Der Ärger, der viele an den Tagen vor Ostern beim Besuch der Supermärkte ergriff, steckt einigen noch immer in den Knochen: Die heftigen Preise der Ostersüßigkeiten, für einige kaum noch zu bezahlen, verdarben vielen die Lust auf den Ostereinkauf. Selbst der kleinste Hase des Schweizer Schokoladenherstellers Lindt kostete 3,29 Euro. Nun fügt sich Lindt dem Ärger der Kunden und kündigt an, die Preise zu senken – auch für geplante Weihnachtssüßigkeiten. Doch der Verbraucherzentrale ist das immer noch zu wenig.
Lindt will jetzt plötzlich Schokoladenpreise senken
Die hohen Preise zu Ostern sorgten bei vielen Kunden für Unverständnis. Der Grund: Die Preise für Rohkakao sind gefallen – die Preise der Schokolade stiegen trotzdem. Lindt kündigte an, dass sich der Abfall der Kakaopreise erst im Jahr 2027 bemerkbar machen wird.
Jetzt geht es doch auf einmal ganz schnell: Plötzlich kündigt Lindt an, die Preise für verschiedene Produkte senken zu wollen. Die 100-Gramm-Tafeln der Linie „Classics“ werden im Preis etwa von 2,69 Euro auf 2,19 Euro gesenkt.
Und auch das kommende Weihnachten soll für Kunden günstiger werden. Der 200-Gramm-Weihnachtsmann soll statt der bisherigen 8,99 etwa nur noch 7,99 Euro kosten. Eine Sprecherin des Unternehmens kündigte laut Berichten an, dass weitere Preissenkungen geprüft werden. Ob und wie viele Produkte am Ende also wirklich betroffen sind, bleibt abzuwarten. Spannend ist es dennoch – denn es lässt den Verdacht aufkommen, dass zum Osterfest doch mehr Kunden den Kauf der teuren Produkte verweigert haben als gedacht.

Nun meldet sich dazu auch die Verbraucherzentrale zu Wort – und übt Kritik. Armin Valet von der Verbraucherzentrale in Hamburg sagt in einem Interview mit dem MDR, die Hersteller der Schokoladenprodukte hätten die Preisschraube offensichtlich überdreht.
Die Verärgerung der Verbraucher sei deutlich spürbar gewesen – und auch die Kaufzurückhaltung. Die Konsequenz – das Senken der Preise – sei längst überfällig. „Wir haben seit gut einem Jahr wirklich stark fallende Kakaopreise an den Rohstoffmärkten, also ungefähr 75 Prozent günstiger als vor gut einem Jahr“, sagt Valet. „Was ist passiert im Supermarktregal? Die Preise sind zum Teil noch gestiegen.“
Markenhersteller haben die Preisschraube überdreht
Doch nicht nur der Schweizer Schokoladenhersteller Lindt habe es mit den Preisen vielleicht etwas übertrieben. „Wir haben es ja nicht nur bei Lindt, sondern auch bei anderen Markenherstellern“, sagt Valet. „Die haben das überdreht, obwohl die Lage eigentlich eine andere ist: Dass eigentlich Preissenkungen zu erwarten sind.“
Spannend: Laut dem Verbraucherschützer seien die ersten, die Preissenkungen an die Kunden weitergaben, die Händler mit ihren Eigenmarken gewesen. Nur die sowieso teuren Markenhersteller agierten bisher recht zurückhaltend.

Die Verbraucherzentrale erwartet aufgrund der sinkenden Kakaopreise auch weiter Preisnachlässe. Allerdings lässt sich noch keine genaue Vorhersage treffen – während geopolitischer Krisen wird schließlich immer gern auch mit steigenden Energiepreisen argumentiert. Allerdings sei Schokolade ein Frequenzbringer, erklärt Armin Valet von der Verbraucherzentrale.
Wer macht sich hier die Taschen voll?
„Die Leute kommen in den Laden, wenn es da Sonderangebote gibt, und darum ist es auch im Sinne der Händler, dass hier was passiert.“ In Deutschland seien Preiserhöhungen außerdem oft höher ausgefallen als in anderen EU-Ländern. „Und da ist schon die Frage berechtigt: Wo bleibt das hängen, wer macht sich da die Taschen voll.“


