Australien

Star-Robbe „Neil" sorgt für Aufregung in Tasmanien

Die berühmteste Robbe Tasmaniens sorgt mit einem Video für Empörung im Netz. Die Behörden verteidigen ihr Vorgehen.

Author - Tobias Esters
Teilen
So liegt Neil entspannt am Strand – bevor er zurück ins Meer geschwommen ist.
So liegt Neil entspannt am Strand – bevor er zurück ins Meer geschwommen ist.Department of Natural Resources and Environment Tasmania/Facebook

Er wiegt rund eine Tonne, liebt Verkehrshütchen zum Anknabbern und hat allein auf TikTok 1,5 Millionen Fans: Neil, die wohl berühmteste Robbe der Welt, sorgt in Tasmanien erneut für Schlagzeilen. Diesmal allerdings nicht wegen einer neuen Kuriosität, sondern wegen eines Videos, das für erhitzte Gemüter sorgt.

Darum sorgt das Video für Ärger

Wie „The Telegraph“ berichtet, zeigt ein Video, wie Mitarbeiter des tasmanischen Marine Conservation Program (MCP) den rund 1000 Kilogramm schweren See-Elefanten mit Holzstangen und Brettern von einer Straße weglotsen mussten, nachdem das Tier in den Verkehr geraten war.

Die Aufnahmen sorgten online für Kritik. Einige Menschen zweifelten an, ob die Behörden dabei richtig gehandelt hätten. Jason Howlett, der Neils Social-Media-Kanäle betreut, spricht gegenüber The Telegraph von einem regelrechten „Aufruhr“: Zahlreiche Menschen hätten sich beschwert. Er selbst hätte es anders gemacht: Er hätte lieber mit einem Verkehrshütchen versucht, Neil ohne Berührung wegzulocken, wie er dem Blatt sagte.

Das zuständige Department of Natural Resources and Environment weist die Kritik zurück. Man habe „sichere, genehmigte“ Methoden eingesetzt, die dem Tier nicht geschadet hätten, teilte eine Sprecherin in dem Bericht mit. Ein Verbleib des Tieres auf der Straße sei keine Option gewesen, da dies sowohl für Neil selbst als auch für Autofahrer und Fußgänger ein Sicherheitsrisiko darstelle.

Neil zieht mit seinen Ausflügen an Land regelmäßig Schaulustige an – für die Behörden wird das zunehmend zur Herausforderung.
Neil zieht mit seinen Ausflügen an Land regelmäßig Schaulustige an – für die Behörden wird das zunehmend zur Herausforderung.Department of Natural Resources and Environment Tasmania/Facebook

Der inzwischen fünf Jahre alte See-Elefant ist seit seiner Geburt 2020 auf der Tasman-Halbinsel zu einer der bekanntesten Tier-Berühmtheiten der Region geworden. Etwa zweimal im Jahr kehrt er in die Gegend zurück, um sich auszuruhen und zu häuten, bevor es wieder aufs offene Meer geht. Normalerweise leben See-Elefanten in Kolonien auf abgelegenen Inseln im Südpolarmeer – nur eine Handvoll Tiere sucht jedes Jahr die Küste Tasmaniens auf.

Sein verspieltes Verhalten hat ihm eine große Fangemeinde eingebracht: Er kaut an Verkehrshütchen, lehnt sich gegen parkende Autos und wirft schon mal Absperrungen um.

Neils Berühmtheit wird zum Problem

Mit dem Ruhm wachsen aber auch die Probleme: Laut RNZ News versammeln sich bei Neils aktuellem Besuch täglich Hunderte, teils sogar Tausende Schaulustige. Einige hätten sich nicht an die Anweisung gehalten, deutlichen Abstand zu halten. Es habe Berichte über Selfies aus nächster Nähe sowie Kinder und Hunde gegeben, die sich dem Tier näherten.

Neil ist mittlerweile sicher zurück im Meer geschwommen – die Behörden beobachten die Lage weiter.
Neil ist mittlerweile sicher zurück im Meer geschwommen – die Behörden beobachten die Lage weiter.Department of Natural Resources and Environment Tasmania/Facebook

Wie das Marine Conservation Program am Mittwochabend auf Facebook mitteilte, ist Neil inzwischen sicher zurück ins Meer geschwommen. Die Behörde betont, dass Neil jederzeit zurückkehren oder an einem anderen Ort erneut an Land gehen könne, die Lage werde daher weiter beobachtet.

Wer Neil sichtet, wird gebeten, die eigens eingerichtete Meeressäuger-Hotline zu kontaktieren. Zudem erinnert das MCP an die wichtigsten Verhaltensregeln: mindestens 20 Meter Abstand zu Neil halten, Hunde an mindestens 50 Meter Abstand und an der Leine führen, das Tier weder berühren noch füttern oder sich ihm nähern und ihm keinesfalls den Weg zurück ins Wasser versperren.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Haben Sie Ideen oder Informationen für die Redaktion? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com