Mit seiner eigenen Metzgerei hat sich Rafael Kehl einen Traum erfüllt. Doch nach nur vier Jahren musste er den Laden dicht machen. Nicht, weil ihm die Kundschaft fehlte. Sondern weil der Metzger am Ende praktisch allein hinterm Tresen stand. Der 37-Jährige hatte einfach keine zuverlässigen Mitarbeiter gefunden – wie er erzählt.
Frust mit Mitarbeitern der Gen Z
Die Metzgerei in Volketswil im Schweizer Kanton Zürich hatte Rafael Kehl 2022 von seinem Vorgänger übernommen. Voller Idealismus und zudem mit dem Vorhaben, „Arbeitsstellen mit einem guten Arbeitsklima“ zu schaffen. Doch schon bald kämpfte er mit ständigen personellen Problemen. Ein Angestellter nach dem anderen sorgte für Ärger – und bei Kehl für immer mehr Frust. „Mir ist die Freude vergangen”, erklärt der 37-jährige Metzgerei-Inhaber gegenüber dem Schweizer Portal Nau.ch.
Einer seiner Mitarbeiter, ein 25-jähriger Metzger, sei „ziemlich frech“ gewesen, erzählt Kehl dem Portal. „Er wollte mir die Arbeitspläne vorschreiben und verlangte, dass ich das Team auch mal früher nach Hause schicke“, sagt Kehl zu Nau.ch. Schließlich hätte er „auch ein Privatleben“, so habe der junge Mann gesagt. Dass Kehl als Chef auch mal früher geht, um zum Beispiel Büroarbeit zu erledigen, hatte der 25-Jährige wohl nicht auf dem Schirm. Letztlich folgte die Kündigung.
Doch damit begann der Ärger erst. Der 33‑jährige Kollege des jungen Metzgers, eigentlich ein guter Mitarbeiter, „wurde negativ beeinflusst und kündigte später auch“. Ein 22‑jähriger Nachfolger meldete sich in der Probezeit „mehr krank, als dass er arbeitete“. Auch eine 37‑jährige Metzgerin musste gehen – sie hatte Fleisch entwendet und offene Schulden nie beglichen.
Auch ältere Mitarbeiter enttäuschten
Nach dem Frust mit der Gen Z, versuchte Kehl sein Glück mit älteren Angestellten. Doch auch das brachte keine Ruhe. Eine 53‑jährige Mitarbeiterin an der Fleischtheke kämpfte mit privaten Problemen und arbeitete „nicht mehr konzentriert“. Ein 43‑jähriger Metzger enttäuschte nach einem halben Jahr ebenfalls: „Die Arbeitsleistung verschlechterte sich massiv“, dazu kamen Kundenreklamationen. Wieder folgte eine Kündigung.
Am Ende stand Rafael Kehl allein da. „Ab Februar half meine Mutter freitags und samstags aus“, sagt er. Doch das reichte nicht. Im Januar zog er die Notbremse: „Ich war nahe an einem Burnout und entschied, im Mai aufzuhören.“
Wollen nur 80 Prozent arbeiten, aber 100 Prozent verdienen“


