Wer an große Seen in Deutschland denkt, hat sofort den Chiemsee, die Müritz oder den Bodensee auf dem Zettel. Doch der eigentliche Rekordhalter unter den deutschen Gewässern liegt weder in Bayern noch in Mecklenburg-Vorpommern – sondern versteckt sich in den bewaldeten Höhenzügen Thüringens. Ein echter Geheimtipp für die Sommerferien.
Bleilochtalsperre sieht aus wie Norwegen, liegt aber in Mitteldeutschland
Die Bleilochtalsperre ist mit unfassbaren 215 Millionen Kubikmetern Fassungsvermögen der größte Stausee der Republik. Um sich diese Wassermenge vorzustellen: Das entspricht rund 86.000 olympischen Schwimmbecken. Über 28 Kilometer erstreckt sich das Gewässer durch eine Landschaft, die mit ihren steilen, grünen Hängen und tiefen Schluchten eher an norwegische Fjorde erinnert als an Mitteldeutschland.

Entstanden ist der gewaltige See zwischen 1926 und 1932 durch die Anstauung der Saale. Damals ging es ausschließlich um Hochwasserschutz und Energiegewinnung – an Tourismus dachte niemand. Heute hat sich das komplett gedreht: Die Bleilochtalsperre ist ein Paradies für alle, die im Sommer Erholung am Wasser suchen, ohne dafür ins Flugzeug steigen zu müssen.
Der Campingplatz Kloster lockt Badegäste und Wassersportler an
Am Campingplatz Kloster, direkt an der breitesten Stelle des Sees gelegen, schlagen Urlauber ihre Zelte auf und genießen beste Bedingungen zum Schwimmen und Sonnenbaden. Wer es aktiver mag, schnappt sich ein Segelboot, ein Kanu oder ein Stand-up-Paddleboard und erobert die Wasserfläche.
Für Motorboote gelten dabei zum Schutz der Natur strenge Regeln: Ein Tempolimit von 12 km/h ist Pflicht, und Verbrennungsmotoren dürfen an Wochenenden nur in festen Zeitfenstern am Vor- und Nachmittag genutzt werden. Details dazu finden sich beim zuständigen Landratsamt des Saale-Orla-Kreises.

Das Besondere: Abseits der bekannteren Uferabschnitte warten selbst im Hochsommer überraschend menschenleere Buchten auf Ruhesuchende. Wer also den Trubel der großen Strände meiden will, findet hier garantiert sein stilles Plätzchen.
Schloss Burgk thront über einer Saaleschleife
Ein Ausflug zur Bleilochtalsperre lässt sich perfekt mit kulturellen Highlights in der Umgebung verbinden. Wer rund um den See unterwegs ist, landet fast automatisch am Schloss Burgk. Die historische Anlage thront auf einem markanten Felsplateau direkt über einer malerischen Saaleschleife. Errichtet im Jahr 1403, beherbergt das Schloss heute ein Museum für fürstliche Wohnkultur – ein Abstecher, der sich allein wegen der spektakulären Aussicht lohnt.

Rund 30 Kilometer weiter westlich wartet in Saalfeld das nächste Highlight: die berühmten Feengrotten. Das Guinness-Buch führt sie seit 1993 als farbenreichste Schaugrotten der Welt. Die unterirdische, bunte Farbenpracht bildet einen faszinierenden Kontrast zur weiten, tiefblauen Wasserfläche des Stausees oben an der Erdoberfläche.
Die Bleilochtalsperre bleibt ein Geheimtipp für den Sommer
Badevergnügen, ruhige Buchten, Wassersport, dazu Wanderwege, ein Märchenschloss und die buntesten Grotten der Welt – die Bleilochtalsperre und ihre Umgebung haben für einen Sommerurlaub alles, was man sich wünscht. Trotzdem ist Deutschlands größter Stausee vielen noch kein Begriff. Umso besser für alle, die noch einen Platz ohne Massentourismus suchen. Es braucht kein Flugticket in den Süden: Manchmal reichen etwas Sonne und die richtige Abzweigung nach Thüringen.


