Die Playmobil-Produktion in Deutschland ist praktisch beendet. Wenige Tage vor der offiziellen Schließung des Werks im mittelfränkischen Dietenhofen wurden die letzten verbliebenen Beschäftigten bezahlt freigestellt. „Die Produktion ruht“, sagte ein Sprecher der Horst Brandstätter Group laut dpa. Damit endet eine Ära deutscher Spielwarenproduktion, die über Jahrzehnte eng mit dem Namen Playmobil verbunden war.
Produktion geht in Malta und Tschechien weiter
Künftig sollen die weltbekannten Figuren nicht mehr in Bayern hergestellt werden. Die Produktion wird aus Kostengründen in den bestehenden Werken auf Malta und in Tschechien gebündelt. Gerade der Standort Tschechien zeigt, wie stark sich industrielle Fertigung innerhalb Europas nach Osten verlagert – auch für traditionsreiche deutsche Marken.
Aus trifft rund 350 Beschäftigte von Playmobil
Entwicklung, Verwaltung, Marketing, Vertrieb und Logistik sollen dagegen in Deutschland bleiben. „Playmobil bleibt als traditionsreicher Spielzeughersteller in Deutschland verwurzelt“, sagte der Unternehmenssprecher.

Der Schritt trifft rund 350 Beschäftigte in Dietenhofen. Das Unternehmen aus Zirndorf hatte bereits im Februar angekündigt, das Werk zum 30. Juni zu schließen. Inzwischen einigten sich Geschäftsführung und Arbeitnehmervertreter auf einen Sozialplan, eine Transfergesellschaft sowie Abfindungen. Für viele Beschäftigte bedeutet das dennoch den Abschied von einem Arbeitsplatz, der oft über Jahre oder Jahrzehnte zum Leben gehörte.
Kritik an der Kommunikation des Unternehmens
Die Entscheidung sorgt für Kritik. Besonders die Kommunikation des Konzerns stieß bei Gewerkschaft und Belegschaft auf Unverständnis. Auf der Spielwarenmesse in Nürnberg hatte Playmobil-Vorstand Bahri Kurter Ende Januar noch erklärt, dass einiges für eine Trendumkehr beim angeschlagenen Hersteller spreche. Nur kurze Zeit später wurde die Belegschaft über die geplante Verlagerung der Produktion informiert.
Das war eine Katastrophe. Für viele von uns ist eine Welt zusammengebrochen.
Der Betriebsratsvorsitzende Michael Ulbrich beschrieb die Nachricht mit deutlichen Worten: „Das war eine Katastrophe. Für viele von uns ist eine Welt zusammengebrochen.“ Auch den Umgang mit dem Betriebsrat kritisierte Ulbrich scharf: „Man hat einen wertschätzenden Umgang absolut vermisst“, sagte er der dpa.
Krise bei vielen Spielwarenherstellern
Hinter dem Aus in Dietenhofen steht eine tiefe Krise des Spielwarenherstellers. Playmobil kämpft seit Jahren mit sinkenden Verkäufen. Die Horst Brandstätter Group hatte bereits zuvor deutliche Umsatzrückgänge verzeichnet. Der Umsatz fiel von 736 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2021/22 auf rund 490 Millionen Euro 2023/24. Zuletzt blieb die Lage schwierig, auch wenn das Unternehmen auf neue Produkte und Kooperationen setzt.


