Demonstrationen, Staatsbesuche, Gewalt auf den Straßen, Silvestereinsätze, Clan-Kriminalität – die Berliner Polizei ist permanent im Einsatz. Doch ausgerechnet dort, wo dringend Verstärkung gebraucht wird, reißt die Lücke immer weiter auf. Der Polizei fehlt der Nachwuchs.
Zu wenige Bewerber für zu viele Stellen
Nach Angaben der Gewerkschaft der Polizei (GdP) konnten in den vergangenen Einstellungsrunden zahlreiche Ausbildungs- und Studienplätze nicht besetzt werden. Statt der vorgesehenen 312 Plätze starteten im vergangenen Herbst nur rund 250 Anwärter ihre Laufbahn bei der Berliner Polizei.
Schon im Frühjahr 2025 blieb fast jede vierte Stelle leer. 237 von 312 Ausbildungsplätzen wurden besetzt, beim Studium sogar nur 199 von 300. Auch im Jahr zuvor zeigte sich ein ähnliches Bild.

Wie ernst die Lage ist, zeigen auch aktuelle Haushaltszahlen des Landes Berlin. Nach einem Bericht der Morgenpost standen 2025 insgesamt 1224 Ausbildungsplätze für die Polizei bereit – besetzt wurden aber nur 936. Im Innenressort blieben dadurch rund 29 Millionen Euro an Ausbildungsmitteln ungenutzt.
Viele hören wieder auf
Viele junge Menschen ziehen ihre Bewerbung bei der Polizei kurzfristig wieder zurück. „Viele Bewerber fahren mehrgleisig und sehen ihre Zukunft nicht in der Hauptstadt“, sagt Thorsten Schleheider, Landesvize der GdP.
Hinzu kommt auch noch, dass zwischen elf und 24 Prozent der Nachwuchskräfte die Polizei bereits während der Ausbildung oder des Studiums wieder verlassen.
Zu viel Druck, zu wenig Perspektive
Die Gründe sind vielfältig. Hohe Belastung, Schichtdienst, steigende Gewalt, aber auch fehlender Wohnraum in der Hauptstadt, veraltete Technik und eine mangelnde Fokussierung auf die eigentlichen Kernaufgaben. „Weniger Personal heißt auch eine Polizei, die nicht mehr Mutti für alles sein kann“, warnt Schleheider.


