Es geht auch anders

Zu hohe Spritpreise: ADAC-Präsident rechnet mit Bundeskartellamt ab

Obwohl der Ölpreis sinkt, bleiben Benzin und Diesel teuer. Der ADAC schlägt Alarm und kritisiert mangelndes Eingreifen von Politik und Kartellamt.

Author - Mariella Mandurino
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ADAC-Verkehrspräsident Karsten Schulze rechnet mit dem Bundeskartellamt ab.
ADAC-Verkehrspräsident Karsten Schulze rechnet mit dem Bundeskartellamt ab.Christian Ditsch/Imago

Tanken wird für Autofahrer immer mehr zur Geduldsprobe: Während der Ölpreis zuletzt nachgab, bleiben die Preise an den Zapfsäulen hartnäckig hoch. Verbraucherschützer schlagen Alarm und werfen der Politik Versagen vor.

Der Ölpreis sinkt, aber die Entlastung an den Zapfsäulen bleibt aus

Nach Ansicht des ADAC läuft bei der Preisbildung an deutschen Tankstellen einiges schief. Der Automobilclub kritisiert vor allem, dass vorhandene Instrumente nicht konsequent genutzt werden. Karsten Schulze, Technik- und Verkehrspräsident, findet deutliche Worte: „Die Politik hat das Bundeskartellamt mit höheren Befugnissen ausgestattet. Es ist nicht nachzuvollziehen, dass davon nicht Gebrauch gemacht wird.“

Die Spritpreise sind für Autofahrer aktuell der Horror.
Die Spritpreise sind für Autofahrer aktuell der Horror.Felix Hörhager/dpa

Die aktuellen Preissprünge sind hart für Autobesitzer: Zwischen 11.45 Uhr und 12.15 Uhr steigen die Preise spürbar an, wie eine Auswertung des ADAC zeigt. Im bundesweiten Durchschnitt verteuerte sich Super E10 in diesem Zeitraum um rund 5,7 Cent pro Liter, Diesel legte ähnlich stark zu und kletterte um etwa 5,3 Cent.

Der Vorwurf wiegt schwer: Mineralölkonzerne könnten die derzeitigen Regelungen gezielt ausnutzen. Laut ADAC würden sie so „deutliche Risikoaufschläge“ durchsetzen. Die Folge: Die Spritpreise hätten sich zunehmend vom eigentlichen Ölmarkt entfernt. Ohne ein konsequentes Eingreifen der Behörden bleibe das viel diskutierte Modell aus Österreich letztlich wirkungslos, oder wie es Schulze formuliert: „zahnlos“.

Verzögerungen und Zusatzkosten halten Preise hoch

Das Bundeskartellamt betont, die Preisentwicklung sehr genau zu beobachten und entsprechende Maßnahmen bereits eingeleitet zu haben. Die Kritik wird zurückgewiesen. Ein Sprecher betont, ein Team überwache die Preise „mit hoher Priorität“ in Echtzeit. Erste Prüfverfahren laufen demnach schon. Dabei gehe es unter anderem um technische Verstöße, etwa wenn Preisänderungen verspätet gemeldet werden. Gleichzeitig stellt die Behörde klar: Ein Anstieg der Preise sei noch kein Beweis für einen Kartellrechtsverstoß, solange funktionierender Wettbewerb nicht eindeutig widerlegt sei.

Trotz eines zwischenzeitlichen Rückgangs der Ölpreise – ausgelöst durch die Aussicht auf eine Entspannung im Konflikt zwischen den USA und dem Iran – müssen Autofahrer weiterhin Geduld haben. Denn bis sich solche Entwicklungen tatsächlich an den Zapfsäulen widerspiegeln, vergeht in der Regel einige Zeit.

Hintergrund sind vor allem verzögerte Abläufe im internationalen Handel: Wichtige Transportrouten müssen erst wieder stabil genutzt werden und auch der Schiffsverkehr läuft nicht sofort reibungslos an. Hinzu kommt, dass es Wochen dauert, bis zusätzliche Liefermengen Europa überhaupt erreichen. Gleichzeitig treiben steigende Kosten für Transport und Absicherung der Lieferungen die Preise weiter nach oben. Ein schneller Preisrückgang beim Tanken ist daher vorerst nicht zu erwarten.

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