Tanken wird für Autofahrer immer mehr zur Geduldsprobe: Während der Ölpreis zuletzt nachgab, bleiben die Preise an den Zapfsäulen hartnäckig hoch. Verbraucherschützer schlagen Alarm und werfen der Politik Versagen vor.
Der Ölpreis sinkt, aber die Entlastung an den Zapfsäulen bleibt aus
Nach Ansicht des ADAC läuft bei der Preisbildung an deutschen Tankstellen einiges schief. Der Automobilclub kritisiert vor allem, dass vorhandene Instrumente nicht konsequent genutzt werden. Karsten Schulze, Technik- und Verkehrspräsident, findet deutliche Worte: „Die Politik hat das Bundeskartellamt mit höheren Befugnissen ausgestattet. Es ist nicht nachzuvollziehen, dass davon nicht Gebrauch gemacht wird.“

Die aktuellen Preissprünge sind hart für Autobesitzer: Zwischen 11.45 Uhr und 12.15 Uhr steigen die Preise spürbar an, wie eine Auswertung des ADAC zeigt. Im bundesweiten Durchschnitt verteuerte sich Super E10 in diesem Zeitraum um rund 5,7 Cent pro Liter, Diesel legte ähnlich stark zu und kletterte um etwa 5,3 Cent.
Der Vorwurf wiegt schwer: Mineralölkonzerne könnten die derzeitigen Regelungen gezielt ausnutzen. Laut ADAC würden sie so „deutliche Risikoaufschläge“ durchsetzen. Die Folge: Die Spritpreise hätten sich zunehmend vom eigentlichen Ölmarkt entfernt. Ohne ein konsequentes Eingreifen der Behörden bleibe das viel diskutierte Modell aus Österreich letztlich wirkungslos, oder wie es Schulze formuliert: „zahnlos“.
Verzögerungen und Zusatzkosten halten Preise hoch
Das Bundeskartellamt betont, die Preisentwicklung sehr genau zu beobachten und entsprechende Maßnahmen bereits eingeleitet zu haben. Die Kritik wird zurückgewiesen. Ein Sprecher betont, ein Team überwache die Preise „mit hoher Priorität“ in Echtzeit. Erste Prüfverfahren laufen demnach schon. Dabei gehe es unter anderem um technische Verstöße, etwa wenn Preisänderungen verspätet gemeldet werden. Gleichzeitig stellt die Behörde klar: Ein Anstieg der Preise sei noch kein Beweis für einen Kartellrechtsverstoß, solange funktionierender Wettbewerb nicht eindeutig widerlegt sei.


