Eine Frau sitzt mit Schnupfen im Büro.
Eine Frau sitzt mit Schnupfen im Büro. Imago/photothek

Das darf doch wohl nicht wahr sein! Während die Krankenhäuser sich wieder mit Corona-Patienten füllen und die Politik nach Lösungen versucht, diesen beunruhigenden Trend aufzuhalten, schockt die Studie „Arbeiten 2022“ der Betriebskrankenkasse Pronova BKK mit ihren Ergebnissen: Fast jeder zehnte Corona-Infizierte geht demnach trotz Erkrankung zur Arbeit.

Studie zeigt: Deutsche gehen mehrheitlich krank zur Arbeit

Für die Studie, über die zuerst die Zeitungen der Funke Mediengruppe berichteten, wurden im September 1200 Beschäftigte befragt. Die Studie zeigt dabei auf, dass bei ziemlich vielen Menschen die Arbeitsmoral über dem Schutz ihrer Gesundheit und der ihrer Kolleginnen und Kollegen zu stehen scheint. Denn die Mehrheit der Befragten geht trotz Krankheit zur Arbeit! 

Besonders erschreckend: Laut Studie haben sogar 9 Prozent der befragten angegeben, trotz Corona-Infektion in Präsenz bei der Arbeit zu erscheinen. Und das obwohl es noch Quarantäne-Vorschriften gibt. Ob es sich bei den 9 Prozent im Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Pflege handelt, denen bei symptomfreien Infektionen eine sogenannte Pendelquarantäne auferlegt wurde, die ihnen die Arbeit erlaubt, geht aus dem Bericht nicht hervor. Ebenso wenig wird klar, ob es sich um Mitarbeitende aus besonders prekären Beschäftigungsverhältnissen handelt, denen im Falle des Nichterscheinens negative Konsequenzen des Arbeitgebers drohen. 

Corona: Nur ein drittel kuriert sich wirklich aus

Insgesamt kam die Studie zu dem Ergebnis, das neben die 9 Prozent, die mit Corona bei der Arbeit erscheinen, 17 Prozent von Zuhause aus arbeiten, weitere 17 Prozent ein paar Tage Zuhause bleiben, bis die schlimmsten Symptome vorbei sind, 8 Prozent ihre Entscheidung davon abhängig machen, wie viel gerade bei der Arbeit zu tun ist und nur 33 Prozent Zuhause bleiben, bis sie wieder gesund sind.

Doch nicht nur mit Corona gehen Menschen in Deutschland zur Arbeit. Laut der Studie gaben weitere 20 Prozent an, mit ansteckenden Infektionen in den Betrieb oder ins Büro zu gehen. Nur 28 Prozent der Deutschen bleiben bei Krankheit konsequent Zuhause und arbeiten nicht.

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Trotz Quarantäne-Vorschriften gehen fast zehn Prozent der deutschen mit Corona-Infektion zur Arbeit.
Trotz Quarantäne-Vorschriften gehen fast zehn Prozent der deutschen mit Corona-Infektion zur Arbeit. Imago/Lobeca

Mediziner: Krank zur Arbeit gehen, ist fragwürdig

Medizinerinnen und Mediziner halten dieses Verständnis von Arbeitsmoral für fragwürdig. „Wer sich nicht in Ruhe auskuriert, riskiert, dass Viruserkrankungen auch Herz oder andere Organe angreifen oder sich durch Medikamente unterdrückte Symptome verschlimmern“, sagt Gerd Herold, Beratungsarzt bei der Pronova BKK. „Noch dazu können Mitarbeitende angesteckt werden.“ So sei die Präsenz im Büro trotz positivem Corona-Test „eine unzumutbare Gefahr“.

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Auch nicht ansteckende Krankheiten wurden in der Studie übrigens abgefragt. Demnach gehen 49 Prozent der Befragten mit Rückenschmerzen zur Arbeit, 38 Prozent trotz Allergien und rund ein Drittel mit psychosomatischen oder psychischen Beschwerden.