Der Mord am achtjährigen Fabian aus Güstrow ist eine der erschütterndsten Taten der vergangenen Jahre. Jetzt kommt der Fall vor Gericht. Am Dienstagmorgen (28. April) um 9.30 Uhr beginnt im Landgericht Rostock der Prozess gegen die Angeklagte Gina H. (30), Ex-Freundin des Vaters des Jungen. Die Verhandlung wird auf ein enormes öffentliches Interesse stoßen, das Gericht hat sich seit Wochen darauf vorbereitet.
Der Andrang beim Fabian-Prozess wird groß sein
Das Landgericht Rostock ist ein imposanter Bau in der August‑Bebel‑Straße. Zu DDR‑Zeiten hatte die Staatssicherheit (Stasi) hier ihr Hauptquartier in der Hansestadt. Der Prozess im Fall Fabian findet im Saal 2.002 statt, einem Raum mit hohen Fenstern und Fischgrätparkett. Für die Verhandlung musste nachgerüstet werden. „Wir haben die Stuhlreihen hier im Großen Saal aufgestockt, weil wir ein großes öffentliches Interesse erwarten“, sagte die stellvertretende Sprecherin des Landgerichts, Anne Kruse, dem Nordkurier. Insgesamt wurden 50 Presseplätze und 106 Sitze für Zuschauer eingerichtet.

Die Sitzordnung steht ebenfalls fest: Links im Saal nimmt die Angeklagte Gina H. mit ihrer Verteidigung Platz, rechts Staatsanwaltschaft und Nebenklage. Auf der Richterbank werden drei Berufsrichter und zwei Schöffen sitzen. Justizbeamte sichern den Ablauf. Schon im Vorfeld gingen zahlreiche Anfragen ein – nicht nur von Medien, sondern auch von Bürgern aus ganz Deutschland, die den Prozess verfolgen wollen. Reservierungen sind jedoch nicht möglich.
Auch technisch wurde der Saal überarbeitet. Hintergrund ist die Umstellung auf die elektronische Akte in Mecklenburg‑Vorpommern. Papierakten sind Vergangenheit, auch alle Vernehmungen sind elektronisch gespeichert. Zwei neue Laser-Beamer, zusätzliche Bildschirme für die Öffentlichkeit und eine komplett erneuerte Mediensteuerung wurden installiert. „Der Raum musste fit gemacht werden, damit hier auch gearbeitet und entsprechend vorgeführt werden kann“, erklärte die Sprecherin Kruse dem Nordkurier. Rund 99.600 Euro flossen in die Modernisierung.
Getöteter Fabian – der Fall, der Deutschland erschütterte
Fabian war am 10. Oktober 2025 verschwunden, nachdem er wegen Unwohlseins zu Hause geblieben war. Seine Mutter meldete ihn am Abend als vermisst. Vier Tage später fand eine Spaziergängerin – es war die jetzt angeklagte Gina H. – seine verbrannte Leiche in einem Waldstück bei Klein Upahl. Die Obduktion ergab, dass der Junge zwischen 11 und 15 Uhr durch mindestens sechs Messerstiche getötet worden war.
Die Staatsanwaltschaft wirft Gina H. vor, den Jungen unter einem Vorwand aus der Wohnung gelockt, mit dem Auto zu einem abgelegenen Teich gefahren und dort getötet zu haben. Anschließend soll sie versucht haben, die Spuren durch Feuer zu beseitigen. Die Ermittlungen führten über zahlreiche Hinweise, groß angelegte Durchsuchungen und einen Aufruf bei „Aktenzeichen XY… ungelöst“ schließlich zu der Tatverdächtigen, die seit November 2025 in Untersuchungshaft sitzt.


