Personalkrise

Der Berliner Polizei fehlt der Nachwuchs

Hunderte Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt, Bewerber springen ab. Der Personalmangel wird auf Berlins Straßen immer spürbarer.

Author - Tobias Esters
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Zwei Beamte der Berliner Polizei im Einsatz: Der Personalmangel trifft den Alltag auf Berlins Straßen zunehmend spürbar.
Zwei Beamte der Berliner Polizei im Einsatz: Der Personalmangel trifft den Alltag auf Berlins Straßen zunehmend spürbar.Carsten Koall/dpa

Demonstrationen, Staatsbesuche, Gewalt auf den Straßen, Silvestereinsätze, Clan-Kriminalität – die Berliner Polizei ist permanent im Einsatz. Doch ausgerechnet dort, wo dringend Verstärkung gebraucht wird, reißt die Lücke immer weiter auf. Der Polizei fehlt der Nachwuchs.

Zu wenige Bewerber für zu viele Stellen

Nach Angaben der Gewerkschaft der Polizei (GdP) konnten in den vergangenen Einstellungsrunden zahlreiche Ausbildungs- und Studienplätze nicht besetzt werden. Statt der vorgesehenen 312 Plätze starteten im vergangenen Herbst nur rund 250 Anwärter ihre Laufbahn bei der Berliner Polizei.

Schon im Frühjahr 2025 blieb fast jede vierte Stelle leer. 237 von 312 Ausbildungsplätzen wurden besetzt, beim Studium sogar nur 199 von 300. Auch im Jahr zuvor zeigte sich ein ähnliches Bild.

Polizeianwärterinnen und -anwärter beim Schießtraining
Polizeianwärterinnen und -anwärter beim SchießtrainingRainer Jensen/dpa

Wie ernst die Lage ist, zeigen auch aktuelle Haushaltszahlen des Landes Berlin. Nach einem Bericht der Morgenpost standen 2025 insgesamt 1224 Ausbildungsplätze für die Polizei bereit – besetzt wurden aber nur 936. Im Innenressort blieben dadurch rund 29 Millionen Euro an Ausbildungsmitteln ungenutzt.

Viele hören wieder auf

Viele junge Menschen ziehen ihre Bewerbung bei der Polizei kurzfristig wieder zurück. „Viele Bewerber fahren mehrgleisig und sehen ihre Zukunft nicht in der Hauptstadt“, sagt Thorsten Schleheider, Landesvize der GdP.

Hinzu kommt auch noch, dass zwischen elf und 24 Prozent der Nachwuchskräfte die Polizei bereits während der Ausbildung oder des Studiums wieder verlassen.

Zu viel Druck, zu wenig Perspektive

Die Gründe sind vielfältig. Hohe Belastung, Schichtdienst, steigende Gewalt, aber auch fehlender Wohnraum in der Hauptstadt, veraltete Technik und eine mangelnde Fokussierung auf die eigentlichen Kernaufgaben. „Weniger Personal heißt auch eine Polizei, die nicht mehr Mutti für alles sein kann“, warnt Schleheider.

Das Problem reicht dabei weit über Berlin hinaus. Nach Zahlen des Beamtenbundes dbb fehlen dem öffentlichen Dienst bundesweit rund 600.000 Beschäftigte – etwa 30.000 mehr als noch vor einem Jahr. Die Polizei gehört dabei zu den besonders betroffenen Bereichen.