort eine Erklärung, ohne darauf angesprochen zu werden. „Sie sagte, dass sie auch gerne weinen würde und das von außen vielleicht komisch aussehen würde. Aber sie habe am Wochenende schon so viel geweint, dass es nicht mehr gehen würde.“

Schon Heike M., die von Gina H. zum Tümpel geführt wurde, hatte in ihrer Aussage in der vergangenen Woche beschrieben, Gina H. habe sehr kalt auf alles reagiert – und sei beim Gang zum Tümpel so gezielt vorgegangen, als habe sie einen Plan erfüllen wollen.
Gegenüber dem Polizeibeamten fiel die Tatverdächtige nun auch mit einer merkwürdigen Aussage auf. Sie habe geäußert, dass sie nicht verstehen könne, wie man einem Kind so etwas antun kann. „Und dass es ja jemand gewesen sein muss, der wüsste, dass da unten eine Schweinekuhle sei und dass sich dieser Ort anbieten würde, jemanden bewusst zu entsorgen“, sagte der Polizeibeamte.
Gina H. störte, dass Polizisten so grimmig guckten
Das habe erst bei der Zeugin Heike M. für Verwunderung gesorgt – und dann auch bei ihm. Gina H. habe sich für ihre Wortwahl danach entschuldigt. Außerdem soll Gina H. den Eindruck erweckt haben, dass es sie stört, dass die anwesenden Polizisten so grimmig und böse gucken. „Sie fragte mehrfach nach, das schien sie zu stören“, so der Polizeibeamte vor Gericht.
Auch die Situation habe ihn irritiert. „Natürlich läuft hier keiner mit einem Lächeln herum“, sagte er laut Berichten bei der Vernehmung.
Besonders heikel wurde es laut der Aussage allerdings, als der Polizist allein mit Heike M. im Auto saß. Die Zeugin habe sich plötzlich umgeschaut und ihm gesagt, dass sie ihm etwas anvertrauen wolle, das aber nur er wissen dürfe.
Gina H. habe sie am Morgen um 7 Uhr angerufen und ihr erzählt, sie habe die Leiche von Fabian schon am Abend zuvor gefunden. „Sie wäre mit zwei Männern unterwegs gewesen und einer von denen habe ein Nachtsichtgerät gehabt“, so der Polizeibeamte.
Heike M. im Fall Fabian: „Ich möchte gestehen“
Offenbar wollte sich Heike M. den Ballast von der Seele reden – denn sie hatte Zweifel an den Aussagen von Gina H. Plötzlich habe sie gesagt: „Ich möchte gestehen.“ Dann habe sie dem Polizisten gegenüber berichtet, sie habe den Verdacht, dass Gina H. sie als Alibi nutzen wollte. „Ihr Hund sei kaum zu halten, wenn er von der Leine gelassen wird. Sie vermutete, dass sie als Alibi genutzt werden sollte, damit die Hunde den Leichnam aus Zufall finden würden.“

Heike H. hatte auch das in ihrer Vernehmung erzählt: Offenbar wollte Gina H., nachdem sie schon am Tag zuvor zweimal mit Bekannten am Tatort gewesen war, einen Weg finden, Fabians Leiche zu melden, ohne selbst in den Fokus zu geraten.
Sie wollte deshalb mit Heike M. zum Tümpel – und deren Hund sollte den toten Jungen scheinbar durch Zufall finden. Doch Heike M. machte ihrer langjährigen Freundin klar, dass sie nicht für sie lügen werde. Mit ihrer Aussage belastete sie Gina H. vor Gericht stark.

Auch die Tatsache, dass Gina H. ihr Handy erst nicht herausrücken wollte, wirft auf die Angeklagte im Fall Fabian kein gutes Licht. „Sie sagte, dass sie damit nicht einverstanden ist. Das sehe sie nicht ein, da seien Dinge drauf, die sie nichts angingen“, so der Polizist vor Gericht.
Am Ende gaben aber beide Frauen ihre Handys ab – Gina H. und auch Heike M. Die Daten vom Handy der Angeklagten im Fall Fabian aus Güstrow wurden bereits analysiert, die Ergebnisse vorgestellt.



