Kann man Ostsee-Wal Timmy retten? Muss man den Buckelwal retten, damit er nicht länger vor aller Augen stirbt? Seit 19 Tagen liegt Timmy vor der Insel Poel in der Wismarer Bucht. Eine private Initiative will das Tier befreien und lebend in die Nordsee schleppen. Ein letzter Versuch, bevor man Timmy weiter beim Sterben zusehen muss. Doch die Umweltschutzorganisation Greenpeace dämpft die Hoffnung.
So stehen Timmys Überlebenschancen
„Die Chancen, dass er in der Nordsee landet und dort frei schwimmt, sind gering“, sagt ein Sprecher der Umweltschutzorganisation. Hatte Greenpeace sich zunächst für Buckelwal Timmy eingesetzt, halten sich die Experten heute von Rettungsaktionen fern.
Der Wal sei so geschwächt, dass er vermutlich in der Nordsee ertrinken werde, schätzt der Sprecher. Selbst wenn die Rettung gelingt, seien die Überlebenschancen „gering“. Das gelte erst recht für die Chancen des Wals im Atlantik, falls er dorthin gelangen sollte. Doch dann würde Timmy zumindest in Freiheit sterben, statt qualvoll auf einer Sandbank im Schlick.

Timmy hat Wasser in der Lunge
Der Wal hungert, weil er keine Nahrung aufnehmen kann. Sein Ernährungszustand sei „entsprechend schlecht“, so der Greenpeace-Sprecher weiter. Dazu kommen Netzreste im Maul. „Wir wissen nicht was mit dem Netz ist, möglicherweise ist es in die Haut eingewachsen, oder er hat Teile verschluckt – das wissen wir nicht.“
Als wäre das nicht genug, vermuten Wissenschaftler Wasser in der Lunge. Die Atmung sei eingeschränkt, der Sauerstoffaustausch gestört. Hautkrankheiten schwächen das Tier zusätzlich. „Dieser Wal ist so schwach, dass er sich entschieden hat, dort liegenzubleiben“, sagt der Sprecher.

Trotzdem will die Initiative um Mediamarkt-Gründer Walter Gunz und die millionenschwere Unternehmerin Karin Walter-Mommert den Wal aus dem Schlick ziehen und in die Freiheit schleppen. Ein riskantes Unterfangen. „Ich weiß nicht, ob dieser Schleppverband den weiten Weg in die Nordsee übersteht. Das ist nicht ohne“, warnt Greenpeace. Die Organisation selbst beteiligt sich nicht: Der Wal sei krank, geschwächt, kaum transportfähig.
Bislang hatten Experten geraten, das Tier in Ruhe sterben zu lassen, würdevoll, ohne weiteres menschliches Eingreifen. Doch Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) gab am Mittwoch überraschend grünes Licht für den Rettungsversuch. Die Verantwortung liege laut Backhaus „komplett bei den Initiatoren“, auch finanziell.
Timmy soll auf einer Plane zwischen zwei Pontons in Richtung Nordsee transportiert werden. Doch Fachleute halten Timmy für orientierungslos und so schwach und geschädigt, dass er die Heimreise wohl nicht schaffen werde.


