Schokoladen-Millionäre

Traditionsunternehmen Ritter Sport wieder in Familienhand

Moritz Ritter und Tim Hoppe übernehmen die Geschäftsführung und setzen auf familiäre Kontinuität.

Author - Sharone Treskow
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Moritz Ritter (l.) und Tim Hoppe haben als Doppelspitze den Vorsitz der Geschäftsführung der Alfred Ritter GmbH & Co. KG übernommen.
Moritz Ritter (l.) und Tim Hoppe haben als Doppelspitze den Vorsitz der Geschäftsführung der Alfred Ritter GmbH & Co. KG übernommen.Ritter Sport/dpa

Es ist ein mutiger Schritt! Beim Schokoladenhersteller Ritter Sport kommt es in einer ohnehin angespannten Lage zu einem bedeutenden Führungswechsel. Moritz Ritter und Tim Hoppe haben zum 15. Mai 2026 gemeinsam den Vorsitz der Geschäftsführung übernommen. Damit rückt die Verantwortung für das operative Geschäft wieder zurück in die Familie. Wird das die Rettung für den Milka-Konkurrenten?

Ritter Sport: Urenkel übernehmen das Ruder

Die beiden sind Urenkel der Gründer Clara und Alfred Ritter. Ihr Vorgänger Andreas Ronken, der das Unternehmen seit 2015 als CEO geführt hatte und insgesamt rund zwei Jahrzehnte prägte, verlässt die Firma. Die neuen Chefs würdigen seine Arbeit ausdrücklich: „Andreas Ronken hat Ritter Sport in den letzten 20 Jahren maßgeblich geprägt und wichtige Impulse für die Weiterentwicklung des Unternehmens gesetzt“, betont Moritz Ritter.

Gründer Alfred T. Ritter vor 19 Jahren auf der  Internationalen Süßwarenmesse in Köln.
Gründer Alfred T. Ritter vor 19 Jahren auf der Internationalen Süßwarenmesse in Köln.Hoffmann/imago

Ronken selbst blickt mit Dankbarkeit auf seine Zeit zurück: „Ritter Sport war für mich immer weit mehr als ein klassisches Familienunternehmen.“ Unter seiner Führung wurden zentrale Projekte vorangetrieben – darunter die eigene Kakaofarm „El Cacao“, die Internationalisierung sowie zahlreiche Innovations- und Nachhaltigkeitsinitiativen.

Sparprogramm setzt Unternehmen unter Druck

Der Wechsel an der Spitze fällt in eine wirtschaftlich schwierige Phase. Ritter Sport hat zuletzt ein umfassendes Sparprogramm auf den Weg gebracht – inklusive angekündigtem Stellenabbau, dem ersten in der Unternehmensgeschichte. Hintergrund sind stark gestiegene Kosten für Kakao, Energie und Verpackung. Gleichzeitig ist die Nachfrage spürbar zurückgegangen.

Ritter Sport hat mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen.
Ritter Sport hat mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen.Manfred Segerer/imago

Die neue Doppelspitze sieht sich deshalb vor einer großen Herausforderung. „Aufgrund der herausfordernden wirtschaftlichen Situation haben wir in den letzten Monaten ein Programm mit schmerzhaften Einschnitten auf den Weg gebracht“, erklären Tim Hoppe und Moritz Ritter. Ziel sei es, die Transformation des Unternehmens gemeinsam mit der Geschäftsführung und den Mitarbeitern konsequent fortzuführen und das Unternehmen wieder stabil aufzustellen.

Dabei geht es nicht nur um kurzfristige Einsparungen, sondern auch um die langfristige Ausrichtung des Traditionsunternehmens, das weltweit in mehr als 100 Ländern vertreten ist.

Familie stellt sich an die Spitze der Transformation

Mit dem Führungswechsel setzt Ritter Sport bewusst auf Kontinuität innerhalb der Familie. Moritz Ritter (geboren 1978), ein diplomierter Informatiker, ist seit 2009 im Unternehmen tätig. Tim Hoppe (geboren 1979), Diplom-Betriebswirt, arbeitet seit 2011 im Familienbetrieb und ist seit 2017 Geschäftsführer der Ritter Agrar. Beide waren zuvor bereits als Gesellschafter und Vorsitzende des Beirats eng in die strategische Ausrichtung eingebunden.

Das Ritter-Sport-Werk in Waldenbuch.
Das Ritter-Sport-Werk in Waldenbuch.Frank Hoermann/Sven Simon/imago

Das Unternehmen mit Hauptsitz in Waldenbuch beschäftigt rund 1700 Mitarbeitende und erzielte 2025 einen Umsatz von rund 712 Millionen Euro. Produziert wird neben Deutschland auch im österreichischen Breitenbrunn. Ritter Sport setzt seit Jahren auf Nachhaltigkeit und bezieht als erster großer Hersteller ausschließlich zertifizierten Kakao für sein gesamtes Sortiment – ein Engagement, das 2024 mit dem SDG Innovation Award ausgezeichnet wurde.

Jetzt liegt es an der neuen Doppelspitze, das Unternehmen durch die aktuelle Krise zu führen und gleichzeitig die Zukunft des bekannten Schokoladenherstellers zu sichern.

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