„No-Show“-Gäste

20 haben reserviert, nur 4 kamen: Hüttenwirt macht seinem Ärger Luft

Lebensmittel werden auf den Berg gebracht, Personal eingeplant, Betten freigehalten. Doch viele Gäste erscheinen trotz Reservierung nicht. Ein Alpenwirt zieht jetzt Konsequenzen.

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Hüttenwirt Stephan Jobke wendet sich in seinem Video auf Facebook an die Gäste der Rieder Hütte.
Hüttenwirt Stephan Jobke wendet sich in seinem Video auf Facebook an die Gäste der Rieder Hütte.Stephan Jobke / Facebook

In einer Berghütte buchen und dann einfach nicht auftauchen – das wird für immer mehr Alpenwirte zum wirtschaftlichen Problem.  Stephan Jobke von der Rieder Hütte im oberösterreichischen Salzkammergut macht seinem Ärger über unzuverlässige Gäste nun öffentlich Luft . Und er zieht Konsequenzen.

In einem Facebook-Video schildert Hüttenwirt Stephan Jobke die immer schlimmer werdende Unsitte vieler Gäste. Gleich zu Beginn betont er: „Es ist Zeit für so ein Video. Das, was in den letzten Wochen passiert ist, bedarf einer Aussprache zwischen uns.“ Das Video ist mit dem Satz „So kann es nicht weitergehen“ überschrieben.

Von 20 reservierten Gästen kamen nur vier

Besonders ein aktueller Vorfall brachte das Fass offenbar zum Überlaufen. „Gestern hätten wir 20 Gäste gehabt, vier Gäste sind nur gekommen“, berichtet Jobke im Video. Die übrigen Reservierungen wurden entweder kurzfristig abgesagt oder die Gäste erschienen gar nicht erst.

Der Wirt der Rieder Hütte, die auf 1765 Metern Höhe im Höllengebirge nahe des Großen Höllkogels in Oberösterreich liegt, sieht dadurch die Planung seines Betriebs zunehmend gefährdet. „Ich kann so diesen Betrieb sehr schwer führen“, klagt er. Vor allem die Personalplanung werde dadurch erschwert. Mitarbeiter würden teilweise eigens für ihren Dienst auf die Hütte anreisen, obwohl am Ende deutlich weniger Gäste kämen als angekündigt.

Auch in einem Begleittext zu seinem Video findet Jobke deutliche Worte. Dort schreibt er: „Die Berge und auch alle Hütten sind keine Freizeitarena, die wir auf Knopfdruck oder Münzeinwurf einfach öffnen und schließen können.“

Alpenwirt erklärt im Video seinen Frust

Höhere Stornogebühren sollen Unsitte dämpfen

Um auf die Entwicklung zu reagieren, hat der Hüttenwirt seine Stornobedingungen verschärft. Wer fünf Tage vor dem gebuchten Termin absagt, muss künftig 35 Euro bezahlen. Bei einer Stornierung drei Tage vor dem Aufenthalt werden 45 Euro fällig. Gäste, die trotz Reservierung gar nicht erscheinen, sollen den vollen Halbpensionspreis von 48 Euro bezahlen.

Im Gespräch mit dem Münchner Merkur verteidigt Jobke die Höhe der Gebühren. „Das ist das, was die Leute gebucht haben. Ich gebe den Ausfall zu 100 Prozent weiter“, sagte er der Zeitung. Hinzu komme die besondere Logistik einer Berghütte. Lebensmittel müssten oft Tage vor dem Wochenende eingekauft und auf den Berg transportiert werden.

Dem Merkur erklärte Jobke dazu: „Das kann man nicht erst am Samstag kaufen. Wenn die Leute für das Wochenende gebucht haben und dann nicht kommen, haben wir die Lebensmittel umsonst hochgeschleppt.“
Für den Hüttenwirt geht es dabei aber nicht nur ums Geld. Gegenüber dem Münchner Merkur machte er deutlich, was ihn besonders ärgert: „Es geht einfach um Wertschätzung.“

Viele Alpenwirt ärgern sich über „No Shows“-Gäste

Mit seiner Kritik steht Jobke nicht allein. Viele Hüttenwirte in den Alpen beklagen seit einiger Zeit zunehmende Probleme mit sogenannten „No Shows“ – Gästen also, die Reservierungen tätigen, anschließend aber weder rechtzeitig absagen noch erscheinen. Für Betriebe mit begrenzten Schlafplätzen und aufwendiger Versorgung kann das erhebliche Folgen haben. Die Rieder Hütte zieht nun die Reißleine. Weitere Alpenwirte könnten nachziehen.

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