Sachsen boomt seit Jahren

Konkurrenz für Berlin und München? Warum Dresden zur neuen Startup-Hochburg wird

Dresden wird zunehmend zum Zentrum für Startups. Die Stadt könnte Hochburgen wie Berlin und München ablösen. Was spricht für die sächsische Hauptstadt?

Author - Sebastian Krause
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HolyPoly ist ein Startup aus der Kreislaufwirtschaft und hat sich bewusst für den Standort Dresden entschieden.
HolyPoly ist ein Startup aus der Kreislaufwirtschaft und hat sich bewusst für den Standort Dresden entschieden.Jonas Tuttlies/ HolyPoly GmbH

Als Matthias Röder mit seinem Team 2020 das Startup HolyPoly gegründet hat, kam für ihn als Standort nur Dresden infrage. Die sächsische Landeshauptstadt hat sich zuletzt rasant entwickelt und bietet für junge Unternehmen ideale Bedingungen.

Dresden wird für Startups immer attraktiver

Gründer finden in Dresden eine hohe Dichte an Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen vor. Die Stadt ist auch internationaler Halbleiterstandort und bietet eine starke Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft. Kurzum: Dresden wird für Startups immer attraktiver. Kann Dresden sogar Berlin und München als deutsche Startup-Zentren Konkurrenz machen?

Aufbruchstimmung rund um Dresden

„Das ist schon noch etwas übertrieben“, sagt Matthias Röder, Marketing-Manager des Recyclingunternehmens HolyPoly, dem Berliner KURIER. „Ich glaube, dass Dresden einen direkten Vergleich nicht standhalten könnte.“

Matthias Röder ist Marketing-Manager bei HolyPoly und findet, dass der Standort Dresden zunehmend attraktiver wird.
Matthias Röder ist Marketing-Manager bei HolyPoly und findet, dass der Standort Dresden zunehmend attraktiver wird.HolyPoly GmbH

Perspektivisch könnte sich das aber ändern. Denn: „Ich würde sagen: Berlin baut ab, Dresden baut auf“, sagt der 40-Jährige überzeugt. „Jetzt ist eine gute Zeit, weil es eine Aufbruchstimmung gibt und noch nicht alles abgegrast ist.“

Dresden bietet viele Vorteile für junge Unternehmen

Was aber hat Röder und sein Team überzeugt, in Dresden ein Unternehmen aus der Kreislaufwirtschaft zu gründen? Was hat die Stadt, was andere nicht haben?

Ich würde sagen: Berlin baut ab, Dresden baut auf.

Matthias Röder, Marketing-Manager von HolyPoly aus Dresden

Für Röder sind es vor allem die Lebensbedingungen. Dresden bietet viele Gewerbeflächen zu relativ günstigen Mieten. Außerdem ein gutes Netzwerk zu anderen Gründern, zahlreiche wissenschaftliche Einrichtungen und gute finanzielle Fördermöglichkeiten. Und: In Dresden gibt es zeitnah Termine bei Behörden. „Das ist in Berlin ja durchaus anders“, so Röder: „Darüber hinaus ist Dresden auch eine lebenswerte Stadt.“

In diesen Bereichen ist Dresden stark vertreten

Julian Hoffmann aus dem Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz sieht noch weitere Gründe, warum Dresden so beliebt ist. „Hinzu kommen starke Industrie- und Technologiecluster in Zukunftsfeldern wie Mikroelektronik, Informations- und Kommunikationstechnologien, Künstliche Intelligenz, Robotik, Biotechnologie, Medizintechnik sowie Energie- und Umwelttechnologien“, erklärt der Referent dem KURIER.

Eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Startups spielt die TU Dresden. Zentrale Anlaufstelle für Forschende und Gründer ist das TUD|Excellence Center for Innovation, Transfer and Entrepreneurship  (TUD|excite). Dort bündelt die TU ihre Aktivitäten rund um Patente, Technologietransfer und Unterstützung von Gründungsinitiativen, um Forschungsergebnisse gezielt und schneller anzuwenden.

TU Dresden begleitet jährlich rund 100 Gründungsideen

Das TUD|excite begleitet jährlich rund 100 Gründungsideen aus der Forschung und dem Hochschulumfeld. Daraus entstehen im Durchschnitt etwa 20 bis 30 Gründungen pro Jahr.

Die TU ist außerdem Partner im Verbund von dresden|exists. Das Netzwerk bündelt die Gründungsunterstützung der Hochschulen und Forschungseinrichtungen in der Region und begleitet Gründungsteams standortübergreifend.

TU sieht Dresden nicht auf Augenhöhe mit Berlin

Trotz dieser Möglichkeiten ist man bei der TU skeptisch, ob man damit an die führenden Startup-Hauptstädte in Deutschland herankommt. „Dass wir Berlin oder München den Rang als Startup-Hauptstadt ablaufen, ist eher nicht absehbar“, sagt Konrad Kästner, stellvertretender Pressesprecher der TU Dresden, dem KURIER. Allerdings würden Startups in der Region gute Rahmenbedingungen vorfinden, sodass „etwa 80 Prozent der Ausgründungen der TU Dresden in der Region“ bleiben.

