Major Oak

Nach über 1000 Jahren: Robin Hoods berühmte Eiche ist abgestorben

Im englischen Sherwood Forest galt die „Major Oak" als Versteck des sagenhaften Volkshelden. Nun hat die Eiche zum ersten Mal keine Blätter mehr getrieben.

Author - Tobias Esters
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Die berühmte „Major Oak" im Sherwood Forest, hier noch in vollem Grün: Stützen tragen seit Jahrzehnten ihre mächtigen Äste. Jetzt ist der Baum abgestorben.
Die berühmte „Major Oak" im Sherwood Forest, hier noch in vollem Grün: Stützen tragen seit Jahrzehnten ihre mächtigen Äste. Jetzt ist der Baum abgestorben.Rights Managed/IMAGO

Jahrhundertelang hat sie allem getrotzt, was Wetter und Geschichte ihr entgegenwarfen. Doch in diesem Frühjahr geschah, was es noch nie gab: An den knorrigen Ästen der berühmten „Major Oak" im englischen Sherwood Forest zeigte sich kein einziges Blatt. Unter genau diesem Baum soll sich der Legende nach einst Robin Hood vor seinen Verfolgern versteckt haben. Jetzt steht fest: Der uralte Riese ist abgestorben, und die Hitze hat dabei eine Rolle gespielt.

Das Versteck von Robin Hood

Ihren Ruhm verdankt die Eiche nicht nur ihrer Größe, sondern vor allem einer der berühmtesten Sagen Englands. Der Überlieferung nach soll sich Robin Hood, der gesetzlose Held, der von den Reichen nahm und den Armen gab, mit seinen Gefährten im hohlen Stamm des Baumes vor seinem Erzfeind versteckt haben, dem Sheriff von Nottingham.

Ein schönes Bild, das allerdings einen Haken hat: Die Höhlung im Stamm entstand erst durch Pilzbefall, zur mutmaßlichen Zeit Robin Hoods dürfte der Baum noch gar nicht hohl gewesen sein. Der Legende tat das nie einen Abbruch. Bis heute zieht die Major Oak jedes Jahr rund 350.000 Besucher aus aller Welt in den Sherwood Forest.

Schon seit einigen Jahren war der Eiche allerdings ihr Verfall anzusehen, trotz aller Mühen, sie am Leben zu halten. In diesem Frühjahr trieb sie dann zum ersten Mal nicht mehr aus. Für die Vogelschutzorganisation RSPB, die das Waldgebiet seit 2018 betreut, ist damit klar: Die Major Oak lebt nicht mehr.

Schon vor über hundert Jahren ein Besuchermagnet: Eine historische Postkarte zeigt einen Mann unter der mächtigen „Major Oak". Die damaligen Altersangaben gelten heute als übertrieben.
Schon vor über hundert Jahren ein Besuchermagnet: Eine historische Postkarte zeigt einen Mann unter der mächtigen „Major Oak". Die damaligen Altersangaben gelten heute als übertrieben.Nottingham City Council /Heritage Images/IMAGO

Mit ihren Maßen zählte sie zu den eindrucksvollsten Bäumen Großbritanniens. Der Stamm bringt es auf rund elf Meter Umfang, die Baumkrone reichte einst über 28 Meter weit. 2014 wurde sie zum „Baum des Jahres" gekürt, und sie war der allererste Baum, der überhaupt in das Verzeichnis uralter Bäume des Woodland Trust aufgenommen wurde. Wie alt sie genau war, lässt sich nur schätzen, Fachleute gehen von bis zu 1200 Jahren aus.

Warum die Eiche wirklich starb

Den einen Grund für das Ende gibt es nicht, es war ein Zusammenspiel vieler Faktoren. Ausgerechnet die gut gemeinten Rettungsversuche der vergangenen mehr als hundert Jahre trugen zum Niedergang bei. Metallstützen, Beton und Abdeckungen sollten die markante Form des Baumes bewahren, hinderten ihn aber daran, auf natürliche Weise zu altern. Dazu verdichteten Millionen Besucher über die Jahre den sandigen Boden rund um die Wurzeln so stark, dass Wasser, Nährstoffe und Sauerstoff kaum noch hindurchdrangen.

Untersuchungen mit führenden Bodenkundlern brachten ans Licht, wie schlecht es um den Baum stand. Der Boden war steinhart und nahezu leblos, das Wurzelsystem viel kleiner und schwächer als gedacht. Verschärft wurde all das durch den Klimawandel mit seinen jüngsten Hitzewellen und Dürresommern.

Auch tot bleibt die Eiche wertvoll

Aus dem Weg geräumt wird die tote Eiche nicht. Sie soll noch viele Jahre als Wahrzeichen mitten im Wald stehen bleiben. „Die Major Oak wird weiterhin im Herzen von Sherwood stehen, als natürliches Denkmal, das Besucher besichtigen können", sagt Hollie Drake von der RSPB. Der Baum lebe in der Legende von Robin Hood weiter und gebe dem Ökosystem des Waldes im Tod ebenso viel wie zu Lebzeiten.

Tatsächlich ist mit dem Absterben nicht alles vorbei. Das langsam zerfallende Holz wird künftig Insekten, Pilzen und Vögeln ein Zuhause bieten, einer der Gründe, warum der Sherwood Forest gesetzlich geschützt ist. Und die Eiche selbst hat längst für Nachwuchs gesorgt. Aus ihren Eicheln und Stecklingen sind junge Bäume herangewachsen, die rund um die Welt gepflanzt wurden. Ihre Nachkommen sollen eines Tages eigene Eicheln tragen, und vielleicht eigene Legenden.

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