Die Zukunft der eingestürzten Carolabrücke in Dresden nimmt langsam Gestalt an. Ein Fachgremium hat die vier eingereichten Vorschläge für den Neubau unter die Lupe genommen – und sich klar für einen Entwurf ausgesprochen. Offiziell entschieden ist aber noch nichts.
Plan von LAP und Knight Architects liegt vorn
Im Bauausschuss der Stadt Dresden wurde jetzt das Ranking der Experten präsentiert. Ganz oben auf der Liste steht der Entwurf der Büros Leonhardt, Andrä und Partner (LAP) gemeinsam mit Knight Architects. Die Fachleute sehen darin die überzeugendste Lösung für den Ersatzneubau.

Bevor jedoch ein endgültiger Beschluss fällt, soll der Stadtrat Anfang September entscheiden. Bis dahin dürfen auch die Dresdnerinnen und Dresdner ihre Meinung einbringen.
Gremium lobt hohe Qualität aller Vorschläge
Das von TU-Professor Steffen Marx geleitete Expertenteam betonte, dass „jeder der eingereichten Entwürfe eine sehr hohe Qualität aufweist und eine risikoarme weitere Projektdurchführung erlauben würde“. Bereits die Vorprüfung habe gezeigt, dass alle vier Konzepte die Vorgaben der Stadt erfüllen und technisch umsetzbar sind. „Dennoch konnte das Expertengremium klar einen besten, zweit-, dritt- und viertbesten Brückenentwurf identifizieren.“
Warum der Favorit überzeugt
Nach Einschätzung der Fachleute trifft der Entwurf von LAP und Knight Architects mit Hauptsitz in Stuttgart und Niederlassung in Dresden die Anforderungen am präzisesten. Besonders hervorgehoben wird die Gestaltung: „Die gut gestaltete, schlanke sowie transparente Brückenkonstruktion füge sich angenehm zurückhaltend in die historische Dresdner Altstadt ein. Zudem seien alle Nutzungsarten und -anforderungen sowohl auf als auch unter der Brücke und im Bereich der Widerlager sorgfältig erarbeitet und gelöst worden“, so das Gremium.
Die markante, gitterartige Struktur der Vouten – also der angedeuteten Brückenbögen – verleihe dem Bauwerk eine eigene Identität als „neue Dresdner Carolabrücke“ und knüpfe zugleich an die Geschichte der Vorgängerbrücken an.

Entscheidung über neue Brücke fällt am 3. September
Für die Bewertung spielten zahlreiche Kriterien eine Rolle: die städtebauliche Einbindung, architektonische Qualität, Denkmalschutz, Verkehrsführung, Tragwerksplanung, Bauzeit, Kosten, Wirtschaftlichkeit und Genehmigungsfähigkeit. Die Empfehlung des Expertengremiums soll dem Stadtrat als Orientierung dienen.
Am 3. September 2026 soll das Stadtparlament darüber abstimmen, welches Planungsteam den Zuschlag erhält.
Bürger in Dresden sollen online voten
Ab Samstag können die Dresdener über ihren favorisierten Entwurf für den Neubau der Carolabrücke abstimmen. Über das Online-Format „CarolaVote“ will die Stadtverwaltung die Bürgerinnen und Bürger in den Wiederaufbau der eingestürzten Brücke einbeziehen.

Viele Akteure in Dresden wollen ein Wort bei der Errichtung der neuen Brücke mitreden. Die Initiative Carolabrücke e. V. kündigte vorab an, für eine Bogenbrücke aus Sandstein stimmen zu wollen. Der Fahrradclub ADFC pocht auf breite Radwege.
Auch die Stadt hatte den Planern eindeutige Vorgaben gemacht: Die Brücke über die Elbe soll im Schnellverfahren als Ersatzneubau entstehen. Der Brückenbau soll ab Frühjahr 2028 beginnen und bis 2031 beendet sein. Das neue Bauwerk soll die historische Stadtsilhouette nicht verdecken und müsse die Elbwiesen als Landschaftsschutzgebiet berücksichtigen.
Hintergrund: Einsturz im September 2024
Die frühere Carolabrücke bestand aus drei Teilen. In der Nacht zum 11. September 2024 stürzte der Abschnitt für Straßenbahn und Fußgänger plötzlich ein. Glücklicherweise wurde niemand verletzt. Die übrigen Brückenteile waren jedoch so stark beschädigt, dass ein kompletter Abriss unvermeidlich war. Als Ursache gilt Korrosion, die zum Versagen von Spanngliedern führte.
