Der Streit um die neue Einlassregel im Heidebad in Halle an der Saale spitzt sich zu. Nachdem Badbetreiber Mathias Nobel angekündigt hatte, Besucher nur dann ins Strandbad zu lassen, wenn sie die Baderegeln ausreichend verstehen, meldet sich nun die Stadtverwaltung zu Wort. Sie fordert den Pächter auf, die pauschal wirkende Zugangskontrolle wieder zurückzunehmen.
Badbetreiber muss Kleinkind aus tiefem Wasser retten
Hintergrund ist ein Vorfall am Heidesee, bei dem Nobel nach eigener Darstellung ein Kleinkind aus einem tiefen Bereich des Wassers retten musste. Das Heidebad liegt an einem See, der stellenweise rund 13 Meter tief ist. Der Betreiber hatte seine Entscheidung mit Sicherheitsbedenken begründet.
Besucher müssen die Regeln verstehen
Nach Angaben Nobels hatten Badegäste in der Vergangenheit Durchsagen und Anweisungen von Rettungskräften nicht verstanden oder nicht befolgt. Deshalb wolle das Bad am Eingang genauer prüfen, ob Besucher die Regeln am und im Wasser nachvollziehen können.

Nobel hatte bereits zuvor erklärt: „Wir müssen uns sicher sein, dass die Besucherinnen und Besucher unsere Baderegeln verstehen und so konsequent sein, um die Sicherheit der Badegäste gewährleisten zu können“, sagte er der dpa. Zugleich betonte er, es werde im Einzelfall entschieden, wenn am Eingang Verständigungsprobleme auffielen.
Stadt Halle fordert Rücknahme der Regel
Die Stadt Halle sieht die Regelung jedoch kritisch. Stadtsprecher Drago Bock erklärte der „Bild“: „Die Pächterin hat zu berücksichtigen, dass ein Zugang zum Bad für die Allgemeinheit gewährleistet sein muss. Die Ausgestaltung des Hausrechts darf diesen öffentlichen Charakter nicht durch pauschale Einlassverbote für ganze Bevölkerungsgruppen aushebeln.“
Ein Vorgehen, das in der Öffentlichkeit als ausländerfeindlich wahrgenommen werden kann, würde das Ansehen der Stadt beschädigen und verstieße gegen die vertragliche Wohlverhaltenspflicht.
Weiter teilte die Stadt mit: „Ein Vorgehen, das in der Öffentlichkeit als ausländerfeindlich wahrgenommen werden kann, würde das Ansehen der Stadt beschädigen und verstieße gegen die vertragliche Wohlverhaltenspflicht“, so die Stadt Halle gegenüber „Bild“.
Stadt fordert andere Maßnahmen
Nobel weist den Vorwurf zurück, seine Regelung richte sich gegen Ausländer. Ihm gehe es darum, dass Badegäste die Sicherheitsregeln kennen und Anweisungen verstehen. Der See sei kein klassisches Freibadbecken, sondern ein geflutetes Tagebau-Restloch mit großer Tiefe und steilen Uferbereichen. Zuvor hatte Nobel erklärt: „Unser See ist zum Teil 13 Meter tief. Das ist einfach gefährlich.“
Die Stadt fordert nun mildere Mittel. Gegenüber „Bild“ erklärte die Verwaltung: „Nach dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit müssen zunächst mildere Maßnahmen ergriffen werden. Insofern hat die Stadt den Geschäftsführer der Heidebad GmbH um die sofortige Rücknahme der pauschalen ‚Einlassbarriere‘ gebeten.“
Zuspruch kommt von Rettungsschwimmern
Der Fall hat längst eine bundesweite Debatte ausgelöst. In sozialen Netzwerken, Bewertungsportalen und per E-Mail wird Nobel nach eigenen Angaben massiv kritisiert. Ihm werde Rassismus unterstellt, das Bad werde als „Nazibad“ beschimpft. Gleichzeitig berichtet der Betreiber auch von Unterstützung.
„Viel Zuspruch habe ich unter anderem von Rettungsschwimmern aus dem ganzen Land erfahren“, sagte Nobel der „Bild“. „Mich hat natürlich viel Kritik erreicht, aber es haben sich auch einige gemeldet, die mir gesagt haben, dass sie es richtig finden, was ich mache.“
Andere Städte setzen auf andere Lösungen
Ausgangspunkt der Regel war ein Rettungseinsatz. Ein Kleinkind habe ohne Schwimmhilfe in einem zu tiefen Bereich des Sees geplanscht. Die Eltern hätten ihn nicht verstanden, so der Badbetreiber. „Ich trage im Bad die Verantwortung. Wenn etwas passiert, zeigen alle auf mich. Tot ist tot“, sagte Nobel gegenüber „Bild“.
Unsere Arbeit wird deutlich erschwert, wenn der Badegast nicht versteht – oder verstehen will.
Andere Städte setzen in vergleichbaren Situationen auf andere Lösungen. In Jena etwa sollen Sprache, Herkunft oder Nationalität beim Zutritt zu Bädern keine Rolle spielen. „Die Jenaer Bäder stehen grundsätzlich allen Gästen offen“, erklärte eine Sprecherin der Stadtwerke Jena. Ein Zutrittsverbot oder Verweis erfolge dort ausschließlich bei Verstößen gegen die Haus- und Badeordnung; Herkunft, Nationalität oder Sprache spielten dabei keine Rolle.
Stadt Halle bietet Heidebad Unterstützung an
Auch die DLRG sieht Kommunikation im Badebetrieb als wichtigen Sicherheitsfaktor, bewertet aber nicht selbst, wer in ein Bad eingelassen wird. Holger Friedrich, Geschäftsführer der DLRG in Sachsen-Anhalt, sagte: „Unsere Arbeit wird deutlich erschwert, wenn der Badegast nicht versteht – oder verstehen will.“ Zugleich geht es nach Darstellung der DLRG häufig nicht allein um Sprache, sondern auch um die Bereitschaft, Regeln einzuhalten.
Die Stadt Halle will dem Heidebad nun Unterstützung anbieten. Nach Angaben von Stadtsprecher Bock gegenüber „Bild“ geht es unter anderem um die „Bereitstellung von standardisierten Baderegeln und Sicherheitshinweisen in den relevanten Fremdsprachen“. Außerdem wolle die Stadt bei „eindeutigen Piktogrammen und QR-Codes auf den Liegewiesen und im Eingangsbereich“ helfen, um Sicherheitsregeln verständlich und barrierearm zu vermitteln.
Betreiber will Schreiben der Stadt Halle prüfen
Nobel will das Schreiben der Stadt nun prüfen. Auf die Aufforderung aus dem Rathaus reagierte er gegenüber „Bild“ mit der Frage: „Was soll ich zurücknehmen? Dass die Leute die Baderegeln verstehen?“




