Meter für Meter holt sich die Ostsee zurück, was Generationen von Urlaubern lieb gewonnen haben. Auf dem beliebten DDR-Campingplatz „Am Dünengelände" in Zempin auf Usedom bricht die Düne jedes Jahr drei bis vier Meter ab, und mit ihr droht ein ganzes Stück Camping-Geschichte zu verschwinden. In wenigen Jahren könnten 70 Prozent der Stellplätze nicht mehr erreichbar sein.
Fast 2000 Unterschriften zeigen Wirkung
Doch jetzt keimt Hoffnung, wie der Nordkurier berichtet. Geschäftsführer Björn Hemmerling rief im vergangenen Jahr eine Petition ins Leben, gerichtet an die Gemeinde Zempin, das Land und Bundesbehörden. Wie ernst es ihm ist, machte er gegenüber der Zeitung deutlich: „Was hier auf dem Spiel steht, ist mehr als nur Infrastruktur. Es ist Gemeinschaft, Erinnerung, Zukunft." Und: „Küstenschutz ist kein Wunsch – er ist überlebenswichtig."
Sein Ziel ist ein langfristiges Konzept, das die Küste dauerhaft vor Sturmfluten schützt, mit „innovativen und nachhaltigen Schutzlösungen, zum Beispiel Sandvorspülungen, Dünenverstärkungen oder mobile Schutzsysteme". Knapp 2000 Menschen unterschrieben. Genug, damit sich etwas bewegte: Eine Abordnung aus Schwerin reiste an, darunter hochrangige Ministeriumsmitarbeiter, Forstleute, der Bürgermeister von Zempin und das Amt Usedom Süd, um sich die Lage am Strand selbst anzusehen.
Dass der Sand verschwindet, ist kein Einzelfall, sondern Teil eines größeren Problems. Große Teile der Usedomer Außenküste sind vom Küstenabtrag betroffen, wie das Portal Usedom exclusiv erläutert. Der Klimawandel verschärft die Lage zusätzlich: Nach Angaben des Umweltbundesamtes führen vor allem Jahre schweren Sturmfluten zu umfangreichen Abbrüchen, langfristig kommt der steigende Meeresspiegel hinzu.

Die von Hemmerling geforderte Sandvorspülung ist dabei keine exotische Idee, sondern seit Jahrzehnten gängige Praxis. Laut Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern werden auf Usedom regelmäßig Strände und Dünen aufgespült, unter anderem vor Zempin, Koserow und Kölpinsee. Billig ist das nicht, und wiederholt werden muss es immer wieder. Wie teuer Küstenschutz sein kann, zeigt ein Beispiel von der Festlandküste: Für eine einzige Aufspülung vor Ahrenshoop investierte das Land laut Ministerium über fünf Millionen Euro.
Schon im Winter könnte der Sand kommen
Für den Campingplatz zeichnet sich nun ein erster konkreter Schritt ab: Die Aufschüttung von Sand am Strand. „Es war ein sehr positives Gespräch", sagt Hemmerling über das Treffen. Alle Beteiligten hätten den Ernst der Lage erkannt. Jetzt liegt es an der Gemeinde, schnell die nötigen Anträge zu stellen. „Wenn jetzt alle Anträge durch die Gemeinde schnell gestellt werden, könnte schon im Winter der dringend benötigte Sand aufgeschüttet werden", sagte Hemmerling dem Nordkurier.


