Seine Opfer waren jung und besonders verletzlich. Er, kaum älter, soll seine Opfer in Chats und Internet-Foren emotional abhängig gemacht und sie zu extremen Selbstverletzungen bis hin zum Suizid gedrängt haben. Ein 13-Jähriger starb. Nun steht der mutmaßliche Täter Shahriar J. (21) vor dem Landgericht Hamburg.
„White Tiger“ nannte sich der 21-jährige Deutsch-Iraner in Internet-Foren, wo er Kinder und Jugendliche manipulierte, sie zu Selbstverstümmelungen und sogar bis zum Selbstmord trieb. Mehr als 200 Straftaten wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor. Darunter auch fünf versuchte Morde – beim Fall eines Jungen aus den USA endete das sadistische Machtspiel sogar mit dem Tod.
Angeklagter soll 30 Kinder und Jugendliche gequält haben
Zwischen Januar 2021 und September 2023 soll Shahriar J. mehr als 30 Kinder und Jugendliche aus Deutschland, den USA, Kanada, England und Finnland manipuliert haben. Eine junge Finnin - die ebenfalls von ihm missbraucht worden sein soll - wurde als Nebenklägerin zugelassen. Insgesamt sind für die Verhandlung bis Dezember 82 Verhandlungstermine anberaumt.
Die Kontaktaufnahme zu seinen Opfern soll der Angeklagte in Onlineforen und Chats begonnen haben, unter anderem in Suizid-Foren, sozialen Netzwerken oder Online-Games. Dort habe Shahriar J. sich das Vertrauen von jungen, oft psychisch labilen Nutzern erschlichen, um sie dann zu missbrauchen, wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor.
Er soll seine Opfer zu pornografischen Bildern und Videos gedrängt und sie dann mit den Aufnahmen erpresst haben. Vor laufender Kamera soll er sie zu Selbstverletzungen gezwungen haben – bis hin zum Selbstmord. Auch habe er seine Opfer teilweise als Werkzeug zur Misshandlung anderer Kinder und Jugendlichen eingesetzt.
Einen 13-jährigen Jungen aus den USA soll er in den Suizid getrieben haben. Eine 14-jährige Kanadierin hat laut Anklage versucht, sich umzubringen. Da Shahriar J. damals selbst noch Jugendlicher oder Heranwachsender war, findet die Verhandlung vor einer Jugendkammer der Großen Strafkammer unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

„White Tiger“ soll Sadisten-Netzwerk aufgebaut haben
Die Anklage wirft „White Tiger“ aber nicht nur die direkte Quälerei von Kindern und Jugendlichen vor, sondern auch den Aufbau und die Leitung eines internationalen, pädokriminellen Netzwerks mit dem Namen „764“. Deren Mitglieder drängten ebenfalls Kinder systematisch zu Selbstverletzungen und sexuellen Handlungen.
Die Verteidigerin des 21-Jährigen wies die Vorwürfe vor Beginn der Verhandlung als haltlos und konstruiert zurück. Die Anklage, die beim Mordvorwurf von einer doppelten mittelbaren Täterschaft ausgeht, nannte sie „experimentell“. „Dieses Konstrukt dieser sogenannten mittelbaren Täterschaft ist, wie schon das Wort sagt, eine Konstruktion, die hier sachlich fehlerhaft ist und auch nicht beweisbar wäre“, sagte Verteidigerin Christiane Yüksel.




