Verheerende Brände

Feuerhölle in Südeuropa! 160.000 Menschen auf der Flucht

In Frankreich und Spanien wüten die schlimmsten Waldbrände seit Jahren, ganze Urlaubsorte werden geräumt. Tausende Soldaten und Feuerwehrleute kämpfen im Dauereinsatz gegen die Flammen.

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Urlauber sitzen am Strand von Moutchic in Lacanau im Südwesten Frankreichs, während Rauchwolken von einem Waldbrand in den Himmel aufsteigen.
Urlauber sitzen am Strand von Moutchic in Lacanau im Südwesten Frankreichs, während Rauchwolken von einem Waldbrand in den Himmel aufsteigen.Maximilien Lamy/AFP/dpa

Rauchsäulen, die kilometerweit in den Himmel steigen. Menschen, die mit dem Nötigsten in Koffern und Taschen fliehen. Feuerwehrleute, die bis zur Erschöpfung gegen Flammen kämpfen, die sich nicht aufhalten lassen. Es ist ein Bild des Schreckens, das sich derzeit in Südwesteuropa abspielt – allein in Frankreich und Spanien mussten bislang mehr als 160.000 Menschen ihre Häuser verlassen.

Brände, wie Frankreich sie noch nie erlebt hat

Im Südwesten Frankreichs wurden bislang rund 141.000 Menschen evakuiert. Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez sprach von Bränden „in diesem Ausmaß", wie sie das Land noch nie erlebt habe. Sein Versprechen: alles zu tun, um die Weinmetropole Bordeaux zu schützen.
Präsident Emmanuel Macron forderte die Streitkräfte auf, sich zu mobilisieren, Regierungschef Sébastien Lecornu rief einen Krisenstab ein. 1000 Soldaten kämpfen inzwischen gegen die Flammen, die bereits 22.000 Hektar Land verwüstet haben.

Feuerwehrleute versuchen in der Nähe von Le Porge im Südwesten Frankreichs mit einem Waldbrandlöschfahrzeug, die brennenden Bäume zu löschen.
Feuerwehrleute versuchen in der Nähe von Le Porge im Südwesten Frankreichs mit einem Waldbrandlöschfahrzeug, die brennenden Bäume zu löschen.Romain Perrocheau/AFP/dpa

Urlauber am Atlanktik mussten per Boot fliehen

Besonders dramatisch: die Halbinsel Cap-Ferret, ein beliebtes Urlaubsziel am Atlantik. Rund 44.000 Einwohner und Feriengäste mussten das Gebiet über die einzige Zufahrtsstraße Richtung Bordeaux oder mit Booten verlassen. Mehr als 800 Menschen erreichten auf dem Seeweg das sichere Arcachon. Der Preis dafür war hoch: Etwa 40 der 1000 eingesetzten Feuerwehrleute wurden verletzt.

Urlauber, die per Boot von Cap Ferret evakuiert wurden. Alle Einwohner und Feriengäste wurden aufgefordert, das Gebiet zu verlassen.
Urlauber, die per Boot von Cap Ferret evakuiert wurden. Alle Einwohner und Feriengäste wurden aufgefordert, das Gebiet zu verlassen.IMAGO/Laurent Theillet

Was hat das verheerende Feuer ausgelöst?

Ausgelöst worden sein könnte das Feuer durch eine Freischneidemaschine bei Arbeiten an einer Hochspannungsleitung. Gegen zwei Männer wird zudem ermittelt, weil sie in Waldgebieten geraucht beziehungsweise gegrillt haben sollen – in einer Zeit, in der jeder Funke zur Katastrophe werden kann. Landesweit kämpfen Einsatzkräfte gegen 32 aktive Waldbrände. Seit Jahresbeginn sind bereits mehr als 50.000 Hektar verbrannt, fast dreimal so viel wie im Vorjahreszeitraum.

Ein Fahrzeug des spanischen Zivilschutzes überwacht die Ausbreitung des Feuers. Am Donnerstag brach in der Autonomen Gemeinschaft Madrid ein neuer Waldbrand aus.
Ein Fahrzeug des spanischen Zivilschutzes überwacht die Ausbreitung des Feuers. Am Donnerstag brach in der Autonomen Gemeinschaft Madrid ein neuer Waldbrand aus.Carlos Luján/EUROPA PRESS/dpa

Feuer-Inferno rund um Madrid

Auch in Spanien spitzt sich die Lage zu. Rund um die Hauptstadt Madrid sollen laut Innenministerium etwa 25.000 Menschen ihre Wohnungen verlassen, insgesamt wurden landesweit rund 63.000 Menschen evakuiert oder zum Verbleib in Gebäuden aufgefordert – darunter 5000 Urlauber auf einem Campingplatz.

Der Leiter des Katastrophenschutzes, Carlos Novillo, sagte, das Feuer sei „auf seinem Höhepunkt" und derzeit „nicht zu löschen". Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso sprach vom „schlimmsten Brand in der Geschichte" der Region – von einer „Katastrophe".

Zwei Brände westlich von Madrid sind bereits zu einem Großfeuer verschmolzen und näherten sich der Gemeinde Navas del Rey, rund 50 Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Fast hätte sich das Feuer mit einem weiteren Brand in Kastilien und León vereint. Ministerpräsident Pedro Sánchez wollte am Samstag das Einsatzzentrum in Cenicientos besuchen und sprach von einer „dramatischen Situation".

Forstbeamte legen eine Pause ein, bevor sie ihre Arbeit bei der Bekämpfung des Waldbrands in der Nähe von Condemios de Arriba in der Provinz Guadalajara wieder aufnehmen.
Forstbeamte legen eine Pause ein, bevor sie ihre Arbeit bei der Bekämpfung des Waldbrands in der Nähe von Condemios de Arriba in der Provinz Guadalajara wieder aufnehmen.Manu Fernandez/AP/dpa

Nasa-Station musste evakuiert werden

Selbst die US-Raumfahrtbehörde Nasa blieb nicht verschont: Die Flammen zwangen sie zur Evakuierung einer ihrer drei weltweiten Bodenstationen für Tiefraumkommunikation in Robledo, rund 65 Kilometer westlich von Madrid.

Etwas Hoffnung gibt es aus Guadalajara: Dort verlor das Feuer, das rund 32.000 Hektar erfasst hatte, an Intensität. Bewohner von 14 Gemeinden durften zurückkehren, gelöscht ist der Brand aber noch nicht.

Die EU entsandte vier Löschflugzeuge nach Spanien und drei nach Frankreich. Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte, Deutschland stehe bereit, Frankreich über den europäischen Katastrophenschutzmechanismus zu unterstützen.

Auch Süditalien kämpft gegen Flammen

Auch Italien kommt nicht zur Ruhe: Besonders betroffen sind Sizilien, Kalabrien und Sardinien. Allein in Kalabrien registrierte die Feuerwehr binnen 36 Stunden mehr als 200 Einsätze wegen Vegetationsbränden, 26 davon gleichzeitig – im Zentrum steht der Nationalpark Pollino, wo Autobahnabschnitte gesperrt und Anwohner aufgefordert wurden, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Auf Sizilien kämpfen Feuerwehr, Zivilschutz und Forstbehörden unter anderem in den Provinzen Palermo und Catania gegen die Flammen, mehrere Familien mussten vorsorglich ihre Häuser verlassen.