Operationswerkzeug in einer Schale Foto: Imago/Andrew Brookes

Die Nachfrage nach Schönheitsoperationen ist im Zuge der Corona-Pandemie merklich gestiegen. Demnach befinde sich die Einstellung zur ästhetisch-plastischen Chirurgie derzeit im Wandel. Das gab die Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC) bekannt. Die Pandemie gelte als Gelegenheit, bei sich „etwas machen zu lassen“, wie es gern diskret formuliert wird.

„Die Art der Nachfrage nach ästhetischen Behandlungen hat sich in der Corona-Krise verändert“, sagt der Facharzt Dennis von Heimburg in Frankfurt am Main, langjähriger Präsident der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen. Und Lutz Kleinschmidt aus Bergisch-Gladbach, Vorstandsmitglied bei der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC) sagt: „Durch die Covid-19-Pandemie wurden die gesellschaftlichen Anlässe zwar seltener, aber das eigene Spiegelbild blieb bestehen.“

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Die Lockdowns sorgen etwa für den Wunsch nach strafferen Augenpartien. In Maskenzeiten schauen sich Menschen mehr in die Augen. Video-Konferenzen führen außerdem dazu, dass sich viele länger selbst betrachten und mehr angesehen werden. Auch Lippenkorrekturen mit Fillern sind nach Angaben von Experten häufiger gefragt. Die OPs am Mund lassen sich anfangs gut unter der Maske verstecken.

Insgesamt gebe es ein neues Körperbewusstsein in der Krise, sagt der Arzt Murat Dagdelen in Düsseldorf. Das Interesse an Fettabsaugungen steige, nicht zuletzt weil einige in der Homeoffice-Zeit zugelegt haben. Manche nutzten die Corona-Krise zur Selbstoptimierung. „Die Patienten haben mehr Zeit, sich mit ihrem Äußeren zu beschäftigen.“

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Vorteil 2020 und 2021: In Zeiten von Kontaktbeschränkungen fallen Eingriffe mit einer Auszeit im Anschluss im Sozialleben kaum auf. Auch blaue Flecken, Schwellungen, Rötungen, wie sie nach den heutzutage meist minimalinvasiven Operationen üblich sind, lassen sich mit weniger Aufwand als in normalen Zeiten kaschieren. Studien zufolge verschweigt eine Mehrheit der Patientinnen und Patienten gegenüber Kollegen und Freunden nach wie vor eine Schönheits-OP.

Viele Lehrer fragen Schönheits-OPs nach

Laut DGÄPC hat sich die Nachfrage bestimmter Berufsgruppen in der Pandemie verstärkt. Andrea Fornoff, Leiterin der Klinik für Plastische Chirurgie in Degerloch (Stuttgart), sagt, dass etwa mehr Lehrerinnen und Lehrer und Menschen, die in der Verwaltung tätig seien, Termine bei ihr machten. „Also Leute, die ein gesichertes Einkommen haben. Es gibt aber daneben auch die breite Schicht derer, die es sich jetzt nicht mehr mal eben so leisten können, etwa Friseurinnen und Friseure oder Beschäftigte aus der Gastronomie.“

Es müsse eben finanziell und organisatorisch gut zu machen sein, sagt Fornoff. „Es sind vermehrt Leute, die vorwiegend oder häufig zu Hause arbeiten.“ Arbeiten im Homeoffice erleichtere das Auskurieren. Außerdem: Viele Patienten nutzten wohl ihre Reisekasse und leisteten sich eine Schönheits-OP statt in den Urlaub zu fahren.

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Ein zentrales deutsches Register für Schönheitsoperationen gibt es nicht. Hochgerechnet sind es aber Hunderttausende jährlich in Deutschland. Laut einer nicht-repräsentativen Umfrage bei DGÄPC-Mitgliedern waren die Top 5 der ästhetischen Behandlungen vergangenes Jahr Faltenunterspritzungen (etwa mit Hyaluronsäure) und Botox-Behandlungen (Botulinumtoxin). Mit Abstand folgen dann Brustvergrößerung, Oberlidstraffung und Fettabsaugung.