Niederlande

Leben auf 15 Quadratmetern in Tiny-House: „Wir sind uns dadurch nähergekommen“

Wenig Platz, dafür viel Gemeinschaft und Nachhaltigkeit: Immer mehr Menschen entscheiden sich bewusst für ein Leben auf wenigen Quadratmetern.

Author - Paula Hitzemann
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Viele entscheiden sich bewusst für ein Leben auf wenigen Quadratmetern (Symbolbild).
Viele entscheiden sich bewusst für ein Leben auf wenigen Quadratmetern (Symbolbild).Wolfram Weber/imago

15 Quadratmeter für zwei Erwachsene, ein Kind und eine Katze. Was für viele wie der absolute Horror klingt, ist für Mirjam (46) und ihre Familie Alltag. Statt in einem Einfamilienhaus leben sie in einem sogenannten Tiny House mit nur einem großen Raum. Und obwohl das Leben mit Einschränkungen verbunden ist, fühlt sie sich ihrer Familie näher denn je.

Vom Traum der Auswanderung zum Tiny House

Eigentlich wollte Mirjam nach Neuseeland auswandern und dort glücklich werden. Aus privaten Gründen blieb es jedoch nur bei einem Wunsch. Als sich die Möglichkeit ergab, auf einem ehemaligen Campinggelände in ein Tiny House zu ziehen, dachte sie nicht lange nach. „Mir wurde klar, dass das bereits ein großer Schritt in die richtige Richtung wäre“, berichtet sie dem Online-Magazin Vriendin.

Mirjam (46) und ihre Familie leben in einem mobilen Tiny House auf einem Campingplatz.
Mirjam (46) und ihre Familie leben in einem mobilen Tiny House auf einem Campingplatz.Vriendin

Seit einem Jahr lebt sie dort gemeinsam mit ihrem Mann Ben (42), Sohn Silke (8) und Katze Dodo. Das Tiny House verfügt über zwei Schlafgalerien. Noch steht es auf einem Campingplatz in den Niederlanden, langfristig sucht die Familie jedoch ein festes Grundstück.

Gemeinschaft und Nachhaltigkeit auf dem Campingplatz

Besonders schätzt Mirjam das Zusammenleben mit ihren Nachbarn. Im früheren Einfamilienhaus hat ihr genau dieser Kontakt gefehlt. Oft wird gemeinsam gegrillt, Nachbarn tauschen sich täglich aus und unterstützen sich gegenseitig.

Autos und Rasenmäher werden gemeinsam genutzt, Solarenergie und das Sammeln von Regenwasser spielen eine wichtige Rolle. Nachhaltigkeit ist Mirjam persönlich wichtig und sie ist froh, dass darauf in der Nachbarschaft sehr geachtet wird.

Tiny-House-Fans schätzen vor allem die Nachhaltigkeit und Gemeinschaft beim minimalen Wohnen (Symbolbild).
Tiny-House-Fans schätzen vor allem die Nachhaltigkeit und Gemeinschaft beim minimalen Wohnen (Symbolbild).Aleksei Isachenko/imago

Mit dem neuen Lebensstil fühlt sich Mirjam wohl: „Das minimalistische Leben gefällt mir sehr gut. Für mich sind viele Dinge nur Ballast gewesen.“ Trotz der wenigen Quadratmeter sagt sie: „Obwohl wir ständig eng zusammenleben, habe ich nicht das Gefühl, dass mir Privatsphäre fehlt. Im Gegenteil: Wir sind uns dadurch nähergekommen.“

Nur für ihren Sohn könnte sich das später ändern, wenn er älter wird. Dann will die Familie eine passende Lösung finden. „Aber für jetzt ist es gut und ich lebe ein Stück glücklicher und bleibe dichter bei mir selbst, einfach hier im eigenen Land“, sagt Mirjam.

15 Quadratmeter haben auch ihre Grenzen

Ganz ohne Einschränkungen funktioniert das Leben auf kleinem Raum allerdings nicht. Nach Regentagen hängen nasse Jacken schnell überall im Haus. Außerdem fehlt Platz für Hobbys. Mirjam würde gern Yoga und Krafttraining machen, ihr Sohn wünscht sich mehr Raum für seine Lego-Sammlung und ihr Mann hätte gern einen größeren Backofen.

Langfristig plant die Familie deshalb, nach dem Umzug auf ein dauerhaftes Grundstück eine Veranda anzubauen, die dann als weitere Wohnfläche genutzt werden kann.

Könnten Sie sich vorstellen, in einem Tiny House zu leben? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com.