Schluss mit grinsenden Politiker-Gesichtern an jeder Laterne! In der 500-Seelen-Gemeinde Völschow in Mecklenburg-Vorpommern hat der Gemeinderat die Nase voll vom Wahlplakat-Wildwuchs und zieht jetzt konsequent die Reißleine.
Wahlkampf ohne Plakat-Chaos
In Mecklenburg-Vorpommern wird in diesem Jahr gewählt. Doch im kleinen Dorf Völschow läuft der Wahlkampf anders als anderswo. Großplakate sind dort künftig verboten. Auch Plakate an Straßenlaternen sind nicht mehr erlaubt. Wahlwerbung wird stattdessen an einem einzigen, zentralen Ort gebündelt.
Der Beschluss fiel einstimmig. Und Bürgermeister Thomas Breitsprecher (52, parteilos) macht im Gespräch mit dem Berliner KURIER klar, warum. „Uns geht es nicht um Parteipolitik, sondern um Ordnung im Ort“, sagt er. So wie es bisher gelaufen sei, sei das für die Gemeinde ein ständiges Ärgernis gewesen, ergänzt der Bürgermeister.

Der Wahlkampf hinterließ regelmäßig Spuren. Plakate wurden an Laternen, Verkehrszeichen und Masten befestigt. Am Ende sei die Gemeinde immer wieder die Leidtragende gewesen, berichtet Breitsprecher.
Nach der Wahl verschwanden die Plakate oft nicht. „Aufgestellt sind die Plakate immer schnell, aber beim Abbauen passiert dann oft wochenlang nichts“, sagt der Bürgermeister. Monatelang hätten Plakate noch gehangen, bis schließlich die Gemeindearbeiter einspringen mussten. „Das kann es einfach nicht sein.“
Klare Kante gegen Großplakate
Deshalb hat sich der Gemeinderat zu einem klaren Schnitt entschlossen – inklusive der großen Wahlplakate. „Die großen Plakate haben wir bewusst mit einbezogen“, erklärt Breitsprecher. Sie stünden häufig an sensiblen Stellen wie Einfahrten oder Wendebereichen. „Das bringt zusätzliche Probleme, die wir hier nicht brauchen.“
Ganz ohne Wahlwerbung soll es aber auch künftig nicht gehen. Die Lösung ist ein zentraler Platz im Ort, direkt neben der freiwilligen Feuerwehr. Dort sollen mobile Bauzaun-Elemente aufgestellt werden, an denen Parteien kleinere Plakate anbringen dürfen.
Breitsprecher fasst das Prinzip so zusammen: gut sichtbar, fair verteilt und nach der Wahl schnell wieder abgebaut. Erstmals greift die neue Regelung bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern. Die ist am 20. September.


