„Ich still, wo ich will“

100 Berliner Mamas holen ihre Brüste raus

Blicke, Kommentare, das Gefühl, fehl am Platz zu sein – viele stillende Mütter kennen das. 118 Berliner Frauen haben genug.

Author - Sharone Treskow
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„Ich still, wo ich will“ ist die Botschaft, die das Mama-Netzwerk in Berlin auf wunderbar plakative Art verbreitet.
„Ich still, wo ich will“ ist die Botschaft, die das Mama-Netzwerk in Berlin auf wunderbar plakative Art verbreitet.Lena Spiegelverdreht

Sie stillen vorm Fernsehturm, im Späti und in der U-Bahn. Über 100 Berliner Mütter haben sich zusammengetan – und machen damit sichtbar, was eigentlich längst normal sein sollte.

Skandal in Saarbrücken löst Welle aus: Stillen im Einkaufszentrum verboten

Es begann mit einem Vorfall, der bundesweit für Empörung sorgte. In Saarbrücken wurde eine Mutter aus einem Einkaufszentrum verwiesen, während sie ihr Kind stillte. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Ihre Hebamme rief zum Protest auf, Mütter-Communities in ganz Deutschland wurden aktiv. In Berlin startete Kathi Kokott vom Mama-Netzwerk Berlin daraufhin eine Instagram-Story mit einem schlichten Aufruf und löste damit eine Bewegung aus, die inzwischen 118 Frauen umfasst.

Stillen in der Öffentlichkeit: Was viele als selbstverständlich empfinden, ist es für Mütter oft nicht

Dass eine Mutter ihr Kind in einem Einkaufszentrum stillt und dafür des Hauses verwiesen wird, klingt für viele unvorstellbar. Für stillende Mütter ist es bittere Realität. Blicke, Kommentare, das unausgesprochene Gefühl, fehl am Platz zu sein: Was Babys benötigen – nämlich Nahrung, Nähe und Geborgenheit, wann und wo immer sie es brauchen –, wird im öffentlichen Raum noch immer als störend empfunden. Dabei ist Stillen kein Statement, keine Provokation – es ist schlicht Fürsorge.

Alex stillt im Späti.
Alex stillt im Späti.Lovis Trummer Photography

Initiatorin Kathi Kokott bringt es auf den Punkt: „Unsere Babys können überall dort gestillt werden, wo sie es brauchen – zur Nahrungsaufnahme, zur Beruhigung, zum Einschlafen oder einfach für das Gefühl von Nähe und Geborgenheit.“

Berliner Mamas kämpfen für Akzeptanz: Stillen soll selbstverständlicher Teil des Alltags werden

Genau hier setzt die Aktion „Ich still, wo ich will“ an. Mit professionellen Fotos im öffentlichen Raum wollen die Frauen nicht provozieren. Sie wollen verdeutlichen, dass stillende Mütter schlicht dazugehören. Zum Stadtbild, zum Alltag, zur Gesellschaft. Die Vision dahinter: Öffentliches Stillen enttabuisieren, Aufmerksamkeit für die Lebensrealität von Müttern schaffen und gesellschaftliche Akzeptanz gewinnen – nicht durch Konfrontation, sondern durch Sichtbarkeit.

„Ick sitz hier, ick still hier, ick bleib hier“ – das wollen die Berliner Mamas mit diesen Fotos ausdrücken.
„Ick sitz hier, ick still hier, ick bleib hier“ – das wollen die Berliner Mamas mit diesen Fotos ausdrücken.Lovis Trummer Photography

Denn Sichtbarkeit verändert Haltungen. Wer eine stillende Mutter am Brandenburger Tor auf einem Foto sieht, denkt vielleicht ein zweites Mal nach – bevor er in der U-Bahn die Stirn runzelt. Neben den Bildern teilt die Kampagne deshalb auch persönliche Erfahrungsberichte und Zitate der Teilnehmerinnen. Wie unterschiedlich die Geschichten auch sein mögen: Die Erfahrungen, die die Frauen gemacht haben, ähneln sich erschreckend.

Warum ist ein natürlicher Akt der Fürsorge mit so viel Scham behaftet?“

Kathi Kokott

Kokott stellt die Frage, die sich am Ende jeder selbst beantworten muss: „Wir möchten, dass jeder, der von uns hört oder liest, seine eigene Haltung hinterfragt – warum ein vollkommen natürlicher Akt der Fürsorge mit so viel Ablehnung und Scham behaftet ist.“

Initiatorin Kathi Kokott macht sich stark für alle stillenden Mamas.
Initiatorin Kathi Kokott macht sich stark für alle stillenden Mamas.Una Oge

Die Resonanz auf die Aktion zeigt, wie dringend nötig diese Diskussion ist. Nicht als Anklage, sondern als Einladung zum Nachdenken. Denn eine Gesellschaft, in der Mütter für das Stillen ihres Kindes Rechtfertigungen brauchen, hat offenbar noch einen Weg vor sich.

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