Wann sagt die Angeklagte aus?

Toter Fabian aus Güstrow: Alles gegen Gina H.! Lage spitzt sich zu

Im Mordprozess um Fabian verdichten sich die Hinweise gegen Gina H. Eine Zeugin schildert vor Gericht belastende Details zum Verhalten der Angeklagten.

Author - Florian Thalmann
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Für Gina H. gilt im Fall Fabian aus Güstrow bis zu einer Verurteilung die Unschuldsvermutung. Doch mit jeder Zeugenaussage schwinden die Zwiefel an ihrer Schuld.
Für Gina H. gilt im Fall Fabian aus Güstrow bis zu einer Verurteilung die Unschuldsvermutung. Doch mit jeder Zeugenaussage schwinden die Zwiefel an ihrer Schuld.Bernd Wüstneck/dpa

Es war ein Prozesstag, der es in sich hatte – obwohl die Verhandlung im Fall Fabian aus Güstrow schon nach verhältnismäßig kurzer Zeit beendet war. Doch es war ein Tag, der Sprengkraft hatte, zumindest für die Angeklagte Gina H. Denn es zeichnet sich immer mehr ab, dass es für die Tatverdächtige eng werden könnte. Die Zeugin, die Gina H. am Tag des offiziellen Leichenfundes zum Tümpel begleitete, sagte aus – und von Staatsanwaltschaft und der Anwältin von Fabians Mutter Dorina L. gibt es zu den aktuellen Entwicklungen eine klare Position.

Zeugin schildert, wie Gina H. sie zum toten Fabian führte

Schon die Zusammenfassung der Staatsanwaltschaft nach dem Verhandlungstag zeigt, dass es für Gina H. immer schwieriger wird, als unschuldig gesehen zu werden. Denn ihre Freundin Heike M. schilderte vor Gericht eindrücklich, wie sie von Gina H. am 14. Oktober zum Tümpel bei Klein Upahl und zur Leiche von Fabian geführt wurde – und dass Gina H. ihrem Gefühl nach offenbar einen konkreten Plan hatte. Dass sie zielgerichtet zum Tümpel ging und nach der Rückkehr keinerlei Gefühlsregung zeigte.

Nachdem sie schon am Tag zuvor mit zwei Bekannten am Tümpel gewesen war, wollte sie sich laut der Zeugin nun mit Heike M. und ihren Hunden dorthin begeben – und dann der Polizei erzählen, ein Hund habe die Leiche gefunden. Kurz nach dem Fund habe Gina H. den Polizisten dann tatsächlich erzählt, die beiden Frauen seien zusammen mit den Hunden spazieren gegangen. M. hingegen habe der Polizei unmittelbar danach gesagt, dass das nicht stimmte. Denn gegenüber Gina H. hatte sie bereits angekündigt, dass sie nicht für sie lügen werde.

Die Angeklagte Gina H. im Fall Fabian aus Güstrow vor Gericht. Ihr wird vorgeworfen, den acht Jahre alten Jungen getötet zu haben.
Die Angeklagte Gina H. im Fall Fabian aus Güstrow vor Gericht. Ihr wird vorgeworfen, den acht Jahre alten Jungen getötet zu haben.Stefan Sauer/dpa

Markant auch: Gina H. ging laut der Zeugin sehr direkt zur Leiche. „So wie ein Plan, der erfüllt werden muss. Auch wie zielgerichtet sie da runterging, das war so kalt“, so die Freundin der Angeklagten. Nach der Rückkehr sagte sie, der Hund habe am Tümpel uriniert – und schien sich laut Heike M. darüber zu freuen. Trauer oder Entsetzen zeigte sie aber nicht. Das machte auch ihre Freundin fassungslos. Heike M. brach während der Vernehmung in Tränen aus. „Sie ist selber Mutter. Und wenn ich einen finde, den ich kenne ... Ich kann nicht verstehen, wie man so sein kann.“

Toter Fabian: Gina H. wirkte, als habe sie einen Plan

In ihrer ersten Vernehmung hatte M. ausgesagt: „Ich habe das Gefühl, dass ich als Alibi benutzt werden sollte.“ Immer wieder habe sie Gina H. gefragt, warum sie nach den beiden Besuchen bei der Leiche nicht die Polizei alarmierte. „Ich habe viel gefragt, aber ich habe keine Antwort bekommen“, sagte die Zeugin. Nach der Aussage resümierte die Staatsanwaltschaft, man habe in der Verhandlung eine ehrliche Zeugin erlebt. „Man merkte, dass es ihr nahe ging.“ Gina H. habe auf sie gewirkt, als setze sie einen Plan um, außerdem seien keine Trauer und keine Anteilnahme erkennbar gewesen.

