Drei Monate ohne Social Media für Kinder – höchste Zeit, Bilanz zu ziehen. Seit Dezember 2025 gilt in Australien ein knallhartes Verbot: Unter 16-Jährige dürfen Plattformen wie TikTok, Instagram oder Snapchat nicht mehr nutzen. Der Berliner KURIER hat geschaut, wie gut das funktioniert.
Millionen Accounts gelöscht: Regierung sieht Erfolg
Rund 4,7 Millionen Accounts von Minderjährigen wurden seit Inkrafttreten des Gesetzes deaktiviert, gelöscht oder eingeschränkt. Die Zahlen stammen von den Plattformen selbst und wurden an die Aufsichtsbehörde gemeldet.
Australiens Premierminister Anthony Albanese spricht von einem wichtigen Schritt zum Schutz von Kindern: Man habe gehandelt, „um Kinder online zu schützen“. Auch Kommunikationsministerin Anika Wells betonte, man habe sich gegen mächtige Techkonzerne durchgesetzt – und gezeigt, dass es möglich ist.
Die Zahl wirkt gewaltig. Gleichzeitig ist sie mit Vorsicht zu betrachten. Viele Jugendliche haben mehrere Accounts auf verschiedenen Plattformen. Wie viele einzelne Kinder tatsächlich betroffen sind, lässt sich deshalb nicht genau sagen.
Vor dem Verbot waren deutlich mehr Minderjährige online aktiv, als offiziell erlaubt war. Schätzungen zufolge hatten rund 84 Prozent der Acht- bis Zwölfjährigen bereits Social-Media-Zugänge.

Die ersten Daten deuten darauf hin, dass die Nutzung tatsächlich zurückgeht. Besonders bei Plattformen wie TikTok und Snapchat ist die Zahl junger Nutzer gesunken. Gleichzeitig verbringen viele Jugendliche offenbar weniger Zeit online. Für die Regierung ist das ein Erfolg. Jede Deaktivierung könne auch bedeuten, dass junge Menschen wieder mehr Zeit außerhalb der digitalen Welt verbringen.
Verbot greift – aber nicht lückenlos
Ganz dicht ist das System allerdings nicht. Laut ersten Auswertungen nutzen weiterhin mehr als 20 Prozent der unter 16-Jährigen Social Media. Viele umgehen die Regeln mit einfachen Tricks, etwa durch falsche Altersangaben oder technische Umgehungen. Auch Behörden räumen ein, dass eine hundertprozentige Kontrolle kaum möglich ist.
Ein weiteres Argument gegen das Verbot war die Sorge, Jugendliche könnten einfach auf andere Apps ausweichen. Genau das zeigt sich bislang nicht deutlich. Zwar gab es kurzzeitig mehr Downloads alternativer Plattformen, eine dauerhafte Verlagerung der Nutzung ist bisher aber nicht erkennbar.
WhatsApp und Co. nicht betroffen
Eine wichtige Lücke bleibt dennoch bestehen. Messenger-Dienste wie WhatsApp oder Facebook Messenger sind von der Regelung ausgenommen. Viele Probleme, die Eltern beschäftigen – etwa Mobbing, Gruppendruck oder problematische Inhalte –, könnten sich daher in diese Bereiche verlagern.


