Es ist ein Albtraum, den eigentlich keine werdende Mutter erleben sollte: Während eines Kaiserschnitts bei vollem Bewusstsein jeden Schnitt spüren. Doch genau davon berichten mehr als ein Dutzend Frauen.
Kaiserschnitt ohne ausreichende Betäubung – Frauen berichten von extremen Schmerzen
Mehrere Mütter schildern dem ARD-Politikmagazin Report Mainz ihre Horrorgeschichten mit Kaiserschnitten. Laut ihren Schilderungen hätten sie „höllische Schmerzen“ erlitten, manche hätten „jeden Schnitt und jedes Reißen“ wahrgenommen. Die Kliniken, mit den Vorwürfen konfrontiert, verweisen auf laufende Verfahren und äußern sich nicht.

Tatsächlich kommt in Deutschland fast jede dritte Geburt per Kaiserschnitt zur Welt – doch wie oft die Betäubung dabei nicht richtig wirkt, weiß niemand. Erfasst wird das schlicht nicht. Report Mainz hat deshalb eine nicht-repräsentative bundesweite Umfrage unter Landeshebammenverbänden durchgeführt.
Das erschreckende Ergebnis: Von 323 teilnehmenden Hebammen gaben 86 Prozent an, Frauen zu kennen, die nach eigenen Angaben bei einem Kaiserschnitt unzureichend betäubt waren oder starke Schmerzen hatten. Wie hoch die Dunkelziffer wirklich ist, lässt sich nur erahnen.
Experten schlagen Alarm: Deutschland tappt bei Geburtsrisiken im Dunkeln
Die unvollständige Datenlage ist kein neues Problem. In Deutschland werden bei einer Geburt bisher nur grundlegende Informationen wie Name, Geschlecht und Geburtsort erfasst. Für viele Experten ist das längst nicht genug. Denn ohne präzise Daten lässt sich kaum beurteilen, wie sicher die Geburtshilfe wirklich ist.
Zu den Befürwortern eines nationalen Geburtenregisters gehört Prof. Peter Kranke, Oberarzt der Anästhesie an der Uniklinik Würzburg. „Momentan schielen wir immer in andere Länder, wenn es darum geht, wie häufig sind bestimmte Komplikationen, wie häufig tritt Versagen auf bei einer Teilnarkose. Insofern tun wir gut daran, auch in Deutschland eigene Zahlen präsentieren zu können“, sagt er im Interview.

Die Defizite reichen sogar noch weiter: Selbst die Erfassung der Müttersterblichkeit entspricht nicht den WHO-Kriterien. Eine Expertengruppe im Auftrag des Barmer Instituts hat deshalb ein Stufenmodell für ein Geburtenregister entwickelt. Es soll vorhandene Daten zusammenführen, Lücken schließen und insbesondere auch die Perspektive der betroffenen Frauen berücksichtigen.

Politik blockiert Register – Abgeordnete zeigen Unverständnis
Doch ausgerechnet die Bundesregierung will diesen Weg derzeit nicht gehen. Eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Gesundheitspolitikerin Kirsten Kappert-Gonther ergab Ende 2025, dass kein nationales Geburtenregister geplant sei. Auf erneute Nachfrage bestätigte das Bundesgesundheitsministerium diese Position.
Für Kappert-Gonther völlig unverständlich: Ein solches Register sei „die Grundlage dafür, dass wir Lücken im Versorgungssystem der Geburtshilfe aufdecken und dazu gehören natürlich auch Komplikationen während der Geburt, wie eine nicht wirksame Regionalanästhesie“. Und weiter: „Ich habe null Verständnis dafür, dass das nicht schon längst auf dem Weg ist.“



