Fatale Verwechslung in einer Klinik in Italien: Zwei Tage lang stillten und versorgten zwei Mütter ihre neugeborenen Babys und bauten eine Bindung zu ihnen auf. Es waren jedoch nicht ihre eigenen kleinen Mädchen, die sie in den Armen hielten. Als die Verwechslung entdeckt wurde, war der Schock groß. Jetzt hat ein Gericht eine Entschädigung von 100.000 Euro zugesprochen. Allerdings nur einer der beiden Frauen.
Babys beim Ankleiden verwechselt
Der Vorfall ereignete sich bereits im Oktober 2017 in einer Privatklinik in Avellino im Süden Italiens. Die beiden Babys waren wenige Stunden nacheinander geboren worden. Bei der Übergabe und beim Ankleiden durch das Klinikpersonal waren sie verwechselt worden. Ursache sollen vertauschte Identifikationsarmbänder gewesen sein. So kam es, dass sich die beiden Mütter das falsche Baby an die Brust legten.
Erst kurz vor der Entlassung aus der Klinik flog die Verwechslung auf. Nach Berichten italienischer Medien trafen die beiden Mütter zufällig aufeinander. Eine von ihnen schöpfte Verdacht und kontrollierte den Identifikationscode am Armband des Kindes. Der stimmte nicht mit den Daten überein, die sie nach der Geburt erhalten hatte. Daraufhin wurden Untersuchungen eingeleitet. Ein DNA-Test bestätigte schließlich, dass die Neugeborenen vertauscht worden waren.

Der Klinikfehler bleibt ohne Strafverfahren
Strafrechtliche Konsequenzen hatte der Fall zunächst nicht. Die Ermittlungen wurden eingestellt, weil die Verwechslung als fahrlässiger Fehler gewertet wurde. Doch eine der Mütter wollte sich damit nicht zufriedengeben. Sie zog zivilrechtlich gegen die Klinik vor Gericht. Im Mittelpunkt stand dabei nicht die Schuldfrage, sondern der Schaden, der der klagenden Mutter entstanden war.
Nach einer medizinisch-psychologischen Begutachtung erkannte das Gericht erhebliche seelische Folgen an. In den Unterlagen werden unter anderem Schlafstörungen, Angstzustände, anhaltende Anspannung, Reizbarkeit und belastende Erinnerungen an das Geschehen beschrieben. Das Gericht sprach der Frau deshalb rund 100.000 Euro Schadenersatz zu. Einschließlich weiterer Kosten liegt die Gesamtsumme laut italienischen Medien bei etwa 114.000 Euro.


