Attacke bei Grillabend

Familien-Hund opfert sein Leben bei Wolfs-Angriff auf zweijähriges Kind. War alles ganz anders?

In Italien soll ein Wolf im Garten einer Familie einem Kleinkind zu nahe gekommen sein. Der Familienhund soll sein Leben im Kampf um das Zweijährige gegeben haben. Der Bürgermeister dementiert die Geschichte.

Teilen
Der Wolf war in den Garten der Familie gekommen, doch diese war da gerade im Haus, wie es nun von Ermittlern heißt. Die Hündin hat der Wolf aber tatsächlich getötet. (Symbolbild)
Der Wolf war in den Garten der Familie gekommen, doch diese war da gerade im Haus, wie es nun von Ermittlern heißt. Die Hündin hat der Wolf aber tatsächlich getötet. (Symbolbild)Philipp Schulze

Der Fall sorgte europaweit für Schlagzeilen: Im Garten einer Familie in Italien soll deren Hund sein Leben geopfert haben, um ein zweijähriges Kind vor einem Wolf zu retten. Doch nun scheint alles ganz anders gewesen zu sein.

Orbicciano, ein kleiner Ortsteil der Gemeinde Camaiore in der Toskana in Italien: Nach der ursprünglichen Darstellung der Familie spielte ein zweijähriges Kind während eines Grillabends im Garten, als plötzlich ein Wolf auftauchte. Die siebenjährige Mischlingshündin Destiny habe sich schützend zwischen das Raubtier und das Kind gestellt und sei dabei tödlich verletzt worden.

Doch nun widersprechen die Behörden dieser Version deutlich.

Bürgermeister: „Kein Angriff auf einen Menschen“

Camaiores Bürgermeister Marcello Pierucci erklärte im italienischen Fernsehen, dass die bisherigen Ermittlungen von Stadtpolizei und Forstbehörden zu einem anderen Ergebnis gekommen seien. Demnach habe sich das Kind zum Zeitpunkt des Vorfalls nicht in Gefahr befunden. Auch die Eltern seien nicht draußen gewesen. „Es gab keinen Angriff auf einen Menschen“, sagte Pierucci.

„Die Familie hatte im Garten den Grill an, befand sich aber drinnen. Der Hund hielt sich alleine im Garten auf, als der Wolf vom Waldrand kam“, erklärte Marcello Pierucci. Nach Angaben des Bürgermeisters hatte der Wolf die Hündin attackiert und verschleppt. Die Überreste von Destiny wurden am folgenden Tag im Wald entdeckt.

Familie hält an ihrer Version fest

Noch zu Beginn der Woche hatten die Hundehalter ihre Darstellung öffentlich verteidigt. Gegenüber italienischen Medien schilderten sie, dass das Kind im Hof gespielt habe und Destiny dem Wolf entgegengesprungen sei, um das Zweijährige zu schützen.  Der Vater Tommaso (39) erklärte, es sei ihm gelungen, den Wolf zu vertreiben. Er habe die Hündin losgelassen, doch da sei sie bereits tot gewesen. Dann hätte der Wolf den Kadaver in den Wald gezerrt.

Die emotionale Geschichte von der „Helden-Hündin“ verbreitete sich weit über Italien hinaus. Auch der KURIER hat darüber berichtet. Die ursprüngliche Meldung stammt vom italienischen Verband für Umweltschutz und ländliches Leben. Sie wurde zunächst von verschiedenen  italienischen Medien aufgenommen. Der Verband äußert sich seit längerem kritisch zur Ausbreitung von Wölfen in der Region und fordert strengere Maßnahmen.

Wolf griff Hündin Destiny an, Kind war nicht in Gefahr

Unabhängig von den widersprüchlichen Darstellungen steht fest, dass Destiny bei dem Vorfall ums Leben kam. Ebenfalls unstrittig ist, dass sich der Angriff in der Nähe eines Waldgebiets ereignete, in dem Wölfe heimisch sind. Ob der Wolf tatsächlich Kontakt zu dem Kind hatte oder jemals eine Gefahr für die Familie bestand, wird von den Behörden jedoch ausdrücklich verneint.