Kurioser Warnruf

Wer hat den "bellenden Hirsch" gesehen? Gemeinde ruft Einwohner zur Suche auf

Ein chinesischer Muntjak wurde in Pelt in Belgien gesichtet. Die Gemeinde ruft die Bevölkerung auf, Beobachtungen zu melden, bevor sich das Tier weiter ausbreitet.

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Ein Chinesischer Muntjak, der auch „bellender Hirsch“ genannt wird.
Ein Chinesischer Muntjak, der auch „bellender Hirsch“ genannt wird.limdix/xArterrax

Ein fremdländisches Tier sorgt in der belgischen Gemeinde Pelt für Aufregung: Dort wurde ein Muntjak gesichtet – eine kleine, aus Asien stammende Hirschart, die wegen ihres bellenden Warnrufs auch „bellender Hirsch“ genannt wird. Die Ortsverwaltung hat nun dazu aufgerufen, Beobachtungen oder Spuren des Tieres zu melden. Allerdings nicht, um es willkommen zu heißen.

Der „bellende Hirsch“ ist ein echte „Grasmaschine“

Denn was auf den ersten Blick nach einem possierlichen Waldbewohner aussieht, bereitet den Behörden in Belgien ernsthafte Sorgen. Muntjaks fressen mit Vorliebe junge Triebe, Blüten und andere frische Pflanzen – und das offenbar mit Ausdauer. Laut einem Sprecher der Naturschutzbehörde können sie die ganzen Ökosystemen den Garaus machen können, weil Insekten und Vögeln so die Nahrungsgrundlage entzogen wird.

Hinzu kommt: Die Tiere vermehren sich rasant, eine weitere Ausbreitung ist also programmiert. Kein Wunder, dass der Chinesische Muntjak in der EU längst auf der Liste invasiver Arten steht und aus Pelt möglichst schnell wieder verschwinden soll. 

Wie ernst die Lage genommen wird, zeigt der Blick nach Großbritannien. Dort sei die Muntjak-Population außer Kontrolle geraten, was zu einer regelrechten ökologischen Katastrophe geführt habe – mit dem Aussterben seltener Arten inklusive. Genau das wolle man in Flandern unbedingt verhindern, heißt es von der Behörde.

Wer ihn entdecken will, braucht Glück

Auf die Spur kommt man dem  Muntjak nicht so leicht: Mit einer Schulterhöhe von nur rund 50 Zentimetern zählt er zu den kleinsten Hirscharten überhaupt, lebt sehr zurückgezogen und ist vor allem in der Dämmerung und nachts unterwegs. Wer ihn entdecken will, braucht also Glück – oder zumindest ein gutes Ohr für seinen kurzen, scharfen Bellruf.

Ursprünglich stammt die Art ausschließlich aus China und Taiwan und kam im 19. Jahrhundert als Ziertier nach Europa. Über entkommene oder ausgesetzte Exemplare aus privater Haltung hat sie sich seither in mehreren europäischen Ländern in freier Wildbahn festgesetzt.

Ein Chinesischer Muntjak im Tierpark Hagenbeck in Hamburg.
Ein Chinesischer Muntjak im Tierpark Hagenbeck in Hamburg.Imago

Wurde der kleine Hirsch gezielt ausgesetzt?

Ob der von Pelt aus einem privaten Gehege entkommen oder gezielt ausgesetzt wurde, ist bislang unklar. Dennis Fransen, Bürgermeister der Gemeinde, erklärte, man wolle nun herausfinden, wo sich das Tier aufhält, und bitte deshalb die Bevölkerung um Mithilfe.

Wer den Muntjak zuletzt gesehen oder seine Spuren entdeckt hat, soll das möglichst zeitnah über die Online-Plattform WildInzicht.be melden – am besten noch bis Ende Juli. Auf Basis der eingehenden Hinweise wollen die zuständigen Wildhüter entscheiden, ob an strategischen Stellen Wildkameras aufgestellt und weitere Maßnahmen ergriffen werden müssen.