Früher überlegte man sich bei der Urlaubsplanung: Lieber ans Meer oder lieber in die Berge? Man fuhr nach Italien wegen Dolce Vita, nach Paris wegen der Liebe, nach Mallorca wegen des Wetters oder in die Alpen, weil man die sportliche Herausforderung suchte. Heute fragen manche Urlauber zuerst den Astrologen. Beim sogenannten „Astro-Travel“ sollen Sterne und Sternzeichen verraten, welche Reiseziele besonders gut zu einem passen.
Ein Viertel der Urlauber setzt auf Astro-Tipps
Laut einer TUI-Umfrage hat Astrologie für 25,3 Prozent der Deutschen Einfluss auf die Reiseplanung. Unter den 18- bis 44-Jährigen liegt der Anteil sogar bei 29 Prozent. Ein Viertel der Urlauber orientiert sich also zumindest teilweise an astrologischen Empfehlungen. Und das kann fast schon zur Wissenschaft werden.
Die einfachste Form des Trends ist jedoch noch ziemlich banal: Reiseziele werden einzelnen Sternzeichen zugeordnet. So gelten Widder als abenteuerlustig, Stiere als Genießer und Schützen als geborene Weltenbummler. Entsprechend werden Safari-Reisen, Wellness-Hotels oder Fernziele empfohlen.
Doch hinter dem Begriff Astro-Travel steckt inzwischen oft deutlich mehr. Es geht um die sogenannte Astrokartografie. Die Methode wurde in den 1970er-Jahren vom amerikanischen Astrologen Jim Lewis entwickelt. Dabei wird aus Geburtsdatum, Geburtszeit und Geburtsort eine Weltkarte berechnet, auf der sogenannte Planetenlinien verlaufen. Diese sollen anzeigen, an welchen Orten bestimmte astrologische Einflüsse besonders stark wirken.

Urlaubs-Orte, die zur Persönlichkeit passen
Anhänger der Astrokartografie gehen davon aus, dass bestimmte Orte auf der Erde mit unterschiedlichen Lebensthemen verbunden sind.
Wer eine solche Karte erstellen lässt, erhält Empfehlungen für Orte, die besonders gut zur eigenen Persönlichkeit oder zu aktuellen Lebenszielen passen sollen – sei es für den nächsten Urlaub, einen längeren Auslandsaufenthalt oder sogar einen Umzug in ein neues Land.
Regionen entlang einer Venus-Linie sollen etwa für Liebe, Harmonie und Genuss stehen und werden daher häufig für romantische Reisen oder kreative Auszeiten empfohlen.
Jupiter-Linien werden mit Wachstum, Optimismus und neuen Chancen in Verbindung gebracht und gelten als günstig für Fernreisen oder persönliche Neuanfänge.
Saturn-Linien dagegen symbolisieren Herausforderungen, Verantwortung und Disziplin. Ihnen wird nachgesagt, weniger Leichtigkeit zu bringen, dafür aber wichtige Lernprozesse anzustoßen.
Konkrete Urlaubsbeispiele: Angenommen, jemand möchte entspannen und genießen, wird die Venus-Linie geprüft. Wer Abenteuer erleben will, schaut auf die Jupiter- oder Mars-Linien. Wer seiner Seele Gutes tun will in den Ferien, für den sind die Mond-Linien wichtig.

Reisebranche bedient den Astro-Trend
Lange war Astrokartografie eher was für Insider. Inzwischen erreicht das Thema jedoch ein breiteres Publikum. So beschreibt etwa National Geographic, wie die Methode zunehmend im Mainstream ankommt und von Reisenden genutzt wird, die nach besonders bedeutungsvollen oder persönlichen Reiseerfahrungen suchen.
Auch die Reisebranche hat das Interesse entdeckt. Reiseanbieter, Coaches und Astrologen bieten entsprechende Beratungen an. Manche Urlauber lassen sich inzwischen komplette Reiseempfehlungen auf Basis ihrer Geburtsdaten erstellen.
Horoskop als Entscheidungshilfe fürs Urlaubsziel
Warum ausgerechnet die Sterne bei der Urlaubsplanung eine Rolle spielen, erklären Beobachter vor allem mit einem Bedürfnis nach Orientierung. Wer heute eine Reise plant, steht vor einer nahezu unüberschaubaren Auswahl an Zielen, Unterkünften und Erlebnissen.
Astrologische Konzepte liefern vielen Menschen dabei eine zusätzliche Entscheidungshilfe. Sie geben der Frage „Wo soll ich hin?“ eine persönliche Geschichte. Statt nur nach Sonne, Strand oder Städtereise zu wählen, wird die Reise mit den eigenen Wünschen, Hoffnungen und Lebensthemen verknüpft.
Wissenschaftliche Belege dafür, dass bestimmte Orte aufgrund astrologischer Konstellationen tatsächlich Auswirkungen auf einen haben, gibt es nicht. Astrokartografie basiert auf astrologischen Annahmen und nicht auf empirischer Forschung. Für viele Anhänger geht es auch um die Inspiration. Die Sternenkarte regt an, neue Orte zu entdecken oder über die Erwartungen an eine Reise nachzudenken.
So oder so – Astro-Travel ist längst zu einem Geschäft geworden. Für eine wachsende Zahl von Urlaubern heißt es nicht mehr nur: Meer oder Berge. Bei ihnen beginnt die Reiseplanung auch mit einem Blick in die Sterne.