Die TU Dresden unterstützt auf vielfältige Art und Weise Startups.
Die TU Dresden unterstützt auf vielfältige Art und Weise Startups.imago/momentphoto/Killig

Auch wenn es aus Sicht von Kästner nicht ganz für die nationale Spitze reicht, so gibt es doch Felder, in denen die sächsische Landeshauptstadt führend ist. „Wir beobachten, dass Dresden insbesondere bei DeepTech-Unternehmen in Bereichen wie B2B-Software, KI, Mikroelektronik, Sensorik, Healthcare, Medtech an Attraktivität gewinnt.“

Ostdeutschland spielt für Gründer kaum eine Rolle

Für Röder, der in Berlin geboren wurde und seit mehr als 15 Jahren in Dresden lebt, kommt das nicht überraschend. Jahrelang sei die Stadt bei vielen Gründern „nicht auf dem Radar“ gewesen, sagt er. „Ostdeutschland ist bei vielen noch ein blinder Fleck – abgesehen von Berlin.“ Das ändert sich aber zunehmend.

Wir beobachten, dass Dresden insbesondere bei DeepTech-Unternehmen in Bereichen wie B2B-Software, KI, Mikroelektronik, Sensorik, Healthcare, Medtech an Attraktivität gewinnt.

Konrad Kästner, stellvertretender Pressesprecher der TU Dresden

Das Potenzial von jungen Unternehmen in zukunftsweisenden Branchen hat längst auch die Landespolitik erkannt. Zur Finanzierung von Startups steht deshalb unter anderem der Technologiegründerfonds Sachsen (TGFS) zur Verfügung, aber auch  Beteiligungsangebote wie Innovationskapital Sachsen, der Business-Angel-Bonus sowie Zuschuss- und Darlehensprogramme für die Entwicklung und Markteinführung innovativer Produkte und Dienstleistungen.

Sachsen will mehr Ideen in den Markt bringen

Über die Plattform futureSAX unterstützt der Freistaat die Vernetzung von Startups mit Unternehmen, Wissenschaftseinrichtungen und Kapitalgebern in Sachsen und darüber hinaus. Das Ziel ist klar: „Der Freistaat Sachsen möchte die Zahl wissens- und technologiebasierter Gründungen weiter erhöhen“, sagt Hoffmann vom Ministerium.

Besonderes Potenzial sehe er dort, wo wissenschaftliche Spitzenforschung, industrielle Wertschöpfung und innovative Geschäftsmodelle zusammenkommen. „Ziel ist es, noch mehr Forschungsergebnisse erfolgreich in marktfähige Produkte und wachstumsstarke Unternehmen zu überführen“, erklärt Hoffmann.

Startups brauchen am Anfang viel Geld zum Wachsen

Dass dieser Schritt mit einigen Anstrengungen und Problemen verbunden ist, liegt auf der Hand. „Bürokratische Anforderungen lassen sich im Gründungsprozess nicht vollständig vermeiden“, sagt Kästner von der TU. Deshalb sei es das Ziel, Prozesse möglichst transparent zu machen und typische Hürden frühzeitig zu erkennen.

Und nicht zuletzt spielt Geld eine große Rolle. Besonders technologieorientierte Startups benötigen für die Entwicklung, Internationalisierung und Skalierung ihrer Geschäftsmodelle erhebliche Mengen an Kapital – und stoßen dabei schnell an Grenzen.

HolyPoly sammelt 2024 fast eine Million Euro ein

„Die Verfügbarkeit von Venture Capital (Wagniskapital oder Risikokapital, Anm. d. Red.) ist in Ostdeutschland historisch bedingt geringer ausgeprägt als in einigen etablierten Gründungszentren“, erklärt Hoffmann.

HolyPoly will mit seinem Ansatz mehr Unternehmen dazu bringen, recycelte Materialien wiederzuverwenden.
HolyPoly will mit seinem Ansatz mehr Unternehmen dazu bringen, recycelte Materialien wiederzuverwenden.Jonas Tuttlies/HolyPoly GmbH

Das bekam auch HolyPoly zu spüren. Deshalb sammelte das Dresdner Recycling-Startup Anfang 2024 fast eine Million Euro von kleinen Investoren ein. Mit den Einnahmen der sogenannten Crowdinvesting-Aktion wollte die junge Firma wachsen und neue Mitarbeiter einstellen. Das zahlte sich aus: Waren es vor zwei Jahren noch 30 Mitarbeiter, sind es heute bereits 35 Festangestellte sowie 50 Freiberufler, die für besondere Projekte eingesetzt werden.

Standort Dresden bleibt erhalten

Für die Zukunft plant HolyPoly weiteres Wachstum und noch mehr namhafte Partner, um seine Vision von mehr recyceltem Material in Produkten umzusetzen – und das am Standort in Dresden. „Wir haben uns nicht aktiv für Dresden entschieden“, sagt Röder. „Wir haben uns eher aktiv dagegen entschieden, irgendwo anders hinzugehen.“

Wie blicken Sie auf den Startup-Standort Dresden? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com