Holt Ihr Hund auch so gern das Stöckchen, wenn Sie mit ihm im Park unterwegs sind? Für viele Herrchen und Frauchen und ihre Lieblinge ist es ein harmloses Spiel. Ein aktueller Fall aus Belfast in Irland zeigt nun aber: Das Holen von Stöckchen kann die Vierbeiner auch in tödliche Gefahr bringen. Ein gerade 13 Monate alter Welpe wollte in einem Park den Stock holen – und dabei passierte ein furchtbarer Unfall: Der kleine Sidney rammte sich das vermeintlich harmlose Stöckchen durch den ganzen Körper!
Beim Stöckchenholen: Süßer Hund spießt sich auf
Frauchen Elaine Fulton zeigte sich im Interview mit einem irischen Nachrichtenportal fassungslos. In vielen Parks würden Hunde jeden Tag Stöckchen holen – aber das, was ihrem Sidney passierte, höre man nur selten. „Als ich ihn plötzlich jaulen hörte, wusste ich aber, dass etwas nicht stimmte“, sagt sie. „Er war zu weit weg, als dass ich hätte sehen können, was passiert war, aber das Geräusch war wirklich beunruhigend. Dann kam er zu mir zurückgelaufen und stellte sich sichtbar in Not neben mich.“
Sidney wollte eigentlich nur das Stöckchen holen – und dabei war es zum Unfall gekommen. Der Hund hatte sich den Stock ins Maul gerammt, sich damit ein Loch im Bereich unter der Zunge gerissen – und sich das 20 Zentimeter lange Stöckchen durch das Loch in seinen Körper gebohrt! Davon ahnte Frauchen Elaine Fulton zunächst nichts. „Ich habe versucht, sein Maul zu öffnen, weil ich sofort dachte, dass etwas mit dem Stock passiert sein muss“, sagt sie. „Aber er ließ mich nicht hineinschauen.“

Sofort nahm sie ihren geliebten Sidney auf den Arm, rannte zum Auto und düste in eine Tierklinik. „Die Fahrt quer durch die Stadt dauert etwa 20 Minuten, und ich hatte solche Angst um Sidney, dass ich die ganze Zeit völlig aufgewühlt war“, sagt sie. „Sidney war dem Tod so, so nahe, und allein der Gedanke daran ist traumatisch.“ Die Tierärztin vor Ort untersuchte den Welpen – und schaffte es, den Stock komplett aus seinem Körper zu ziehen. Sie rettete damit Sidney das Leben – und ließ nicht einmal Splitter zurück.
Darum sind Unfälle mit Stöckchen der Horror
Auch für sie war es eine Herausforderung, da Sidney nicht einmal unter starken Schmerzmitteln zuließ, dass jemand in seinem Maul herumtastete. Er musste komplett sediert werden. „Das Problem bei Stockverletzungen ist, dass sie auf einem Röntgenbild kaum sichtbar sind – anders als Steine oder Metallobjekte“, sagt Tierärztin Sasha Burns Fraser. „Als wir schließlich in Sidneys Maul schauen konnten, war zunächst nichts zu sehen. Nach etwa fünf Minuten entdeckte ich eine winzige Wunde unter seiner Zunge auf der rechten Seite, dort, wo die Zunge mit dem Mund verbunden ist.“

Sie steckte den kleinen Finger in das Loch und ertastete den Stock. „Also begann ich, ganz vorsichtig zu ziehen.“ Einfach unfassbar: Obwohl sie erst glaubte, der Stock sei sehr kurz, wurde er beim Herausziehen länger und länger! „Weder ich noch die Pflegekräfte konnten glauben, wie lang der Gegenstand war, den wir aus dem Hals eines so kleinen Hundewelpen herauszogen.“
Das Stöckchen kam am Ende auf 20 Zentimeter. Auch die erfahrene Tierärztin kann das kaum glauben. „Ich habe noch nie einen so langen Stock in einem Hund dieser Größe gesehen.“
Sidney wäre beim Stöckchenholen fast gestorben
Für Sidney hätte das Spiel mit dem Stöckchen auch richtig böse enden können. „In diesem Bereich verlaufen viele wichtige Blutgefäße, und es ist wirklich erstaunlich, dass der Stock weder die Speiseröhre noch die Luftröhre verletzt hat“, sagt Sasha Burns Fraser. „Wäre das passiert, hätten wir wahrscheinlich ein ganz anderes Ergebnis gehabt. Stattdessen konnten wir die Wunde reinigen und verschließen.“ Inzwischen hat sich der süße Welpe komplett von dem Schreck erholt.

Hundehalter sollen auf keinen Fall Stöckchen werfen
Die Tierärzte rufen in dem Zusammenhang Hundebesitzer dazu auf, auf das Werfen von Stöcken zu verzichten. Herrchen und Frauchen sollten beim Spielen lieber auf spezielles Hundespielzeug setzen, mit dem solche Verletzungen nicht passieren können. „Wir sehen in unserer Klinik viele Verletzungen durch Stöcke. Elaine hat genau richtig gehandelt, indem sie sofort tierärztliche Hilfe gesucht hat“, sagt Sasha Burns Fraser. „In solchen Fällen kann jede Minute entscheidend sein.“