Christine Habetha, Rechtsanwältin der Mutter des ermordeten Fabian aus Güstrow, ist von der Schuld von Gina H. überzeugt.
Christine Habetha, Rechtsanwältin der Mutter des ermordeten Fabian aus Güstrow, ist von der Schuld von Gina H. überzeugt.Jens Büttner/dpa

Christine Habetha, die Anwältin von Fabians Mutter, hatte schon nach der Aussage der ersten beiden Tümpel-Zeugen Bilanz gezogen. Am Abend des 13. Oktober bat Gina H. zunächst ihren Bekannten Christian D., mit ihr auf dem Feld nach Fabian zu suchen. Sie begründete den Plan laut seiner Aussage damit, dass sie mit Fabian und ihrem eigenen Kind zum Schlittenfahren im Winter dort gewesen sei – obwohl es dort gar keine Berge oder Hügel gibt.

Nachdem die beiden bei der Leiche waren, kontaktierte sie noch am gleichen Abend einen anderen Bekannten, Olaf K. Sie erzählte ihm laut seiner Aussage, sie habe Fabian gemeinsam mit Christian D. gefunden, sei sich aber nicht sicher – und wolle noch einmal nachschauen, ob er es wirklich ist. Also fuhr sie auch mit Olaf K. zum Tümpel.

Aussagen im Fall Fabian belastend für Gina H.

Die Aussagen seien für Gina H. klar belastend, sagte Habetha im Interview mit dem Youtube-Kanal „Jens fragt nach“. „Sie kannte den Tatort, sie hat den ersten Zeugen so zielgerichtet hingeführt.“ Den zweiten Zeugen habe sie in derselben Nacht hingeführt. „Sie war diejenige, die ganz spontan bei beiden Zeugen die Leiche als menschliche Leiche erkannt hat – und sie war diejenige, die sie sofort identifiziert hat als Fabian.“

Der erste Polizeibeamte, der vor Ort war, habe das nicht sicher gekonnt, obwohl er zuvor viele Bilder von Fabian gesehen hatte. „Er hätte diese Leiche niemals als Fabian erkannt. Aber die Angeklagte wusste ja, was sie dort vorfinden würde.“

Die Leiche des kleinen Fabian aus Güstrow wurde an einem Tümpel bei Klein Upahl gefunden.
Die Leiche des kleinen Fabian aus Güstrow wurde an einem Tümpel bei Klein Upahl gefunden.Bernd Wüstneck/dpa

Wird es also langsam immer enger für Gina H. – und wird sie selbst noch die Gelegenheit nutzen, sich zu äußern? Ihre Anwälte machten diesbezüglich jetzt eine neue Ankündigung.

„Ich kann bestätigen, dass es geplant ist“, sagte einer ihrer Verteidiger laut Berichten im Prozess. Es müsse allerdings gut vorbereitet werden und unterliege „taktischen Erwägungen“.  Es sei gut möglich, dass Gina H. ihre Erklärung in dem Verfahren kurz nach der Sommerpause abgibt – womöglich am 6. August.

Mord an Fabian: Das wird Gina H. vorgeworfen

Gina H. wird vorgeworfen, den kleinen Fabian aus Güstrow am 19. Oktober 2025 mit mindestens sechs Messerstichen im Bereich des Oberkörpers getötet zu haben. Zuvor hatte sie den Jungen unter einem Vorwand aus dem Haus seiner Mutter gelockt, sei mit ihm zum besagten Tümpel gefahren.

Nach der Tat entfernte sie sich laut Anklage vom Tatort, kehrte aber später zurück und steckte die Leiche des Jungen mit Brandbeschleuniger an. Laut Ermittlern wollte sie damit Spuren verwischen. Für Gina H. gilt bis zu einer Verurteilung die Unschuldsvermutung.

Haben Sie den Fall Fabian verfolgt? Schicken Sie uns Ihre Meinung per Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!