Auf der russischen Halbinsel Kamtschatka hat der Winter die volle Kontrolle übernommen und zeigt keine Gnade. Seit Tagen versinkt die Pazifikregion im Schnee-Chaos historischen Ausmaßes. Russische Medien sprechen von einer „Schnee-Apokalypse“. Häuser sind bis zur fünften Etage eingeschneit. Manche Menschen sind komplett von der Außenwelt abgeschnitten.
Tödliche Gefahr von den Dächern
In der Hauptstadt Petropawlowsk-Kamtschatski wurden nach Behördenangaben zwei Männer von herabstürzenden Schneemassen erschlagen, die sich von Dächern lösten. Dass es nicht mehr Opfer gibt, gilt vor Ort als pures Glück.
Meteorologen sprechen von den schwersten Schneefällen seit rund 30 Jahren. Innerhalb weniger Tage fiel so viel Schnee wie sonst in ganzen Monaten. An Häusern türmen sich bis zu fünf Meter hohe Schneeverwehungen.
Viele Bewohner konnten ihre Wohnungen nicht mehr verlassen. Besonders ältere Menschen waren in ihren Häusern gefangen, ohne Möglichkeit, sich selbst freizuschaufeln. Studenten, Soldaten und freiwillige Helfer sind pausenlos im Einsatz.

In sozialen Netzwerken verbreiten sich derzeit Dutzende Videos, die zeigen, wie extrem die Lage ist. Menschen schieben Autos durch meterhohen Schnee, andere rutschen auf riesigen Schneebergen hinab. In einem Clip laufen Passanten auf Schneemassen in der Höhe einer Ampel. Straßen und Gehwege sind darunter kaum noch zu erkennen. Der Alltag auf Kamtschatka findet derzeit nicht mehr auf Asphalt, sondern hoch oben auf Schnee statt.
Mancherorts sind nicht nur die Eingänge, sondern auch ganze Etagen von Gebäuden eingeschneit. Einige Bewohner verlassen ihre Wohnungen über die Fenster und springen in den Schnee, weil Türen nicht mehr erreichbar waren.
Gouverneur Wladimir Solodow hat eine Krisensitzung einberufen. Er räumt Versorgungsengpässe ein, vor allem bei Obst und Gemüse. Lieferwagen kommen nicht durch, Gewächshäuser sind eingeschneit.
Das Wetterphänomen hinter dem Chaos
Wissenschaftler erklären das Extremwetter mit wiederkehrenden Zyklonen über dem Pazifik, die enorme Mengen Feuchtigkeit bringen. In Kombination mit eisiger Luft und der besonderen Geografie Kamtschatkas fällt diese Feuchtigkeit als schwerer, gefährlicher Schnee.
Das Chaos beschränkt sich nicht nur auf Kamtschatka. Auch in Moskau kämpfen Einsatzkräfte mit Rekordmengen Schnee. Meteorologen sprachen Anfang Januar von einem der heftigsten Schneestürme der vergangenen 146 Jahre.





