Während die Schweiz trauert

Bar-Besitzer von Crans-Montana in U-Haft

Nach der tödlichen Explosion in einer Bar in Crans-Montana mit 40 Toten sitzt der Besitzer nun in Untersuchungshaft. Laut Staatsanwaltschaft besteht Fluchtgefahr.

Author - Jana Hollstein
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Die französischen Besitzer der Bar, Jacques Moretti und Ehefrau Jessica Moretti.
Die französischen Besitzer der Bar, Jacques Moretti und Ehefrau Jessica Moretti.AFP

Mehr als eine Woche, nachdem im Schweizer Nobel-Skiort Crans-Montana in der Silvesternacht eine Explosion in einer Bar 40 Menschen tötete und weitere 115 verletzte, könnte es nun endlich Gerechtigkeit geben. Der Besitzer der Bar, der Franzose Jacques Moretti, ist in U-Haft genommen worden.

Dutzende Tote bei Silvester-Feuer in Crans-Montana

In der Silvesternacht wurden bei dem Brand in der Bar „Le Constellation“ 40 Menschen getötet, 115 weitere Menschen wurden schwer verletzt. Fast alle Todesopfer waren Teenager und junge Erwachsene – die jüngsten waren erst 14 Jahre alt. Unter den Toten sind auch neun junge Schweizer Fußballer aus Regionalvereinen. Laut Ermittlern hatte eine funkensprühende Partyfontäne eine Schaumstoff-Verkleidung an der Decke der Bar in Brand gesetzt, die Besitzer, Moretti und seine Ehefrau, stehen seitdem schwer unter Kritik: Das Deckenmaterial war leicht brennbar, zudem war offenbar die einzige Treppe, die in die Kellerbar führte, verschmälert worden.

Bundesrat Beat Jans (v.l.n.r.), Bundesrat und Außenminister Ignazio Cassis und seine Frau Paola Cassis, Bundespräsident Guy Parmelin und seine Frau Caroline Parmelin, Mathias Reynard, Staatsrat und Präsident des Staatsrates des Kantons Wallis, Christophe Darbellay, Staatsrat des Kantons Wallis, und Franz Ruppen, Staatsrat des Kantons Wallis, legen eine Schweigeminute ein, während der Trauerfeier am Freitag.
Bundesrat Beat Jans (v.l.n.r.), Bundesrat und Außenminister Ignazio Cassis und seine Frau Paola Cassis, Bundespräsident Guy Parmelin und seine Frau Caroline Parmelin, Mathias Reynard, Staatsrat und Präsident des Staatsrates des Kantons Wallis, Christophe Darbellay, Staatsrat des Kantons Wallis, und Franz Ruppen, Staatsrat des Kantons Wallis, legen eine Schweigeminute ein, während der Trauerfeier am Freitag.Laurent Gillieron

Nach einer über sechsstündigen Befragung zum tödlichen Feuer in Crans-Montana ist Moretti nun in Untersuchungshaft genommen worden. Die Staatsanwaltschaft begründet den Entscheid laut NZZ mit Fluchtgefahr. Moretti stammt aus Korsika und ist Franzose. Gegen ihn und seine Frau, die ebenfalls Mitbesitzerin der Bar ist, wird seit Anfang Januar wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung und Körperverletzung ermittelt. Morettis Ehefrau wurde nicht in Gewahrsam genommen.

Trauerfeier für die Opfer in der Schweiz

Am selben Tag gedachten die Schweiz und andere Nationen der 40 Toten der Brandkatastrophe von Crans-Montana. Bei der Trauerfeier mit rund 1000 Gästen, darunter der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, schilderten drei jugendliche Augenzeugen die furchtbaren Momente der Silvesternacht. Aus Deutschland war Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) angereist. Elf Überlebende werden in deutschen Kliniken behandelt – unter anderem auch in Berlin.

Die Träume vieler junger Menschen seien vorzeitig in der Asche einer Nacht des Grauens zunichtegemacht worden, sagte der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin. Zugleich forderte das Staatsoberhaupt eine lückenlose Aufklärung des Geschehens. Verfehlungen seien „ohne Verzögerung und ohne Nachsicht“ aufzudecken. Auch der Zustand der Bar, die das Ausmaß des Feuers überhaupt erst ermöglichte, gehört dazu.