Drogeriemarkt

Blutabnahme bei dm in Berlin – günstiger Test sorgt für Diskussionen

Bluttests zum kleinen Preis locken Kunden in Berliner Filialen. Doch Ärzte sehen Hygiene, Beratung und Rechtslage kritisch.

Author - Tobias Esters
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Die Drogeriekette dm sorgt mit einem neuen Gesundheitsangebot für Diskussionen.
Die Drogeriekette dm sorgt mit einem neuen Gesundheitsangebot für Diskussionen.Wolfgang Maria Weber/IMAGO

Ein kurzer Einkauf und nebenbei noch schnell Blut abnehmen lassen. Was wie Zukunft klingt, sorgt in Berlin für Diskussionen. In einer Filiale der Drogeriekette dm in der Tauentzienstraße können Kunden inzwischen tatsächlich medizinische Tests durchführen lassen – zu einem Preis, der deutlich unter dem beim Arzt liegt.

Drogerie setzt auf günstige Gesundheitschecks

Wie das Portal berlin-live.de berichtet, wird in einer Berliner Filiale aktuell Blut abgenommen. Das Angebot richtet sich an alle, die ihre Werte unkompliziert und günstig überprüfen lassen wollen. Für ein Blutbild werden gerade einmal 9,95 Euro fällig.

Die Blutentnahme erfolgt nicht durch Verkaufspersonal, sondern durch geschulte Fachkräfte eines Partners. „Die Blutabnahme in unseren dm-Märkten erfolgt durch qualifizierte Fachkräfte, meist Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker, unseres Partners Aware“, erklärte Geschäftsführer Sebastian Bayer auf Nachfrage von Berlin Live. Auch für Notfälle seien die Mitarbeitenden entsprechend vorbereitet.

Nach der Entnahme werden die Proben noch am selben Tag an ein Partnerlabor geschickt. Die Auswertung erfolgt durch Ärztinnen und Ärzte, die Ergebnisse landen anschließend per App beim Kunden. Bei Auffälligkeiten soll eine Empfehlung folgen, sich zusätzlich beim Hausarzt untersuchen zu lassen.

dm-Filiale in der Tauentzienstraße in Berlin: Hier wird ein neues Gesundheitsangebot getestet, das derzeit für Diskussionen sorgt.
dm-Filiale in der Tauentzienstraße in Berlin: Hier wird ein neues Gesundheitsangebot getestet, das derzeit für Diskussionen sorgt.Schoening/IMAGO

Während dm das Angebot als günstige und niedrigschwellige Vorsorge darstellt, sieht die Ärztekammer Berlin laut dem Bericht die Entwicklung deutlich kritischer. Aus ihrer Sicht muss eine Blutentnahme grundsätzlich durch Ärztinnen oder Ärzte erfolgen oder zumindest unter deren Aufsicht und unter strengen hygienischen Vorgaben durchgeführt werden.

Ob diese Standards in einer Drogerie tatsächlich eingehalten werden, kann die Kammer derzeit nicht abschließend beurteilen. Gleichzeitig stellt sie grundsätzlich infrage, ob solche medizinischen Angebote in diesem Umfeld überhaupt rechtlich zulässig sind.

dm weist Kritik zurück

Der Konzern weist die Kritik zurück und betont, dass alle Abläufe klar geregelt seien. Die Blutabnahme finde in einem separaten Bereich statt, fernab vom Verkaufsraum. Außerdem würden ausschließlich sterile Materialien verwendet. Laut dm orientieren sich die Prozesse an geltenden Richtlinien und Arbeitsschutzvorschriften.

Ein großer Unterschied zum Arzt bleibt dennoch bestehen. Während beim Hausarzt Anamnese, Diagnose und persönliche Beratung dazugehören, erhalten Kunden im Drogeriemarkt zunächst nur ihre Werte.

Die Ärztekammer warnt deshalb vor möglichen Fehlinterpretationen. Patienten könnten verunsichert werden oder sich in falscher Sicherheit wiegen, wenn Ergebnisse ohne direkte ärztliche Einordnung vorliegen.

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