Große Not im Wald

Jäger retten Brandenburgs Wildtiere vor dem Hungertod

Frost, Eis und Futtermangel: In einigen Gebieten Brandenburgs herrscht Notzeit für Wildtiere. Nun müssen Jäger Rehe und Hirsche vor dem Verhungern retten.

Author - Jana Hollstein
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Kai Hamann, Geschäftsführer des Landesjagdverbandes Brandenburg (LJVB).
Kai Hamann, Geschäftsführer des Landesjagdverbandes Brandenburg (LJVB).Jens Kalaene

In den Brandenburger Wäldern geht es in diesem Winter ums nackte Überleben. Wegen Eis und Dauerfrost wurde in Teilen des Landes offiziell die Notzeit für Wildtiere ausgerufen. In den Landkreisen Barnim und Oder-Spree rücken sogar Jäger mit Futter aus, damit Rehe und Hirsche nicht verhungern.

„Es war allerhöchste Zeit“, sagt Landesjagdverband-Geschäftsführer Kai Hamann. Etwa zehn Tage soll die Ausnahmeregel gelten – und es könnten noch weitere Kreise folgen. So eine Lage gab es zuletzt vor vielen Jahren. Die Tiere kommen schlicht nicht mehr an Nahrung: Böden sind steinhart gefroren, Wiesen von dicken Eisschichten versiegelt. Wer trotzdem nach Futter scharrt, verletzt sich schnell. Deshalb greift das Bundesjagdgesetz – Wild darf nicht unter Futternot leiden.

In Barnim und Oder-Spree müssen Jäger Wild füttern

Normalerweise ist den Jägern das Füttern übrigens verboten. Jetzt aber gilt Ausnahmezustand im Wald – innerhalb gewisser Grenzen. „Man kann nicht einfach in den Wald gehen und Heu abkippen“, sagt Hamann, der als Jäger im Barnim gerade selber Futter verteilt. Die Futterplätze liegen bewusst abseits von Wegen und Häusern, wo die Wildtiere normalerweise Nahrung finden, damit sie Ruhe haben. Außerdem darf nur so viel ausgelegt werden, wie unbedingt nötig.

Der Winter in Brandenburg trifft Wildtiere besonders.
Der Winter in Brandenburg trifft Wildtiere besonders.Patrick Pleul

Auf dem Winter-Speiseplan für Brandenburgs Rehe und Hirsche Heu und Grassilage sowie Futterrüben und Mohrrüben, Wildschweine sollten nur Mais, Getreide und Baumfrüchte bekommen. Tabu sind Stroh, aber auch Brot und Küchenabfälle. Hamann mahnt außerdem: die neue Regelung gilt nur für Jäger. Privatleute sollten nicht einfach loslaufen und Heu verteilen.

Jäger bringen Heu aus - an Plätzen, an denen Wild sonst auch aktiv ist.
Jäger bringen Heu aus - an Plätzen, an denen Wild sonst auch aktiv ist.Kai Hamann/Landesjagdverband Brandenburg/Landkreis Barnim/dpa

Im Winterwald in Brandenburg gelten auch für Fußgänger Regeln

Rund um die Futterstellen gilt Schießverbot im Umkreis von 200 Metern. Im Barnim wurde die Jagd während der Notzeit sogar komplett untersagt. Die Tiere sollen jetzt vor allem eines: Kräfte sparen.

Für Spaziergänger und Waldbesucher gelten Empfehlungen, um das Wild zu schützen. Spaziergänger im Wald sollen auf Wegen bleiben und ihre Hunde an der Leine lassen. Ruhiges Verhalten ist wichtig. „Der Stoffwechsel der Wildtiere ist im Winter stark reduziert, um Energie zu sparen“, erklärte der Jagdverband. Jede unnötige Beunruhigung führe zu zusätzlichem Energieverlust und erhöhe das Risiko von Verletzungen durch Flucht über vereiste Flächen. Kurz gesagt: Brandenburgs Wälder sind für die Tiere derzeit kein Winter-Idyll, sondern eine Überlebenszone. (mit dpa)

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