Dutzende Leichen werden exhumiert

Ex-Pfleger soll mehr als 100 Patienten totgespritzt haben

Er wurde bereits wegen zehnfachen Mordes verurteilt. Doch die Todesliste des ehemaligen Pflegers könnte noch länger sein.

Author - Florian Thalmann
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Ulrich S. wurde bereits wegen zehnfachen Mordes verurteilt. Jetzt zeichnet sich ab, dass der Fall noch viel schlimmer sein könnte.
Ulrich S. wurde bereits wegen zehnfachen Mordes verurteilt. Jetzt zeichnet sich ab, dass der Fall noch viel schlimmer sein könnte.Oliver Berg/dpa

Er wurde bereits im November verurteilt – doch nun zeigt sich: Der Fall des Todespflegers Ulrich S. aus Aachen ist offenbar viel, viel schlimmer als zunächst angenommen. Er soll noch mehr Menschen umgebracht haben: Laut Staatsanwaltschaft könnte der 44-Jährige für mehr als 100 Tote verantwortlich sein.

Todespfleger wurde wegen zehnfachen Mordes verurteilt

Nach der Verurteilung im vergangenen Jahr meldet sich im Fall des Todespflegers Ulrich S. jetzt plötzlich die Staatsanwaltschaft zu Wort. Der Grund: Es gebe eine entsprechend hohe Zahl an weiteren „Verdachtsfällen“,  sagte die Aachener Oberstaatsanwältin Katja Schlenkermann-Pitts. Der schreckliche Verdacht: Der ehemalige Pfleger soll für mehr als 100 Tote verantwortlich sein.

Im Verfahren im November ging es „nur“ um zehnfachen Mord und versuchten Mord in 27 Fällen. Ulrich S. soll den Patienten auf einer Palliativstation eines Krankenhauses in Würselen bei Aachen tödliche Injektionen verabreicht haben, davon ist das Gericht überzeugt. Die Morde ereigneten sich demnach zwischen Dezember 2023 und Mai 2024. Er wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Der Prozess gegen den Krankenpfleger begann bereits im Frühjahr 2025.
Der Prozess gegen den Krankenpfleger begann bereits im Frühjahr 2025.Oliver Berg/dpa

Besonders schrecklich: Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ während des Prozesses im vergangenen Jahr aus Ermittlungsakten berichtete, soll der 44-jährige Krankenpfleger in einem abgehörten Telefonat bekundet haben, dass ihm das Schicksal der Patienten gleich sei. Für seine Arbeit hätte er ein Bundesverdienstkreuz verdient, sagte er. Es soll laut Bericht zugegeben haben, die Spritzen selbst verabreicht zu haben, und zwar ohne die nötige ärztliche Anordnung. Berichtet wurde auch, der Mann habe während der Nachtschicht seine Ruhe haben wollen.

Dutzende Leichen müssen jetzt exhumiert werden

Nun die weiteren Verdachtsfälle, die sich bereits in der Zeit davor ereignet haben sollen. „Die Verdachtsfälle in dem laufenden Verfahren liegen derzeit deutlich über 100“, erklärte Oberstaatsanwältin Katja Schlenkermann-Pitts. Es handele sich aber um einen Anfangsverdacht. Bitter: Die Leichen der Patienten, um die es geht, werden nun nach und nach exhumiert. 27 Exhumierungen seien bereits für Untersuchungen durchgeführt worden, 30 weitere stehen noch aus.