Tier-Drama in Taipeh

Kampf um jeden Atemzug: Orang-Utan-Baby ringt nach Kaiserschnitt-Geburt im Zoo ums Überleben

Trauer und Hoffnung im Zoo von Taipeh: Nach einer extrem seltenen Zwillingsgeburt hat ein Orang-Utan-Baby nicht überlebt. Um das Leben des andere wird nun mit allen Mitteln gerungen.

Teilen
Das Orang-Utan-Baby Da Baoim Zoo von Taipeh wird rund um die Uhr versorgt.
Das Orang-Utan-Baby Da Baoim Zoo von Taipeh wird rund um die Uhr versorgt.Handout / Berlin/Zoo Taipeh/dpa

Im Zoo von Taipeh entscheidet sich derzeit das Schicksal eines winzigen Menschenaffen. Nach der extrem seltenen Geburt von Orang-Utan-Zwillingen per Kaiserschnitt kämpft eines der beiden Frühchen auf der Intensivstation ums Überleben. Sein Geschwisterchen hat den Kampf  verloren. Umso größer ist jetzt die Hoffnung für „Da Bao“, jeder Atemzug zählt.

Da Bao heißt das winzige Orang-Utan-Baby, das rund um die die Uhr von Pflegern, Tierärzten und Experten der Universorgt wird. Das Kleine  leidet an einem schweren Atemnotsyndrom. Seine Lungen sind noch nicht weit genug entwickelt, um die Atmung selbstständig zu bewältigen. Trotz seines kritischen Zustands zeige Da Bao einen bemerkenswerten Lebenswillen, heißt es vom Zoo.

Tragische Wendung nach der Zwillings-Geburt

Die Sorge um Da Bao wird von einer traurigen Nachricht überschattet: Sein Zwillingsgeschwisterchen hat den Kampf bereits verloren. Das frühgeborene Jungtier entwickelte kurz nach der Geburt massive gesundheitliche Probleme und starb in der Nacht zu Mittwoch trotz intensiver Rettungsversuche. Das medizinische Team hatte noch mehr als eine Stunde lang um das Leben des kleinen Menschenaffen gekämpft.

Die Zwillinge waren erst am Montag im Zoo von Taipeh per Kaiserschnitt zur Welt gekommen. Die Geburt galt als medizinische Ausnahme. Mutter Ke Yi wurde als Hochrisikopatientin eingestuft, weshalb sich die Tierärzte gemeinsam mit Spezialisten der Nationalen Taiwan-Universität für einen operativen Eingriff entschieden. Eine natürliche Geburt hätte erhebliche Risiken für die Mutter und die Jungtiere mit sich gebracht.

Nach Angaben des Zoos erholt sich Ke Yi inzwischen gut von der Operation. Ihr Zustand sei stabil.

Eine Orang-Utan-Mutter mit ihrem Baby im Rostocker Zoo. In freier Wildbahn bringen Weibchen meist nur alle sechs bis acht Jahre Nachwuchs zur Welt. Zwillingsgeburten sine extrem selten.
Eine Orang-Utan-Mutter mit ihrem Baby im Rostocker Zoo. In freier Wildbahn bringen Weibchen meist nur alle sechs bis acht Jahre Nachwuchs zur Welt. Zwillingsgeburten sine extrem selten.Jens Büttner

Zwillinge bei Orang-Utans sind eine Sensation

Dass überhaupt zwei Orang-Utan-Babys gleichzeitig geboren wurden, macht den Fall außergewöhnlich. In freier Wildbahn bringen Weibchen meist nur alle sechs bis acht Jahre Nachwuchs zur Welt. Zudem endet nahezu jede Schwangerschaft mit nur einem Jungtier. Zwillingsgeburten gelten daher selbst in Zoos als äußerst selten.

Die Aufmerksamkeit für die Geburt reicht weit über Taiwan hinaus. Orang-Utans zählen zu den bedrohtesten Menschenaffen der Welt. Lebensraumverlust durch Abholzung und die Ausweitung von Plantagen setzen den Beständen seit Jahren zu.

Kritik kommt derweil von der Tierrechtsorganisation PETA. Die Aktivisten sehen in dem Fall keinen Erfolg des Artenschutzes, sondern einen Hinweis auf die Probleme der Wildtierhaltung in Zoos. PETA fordert, Mutter und Jungtier in eine Auffangstation zu bringen.


Der Zoo von Taipeh verweist dagegen auf die intensive medizinische Betreuung und konzentriert sich nun auf das Wesentliche: das Leben des kleinen Da Bao zu retten.