Anklage versuchter Mord

Mann will sich scheiden lassen, Frau überschüttet ihn mit Ameisensäure

Die  27-Jährige soll ihren Mann mit der Säure übergossen haben, nachdem er die Scheidung wollte. Mit schlimmen Folgen. Er überlebte die Attacke, verlor aber sein Augenlicht. Nun steht die Frau vor Gericht - und bestreitet die Tat.

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Die 27-Jährige, die wegen versuchten Mordes angeklagt ist, kommt in den Gerichtssaal im Landgericht Braunschweig.
Die 27-Jährige, die wegen versuchten Mordes angeklagt ist, kommt in den Gerichtssaal im Landgericht Braunschweig.Julian Stratenschulte /dpa

Der Fall, der vor dem Landgericht Braunschweig verhandelt wird, ist schockierend. Die junge Frau, die wegen versuchen Mordes angeklagt ist, soll ihren Ehemann mit Ameisensäure übergossen haben, um ihn zu töten. Er hatte ihr wenige Tage zuvor gesagt, dass er sich scheiden lassen will. Nun ist er vollständig erblindet.

Sie wollte 400.000 Euro aus der Lebensversicherung

Das Paar, das zwei gemeinsame Kinder hat, war in der Trennungsphase. Die Ehe war für den Mann offenbar nicht mehr zu retten. Zwei Wochen vor dem Angriff hatte der 32-jährige  seiner Frau mitgeteilt, die Scheidung einreichen zu wollen. Laut Anklage fasste die Frau daraufhin den Entschluss, ihn zu töten. Auch aus finanziellen Gründen, wie der 27-Jährigen vorgeworfen wird.

Laut Staatsanwaltschaft entschloss sich die Frau, ihren Mann zu töten, um an 400.000 Euro aus einer Risikolebensversicherung zu kommen. Dazu soll sie den brutalen Plan geschmiedet haben. Die Ankläger werfen der 27-Jährigen aus dem Landkreis Wolfenbüttel unter anderem versuchten Mord vor.

Die Angeklagte verdeckt ihr Gesicht. Die 27-Jährige soll ihren Mann mit Ameisensäure überschüttet haben, weil er sich scheiden lassen wollte.
Die Angeklagte verdeckt ihr Gesicht. Die 27-Jährige soll ihren Mann mit Ameisensäure überschüttet haben, weil er sich scheiden lassen wollte.Julian Stratenschulte /dpa

Der Vater war im Haus, um seine Kinder zu besuchen

Nach Schilderung der Ermittler lockte die Frau ihren Mann am 7. November 2025 unter einem Vorwand in den Keller des gemeinsamen Wohnhauses in Schladen. Wie die Goslarsche Zeitung schreibt, war der Mann dort, um seine Kinder zu besuchen. Im Keller soll die 27-Jährige ihm von hinten die Ameisensäure über den Kopf und das Gesicht geschüttet haben. Der 32-Jährige erlitt sofort schwerste Verätzungen.

Er soll versucht haben, ins Badezimmer im Erdgeschoss zu flüchten, um die ätzende Flüssigkeit abzuwaschen. Daran soll ihn die Frau, die sich bei der Attacke auch selbst verätzt hatte, gehindert haben. Der Mann soll sie beiseite gestoßen haben, und aus dem Haus gerannt sein. Dort leistete ein Nachbar Erste Hilfe und alarmierte den Notruf.

Erblindet! Die Hornhäute beider Augen wurden verätzt

Durch den Säureangriff erlitt der Mann nach Angaben der Strafverfolger Verätzungen unter anderem an den Augen, am Hals und an den Armen. Durch die Säureeinwirkung seien die Hornhäute beider Augen zerstört worden, was zur vollständigen Erblindung geführt habe. Wegen der Schwere der Verletzungen und der erheblichen Schmerzen musste der Geschädigte für mehrere Tage ins künstliche Koma versetzt werden.

Die beiden Kinder, die zum Zeitpunkt der Tat zwei und drei Jahre alt waren, hielten sich während des Angriffs nicht am Tatort auf.

Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau vor, die möglichen Folgen gekannt zu haben, weil sie sich vorab dazu informiert habe. Doch die Angeklagte wehrte sich im Prozess gegen die Vorwürfe. Es habe einen Kampf um die Flasche mit der Säure gegeben, sagte die 27-Jährige vor Gericht. Nach einer Abwehrbewegung sei es dann passiert, so seien die schweren Verletzungen ihres Ex-Mannes zustande gekommen.

Den Vorwurf eines Mordversuchs aus Heimtücke und Habgier wies die Angeklagte, die seit dem Vorfall in Untersuchungshaft sitzt, zum Prozessauftakt zurück. „Ich bin immer gut hingekommen mit dem Geld“, sagte sie. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Für den Prozess in Braunschweig sind sieben Verhandlungstage bis zum 8. Mai geplant.