Umsatzverluste

Zuckerschock: Ritter Sport baut zum ersten Mal Stellen ab

114 Jahre gab es keinen Stellenabbau beim schwäbischen Schokoladenhersteller – damit ist es jetzt vorbei.

Author - Tobias Esters
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Die quadratische Schokoladentafel ist Kult – doch steigende Kakao- und Energiepreise bringen Ritter Sport erstmals in der Unternehmensgeschichte zum Stellenabbau.
Die quadratische Schokoladentafel ist Kult – doch steigende Kakao- und Energiepreise bringen Ritter Sport erstmals in der Unternehmensgeschichte zum Stellenabbau.Markus Mainka/imago

114 Jahre lang war Ritter Sport eine Erfolgsgeschichte ohne Stellenabbau. Doch diese Ära endet jetzt. Der schwäbische Schokoladenhersteller hat am Dienstag seine Mitarbeiter informiert: In der Verwaltung am Stammsitz in Waldenbuch bei Stuttgart sollen rund 70 Stellen wegfallen, etwas mehr als jede zehnte. Es ist das erste Mal in der Geschichte des Familienunternehmens.

Das passiert mit den Mitarbeitern

Zuerst berichtete die Lebensmittelzeitung über den Schritt. Es werde einen Sozialplan und eine Transfergesellschaft geben, so ein Unternehmenssprecher. Betriebsbedingte Kündigungen könnten jedoch nicht ausgeschlossen werden.

Für den Hersteller arbeiteten zuletzt rund 1.900 Menschen weltweit. In Waldenbuch waren es rund 1.000, davon etwas über 600 in der Verwaltung. Demnach sollen etwa 70 Stellen wegfallen. Ritter Sport hatte bereits angekündigt, die Kostenstrukturen vereinfachen zu wollen.

Der Grund für die Misere ist eine unglückliche Kombination aus gleich mehreren Problemen gleichzeitig. Die Rohstoffpreise explodieren, der Kakaopreis hat sich laut Stuttgarter Zeitung von Dezember 2024 bis Frühjahr 2025 infolge von Missernten in Westafrika auf rund 12.000 Euro pro Tonne mehr als vervierfacht. Dazu kommen stark gestiegene Energie- und Verpackungskosten.

„Da wir uns längerfristig eindecken, verarbeiten wir heute noch Schokolade, die wir zu höheren Preisen eingekauft haben", erklärte Ritter-Sport-Geschäftsführer Thomas Seeger der Stuttgarter Zeitung. Und weil das Unternehmen ausschließlich Schokolade herstellt, schlage jede Preisentwicklung besonders hart durch.

Der Ritter-Sport-Stammsitz in Waldenbuch bei Stuttgart – hier sollen rund 70 Stellen in der Verwaltung wegfallen.
Der Ritter-Sport-Stammsitz in Waldenbuch bei Stuttgart – hier sollen rund 70 Stellen in der Verwaltung wegfallen.Arnulf Hettrich/IMAGO

Das größte Problem: Die Kunden kaufen weniger, weil die Preise steigen. Laut Statistischem Bundesamt war eine Tafel Schokolade im März 71 Prozent teurer als noch 2020. Das spürt Ritter Sport direkt beim Absatz.

Mehr Umsatz, trotzdem Verlust

Der Umsatz stieg 2025 trotzdem komischerweise um 17,7 Prozent auf 712 Millionen Euro. Doch das Wachstum täuscht. Es ist das Ergebnis höherer Verkaufspreise bei gleichzeitig sinkenden Mengen. Die massiven Kostensteigerungen entlang der gesamten Lieferkette konnten damit nicht ausgeglichen werden. Ritter Sport rutschte trotzdem in die roten Zahlen.

Die Kakaopreise sind inzwischen wieder deutlich gefallen, eine bessere Ernte in Westafrika hat die Börsenpreise beruhigt. Ob das Erleichterung bringt, bleibt abzuwarten.

Ritter Sport betreibt seit 2013 eine eigene Kakaoplantage in Nicaragua und baut aktuell eine Haselnussfarm in Frankreich auf, um sich unabhängiger von Rohstoffmärkten zu machen.

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